Startup Kitchen in Stuttgart: Gründerrezepte am Herd

Startup Kitchen StuttgartChristine Garcia Urbina von Trickytine erläutert dem Moderator Thomas Niemietz ihr Gründerrezept. Foto: Jan Reich/Lichtgut

Für ein Herbstmenü holte die Baden-Württemberg Stiftung im Rahmen eines so genannten Startup Kitchen erfolgreiche Unternehmensgründer an den Herd. Kochen und unternehmerische Kreativität passen zusammen.

„Wir leben hier im Schlaraffenland.“ Treffender konnte der Kommentar nicht ausfallen als diese Feststellung von Gerald Holler an einem schönen Abend in den Räumen der Baden-Württemberg Stiftung vor Prominenz aus Politik und Wirtschaft: Denn der 40-Jährige Software-Unternehmer gehörte zu den sechs Gründern, die hier nicht nur von ihrer beruflichen Initiative berichten, sondern auch am Herd Können und Kreativität beweisen sollten.

In der Startup Kitchen, um ein wunderbares herbstliches Menü mit der Kürbissuppe, Rindsgulasch mit Spätzle und einem Ragout mit Portwein-Zwetschgen und mit Rosmarin gewürzten Streuseln unter Anleitung und nach den Rezepten der Foodbloggerin Christine Garcia Urbina zuzubereiten und vielleicht dabei auch noch die bombensichere Rezeptur für eine erfolgreiche Unternehmensgründung zu verraten.

 Startup Kitchen zeigt Analogien zwischen Kochen und Gründen

Auf die Frage, was Kochen und Gründen gemeinsam hätten, steuerte Stiftungsgeschäftsführer Christopher Dahl auch noch Beispiel für Riskantes und Schmerzhaftes bei: „Man verbrennt sich die Finger und man schneidet sich ins eigene Fleisch.“

Wo aber wie im Schlaraffenland aufgetischt wurde, galt dieser Märchen-Superlativ des Wohlergehens in erster Linie dem Land als Förderer und Unterstützer von Gründern und Startup Unternehmen. „Wir wollen das Gründerland Nummer eins werden“, sagte Katrin Schütz, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau.

Dafür müssten sicher auch noch einige Hürden abgebaut werden, räumte sie nach den entsprechenden negativen Erfahrungen des Gründers Christopher Essert ein. Holler blieb trotzdem wie auch andere Gründerkollegen voll des Lobes: Beratung und Förderung durch das Land und damit auch die Möglichkeiten seien deutlich verbessert: „Hier ist ein gutes Pflaster für Gründer, denn man findet hier auch gute Leute.“ Hier einige Porträts der Teilnehmer des Startup Kitchen.

Wormanizer: Die schlauen Schwestern

Was andere wegwerfen, wird bei Nadine (32) und Anne Kathrin (26) Antic zu Geld. Als Werkstudentin bei einem Automobilkonzern in Stuttgart erlebte Nadine Antic, dass wertvolle Materialien und Ressourcen wie Metall oder Kunststoff entsorgt und verschwendet werden. „Dabei kann das Material fast immer in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden, das schont Finanzen und Ressourcen“, betont sie. Also entwickelte sie einen Businessplan für ein Startup, das Unternehmen dabei berät, Entsorgung ganzheitlich, kostengünstig und materialeffizient zu gestalten. Global Flow, so der Firmenname , gewinnt den Businessplan an der Hochschule.

Inzwischen hat sie mit ihrer Schwester Anne Kathrin ein zweites Stand-up Unternehmen gegründet: Wormanizer ist ein von Würmern hergestellter Naturdünger, in dem recycelt wird, was sonst in der Müllverbrennung gelandet wäre. Die erfolgreichen Schwestern haben zwölf Mitarbeiter, namhafte Unternehmen als Kunden und weltweit ein gut funktionierendes Netzwerk.

Essert: Der Visionär

Mit Null Euro hat sich Christopher Essert als 21-Jähriger im badischen Ubstadt zum ersten Mal als Roboterprogrammierer selbstständig gemacht, mit 23 Jahren hat er seine erste Million erwirtschaftet. Dann investierte er, inspiriert von Elon Musk (Tesla) in Service Apps. Mit seinen Service Apps und einer Datenbrille kann sich ein Mitarbeiter von einem Experten virtuell in der Produktion über die Schulter schauen lassen. Zwei Erfahrungen blieben ihm dabei nicht erspart: „Die Investitionskosten waren deutlich höher als geplant, und es dauerte länger als ich dachte, bis die Kunden das Produkt verstanden.“

Jetzt ist Essert 29 Jahre alt und rechnet für die nächsten zwei Jahre mit einem Umsatz von zehn Millionen Euro. „In Zukunft“, so der Visionär, möchte ich Startups beraten und in agile Geschäftsentwicklungen investieren.“ Dem Land als Förderer schreibt er ins Stammbuch, dass nicht alles nach Schema F beurteilt werden dürfe und vieles zu lange dauert: „Mein neues Firmengebäude stand schon, als der Antrag auf Förderung endlich bearbeitet wurde, weil ich als 31. Antragsteller auf der Warteliste stand.“ Seine Mitarbeiter sind im Durchschnitt 30 Jahre alt, in der Firma in Ubstadt herrsche „Wohlfühlatmosphäre, denn in diesem Raum buhlen große Unternehmen um gute Mitarbeiter“.

Compris: Der Wagemutige

Nicht immer gelingt das Unternehmertum im ersten Anlauf. Gerhard Holler weiß, was es heißt zu scheitern und wagte dennoch einen zweiten Anlauf. „Mit 18 hatte ich die Idee, dass man Briefe schneller zuteilen kann als es die Post schafft.“ Dass er damit auf der Strecke blieb und sich ziemlichen Ärger mit der Post eingehandelt hat, schreibt er einem „gewissen jugendlichen Leichtsinn“ zu.

Der Traum vom Unternehmertum war mit 20 ausgeträumt, Holler kehrte ins Angestelltenverhältnis zurück und wusste bald umso mehr: „Ich will langfristig mein eigener Chef sein.“ Der Gründer-Mut hatte ihn nicht verlassen, mit seiner jetzigen Software-Firma Compris ist er nun schon seit 15 Jahren im Channel-Management erfolgreich. Auch dank der guten Bedingungen in Baden-Württemberg, wie er versichert: „Hier gibt es es ein wahnsinniges Kundenpotential.“

Spätzle-Shaker: Die Erfinderischen

Ums Essen geht es bei Susann Hartung und René Fiedler. Die ehemalige Modejournalistin aus Tübingen hat den Spätzle-Shaker erfunden, um einerseits dem Sohn jederzeit und schnell seine schwäbische Leibspeise zubereiten zu können und andererseits nicht immer mit den klebrigen Teighinterlassenschaften in Küche und Töpfen kämpfen zu müssen.

Wie in einem Cocktailshaker werden nach der Markierung die Zutaten gemixt, geschüttelt und dann ganz einfach in gleichmäßigen Teigwürstchen ins sprudelnde Wasser gedrückt. Drei Minuten aufkochen und fertig. Nach diesem Modell gibt es auch Shaker für Pfannkuchen oder Crepes, die jedes gute Haushaltsgeschäft führt.

Trickytine: Die Trickreiche

Trickytine nennt sich Christine Garcia Urbina, die ihre Leidenschaft fürs Kochen als Foodbloggerin zur Profession gemacht hat. Wie verdient man damit eigentlich Geld, wollten die Besucher in der Startup kitchen wissen, in der sie gekonnt Regie am Herd führte.

„Man ist eine Markenbotschafterin und sucht sich Businesspartner“, gibt sie Auskunft. Natürlich nur solche, hinter denen sie auch stehen könne, das mache sie auch transparent. Fotografie und kulinarische Reisen sind die Beilagen dieser beruflichen Feinschmeckerei.

Barbe-Ko:Kohle aus Kokosnuss-Schalen

Kohle aus Kokosnuss-Schalen liefert René Fiedler für den Grill. Barbe-Ko (inspiriert von Barbecue) nennt er sein Unternehmen. Er importiert die Kokos-Kohle aus Ländern wie Thailand und Indonesien und achtet darauf, dass dafür kein Regenwald zerstört wird. Die Kokos-Kohle, versichert er, hält vier bis fünf Mal länger und entwickelt 30 Prozent mehr Hitze als herkömmliche Grillkohle.

 

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