Startup-Kapital 2018: Südwesten hinkt hinterher

Startup-Kapital 2018; Baden-WürttembergBeim Risikokapital in Deutschland bleibt der Schatten von Berlin übermächtig. Foto: Unsplash/Shayne House

Das Startup-Kapital 2018 liegt in Deutschland gut im Plus. Doch während Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen zum bisherigen Spitzenreiter Berlin etwas aufschließen, konnte Baden-Württemberg nicht punkten.

Insgesamt knapp 4,6 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr in junge deutsche Unternehmen investiert – 7 Prozent mehr als 2017 – so jedenfalls besagt es das Startup Barometer 2019 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY. Auch die Zahl der Investitionen erreichte mit 615 einen neuen Höchststand, im Vorjahr gab es 507 Transaktionen.

Berlin bleibt Deutschlands Startup-Hauptstadt. Hier gab es im vergangenen Jahr 247 Finanzierungsrunden im Volumen von insgesamt 2,64 Milliarden Euro. Die Zahl der Finanzierungen lag damit 6 Prozent höher als 2017. Das Investitionsvolumen sank hingegen um 11 Prozent. Der Grund für den Rückgang ist eine geringere Zahl von ganz großen Transaktionen wie etwa im Jahr 2017 für den Essenslieferdienst Delivery-Hero, der damals insgesamt 808 Millionen Euro von Investoren erhielt.

Startup-Kapital 2018 bricht im Südwesten um zwei Drittel ein

Deutlich mehr Geld als 2017 ging im vergangenen Jahr hingegen an Startups aus Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen. In Bayern stieg das Investitionsvolumen um 97 Prozent auf 802 Millionen Euro, in Hamburg um 138 Prozent auf 548 Millionen Euro und in Nordrhein-Westfalen um 154 Prozent auf 243 Millionen Euro. Baden-Württemberg konnte nicht mithalten. Das Transaktionsvolumen ging hier von 207 Millionen auf 71 Millionen sogar deutlich zurück – ein Minus von zwei Dritteln.

Damit ist der Südwesten von Platz vier im Ländervergleich auf Platz sechs gerutscht. Nur Thüringen hatte mit Minus 84 Prozent von 118 Millionen auf 24 Millionen prozentual einen stärkeren Einbruch zu verkraften. Diese Werte können allerdings durch einzelne Deals stark beeinflusst werden. In Berlin sammelte beispielsweise allein die Gebrauchtwagen-Plattform Auto1 mit 460 Millionen Euro im vergangenen Jahr schon sechseinhalb Mal so viel Kapital ein, wie alle baden-württembergischen Startups zusammen. EY nimmt auch öffentlich bekannt gewordene Finanzierungen von unter 5 Millionen Euro bis zu mehreren hundert Millionen Euro in die Liste auf.

Bei der Zahl der Deals ist Baden-Württemberg Durchschnitt

Wenn man hingegen die Anzahl der Unternehmen nimmt, die 2018 auf Kapitalsuche gingen, hat Baden-Württemberg mit einem Plus von sechs Prozent (von 34 auf 36) immerhin den Bundesdurchschnitt erreicht und konnte seinen fünften Platz in der Länder-Rangfolge von 2017 halten. Zum Vergleich: In Bayern gab es in Plus um 63 Prozent auf 124 und in Nordrhein-Westfalen um 54 Prozent auf 60. Inbesondere im Vergleich zum süddeutschen Nachbarbundesland Bayern fällt der Südwesten ab: „Gerade der Start-up Standort Bayern mit dem Zentrum München entwickelt sich zurzeit stark und holt mit großen Schritten auf“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung von EY Deutschland. Starke Konzerne und Investoren und hohe Lebensqualität entwickelten dort  eine „vielversprechende Dynamik“.

In Baden-Württemberg wird aber auch diskret finanziert

EY stützt sich bei seiner Untersuchungen auf Mitteilungen der Startups selbst und auf Presseberichte. Finanzierungsrunden etwa im Rahmen der für süddeutsche Startups typischen Kooperationen mit Mittelständlern und mit deren oft diskret agierenden Finanzverwaltern („Family Offices“) sind hier nicht unbedingt auf dem Radarschirm. Hier geht es auch öfter um kleinere Summen.

Aber über deren Bedeutung lässt sich nur spekulieren – und auch fehlende Öffentlichkeit und Transparenz ist durchaus eine Schwäche eines Startup-Ökosystems. Bei EY, wo man auch diverse Datenbanken nutzt, glaubt man nicht, dass dies zu systematischen Verzerrungen führen kann: Solche Finanzierungen gebe es auch anderswo in Deutschland und Startups hätten ganz grundsätzlich ein Interesse dran, ihre Finanzierungen publik zu machen, sagt ein Sprecher.

Schwache Bilanz im Mobilitätsbereich

Für Baden-Württemberg bemerkenswert ist das schwache Abschneiden im vermeintlichen Paradebereich der Mobilitäts-Startups. Nur eine Million Euro Investitionsvolumen schlugen hier 2018 zu Buche. Das ist in Deutschland Platz sieben.

Dabei sind insgesamt stolze 427 Millionen Euro in diesem Bereich geflossen, davon immerhin 136 Millionen in Startups aus dem Automobilbereich – als Branche eigentlich eine Stärke des Südwestens. In Berlin wurde von Mobilitäts-Start-ups mehr als eine Viertelmilliarde Euro eingesammelt, in Hamburg waren es 80 und Bayern und Nordrhein-Westfalen 38 beziehungsweise 36 Millionen.

Etwas besser sieht es beispielsweise im Gesundheitsbereich aus. Hier liegt Baden-Württemberg mit 15 Millionen Euro Risikokapital, das 2018 an an Startups floss, im Vergleich der 16 Bundesländer auf Platz vier. Das gleiche gilt für den Sektor Software und Analyse, wo der Südwesten mit 19 Millionen Euro ebenfalls einen vierten Platz  erreicht.

Hierzu gibt es auch einen Kommentar.

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