Startup in.in vermittelt Rentner als Zeitarbeiter

Startup in.inZeljko Lukic (links) und Hanspeter Mangold besprechen, wie die Fachkräftevermittlung aussehen könnte. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Das Startup in.in aus Ludwigsburg möchte Rentner als Zeitarbeiter in Versicherungs-Firmen vermitteln. In Anbetracht der demografischen Entwicklung könnte die Idee Potenzial haben.

Aus seinen Plänen hat Hanspeter Mangold nie einen Hehl gemacht: Bei seinem Bewerbungsgespräch zum Personalchef der Stuttgarter Versicherung vor 21 Jahren sagte er zum Chef: „Ich werde früher in Rente gehen als Sie.“ Geklappt hat es in doppelter Hinsicht: Er bekam den Job – und ging tatsächlich früher in Rente als sein Chef. Nur mit dem Ruhestand ist es bei ihm so eine Sache.

Der heute 63-Jährige arbeitet derzeit an der Gründung seines eigenen Startups: in.in heißt es und es soll, vereinfacht gesagt, Rentner als Zeitarbeiter an Firmen vermitteln, die kurzfristige Engpässe in Sachen Personal oder Expertise überbrücken müssen. „Es gibt viele, die im Job aufhören und sich noch nicht zum alten Eisen zählen und sich noch engagieren wollen“, sagt Mangold. Gerade das über Jahre angeeignete Fachwissen der Rentner sei für Unternehmen Gold wert.

Expertise durch Zeitarbeiter

Es gibt nur einen Haken bei der Sache: Die Unternehmen können die Ruheständler in der Regel nur unbefristet einstellen. Da die Rentner aber vor allem projektbasiert und befristet eingesetzt werden sollen, gebe es nur den Weg über die Arbeitnehmerüberlassung, sprich: Zeitarbeit.

Hierfür hat sich Mangold, der im Ditzinger Ortsteil Hirschlanden wohnt, die Expertise der Stuttgarter Zeitarbeitsfirma Hello AG eingekauft. Sie kümmert sich um die Gehaltsabrechnung, die Vertragsführung und die Betreuung der „Kandidaten“, wie die noch arbeitswilligen Rentner genannt werden. Bewerber möchte man sie nicht nennen, denn bewerben habe immer auch etwas mit Druck und Konkurrenz zu tun, sagt Zeljko Lukic, der Chef der Hello AG. „Die Zauberformel bei uns ist die Freiwilligkeit“, sagt Lukic. So liefen die Gespräche mit den Kandidaten auch nicht wie klassische Bewerbungsgespräche ab. Im Gegenteil: der Arbeitnehmer könne hier seine Forderungen loswerden und der Vermittler schaue dann, ob das in Einklang zu bringen ist mit dem Bedarf der Firma. Doch natürlich gebe es auch Ruheständler, die sich wegen einer zu knappen Rente noch etwas dazuverdienen müssten, gesteht Lukic ein.

Der Standort für das Startup in.in soll in Ludwigsburg sein

Doch die sollen bei seinem Startup in.in eine Ausnahme darstellen, sagt Hanspeter Mangold. Der in Versicherungskreisen bestens vernetzte Personaler und Jurist hat sich für sein Startup auf die Versicherungsbranche konzentriert. Bei den Mitarbeitern in der Branche gebe es hohe Verdienste und eine gute Absicherung für die Zukunft. Wer sich also bei „in.in“ meldet, tue das, weil er sich gebraucht und wertgeschätzt fühlen möchte aufgrund seiner langjährigen Berufserfahrung. Gerade bei Schwangerschaftsvertretungen oder einem aufwendigen, aber befristeten Projekt wie einem Rechnungsabschluss sei es für Versicherungen sinnvoll, sich kurzfristig Expertise einzukaufen. Den Vorwurf, die Alten besetzten die Stellen, die junge Leute gerne hätten, lässt Mangold nicht gelten: Der Rentner sei kein Konkurrent, sondern so etwas wie „die Feuerwehr, wenn es brennt“.

Die Rekrutierung der Ruheständler funktioniert laut Lukic auch anders als sonst üblich: kein Xing oder LinkedIn, sondern „die gute, alte Telefonliste“. Hier helfen Mangold seine über Jahre aufgebauten persönlichen Kontakte.

Angesichts des viel beklagten Fachkräftemangels steckt durchaus Potenzial in der Idee. Und wenn in ein paar Jahren die Generation der Babyboomer in Rente geht, wird auch Mangolds Kreis der „Kandidaten“ wachsen. Das Angebot soll zu einem späteren Zeitpunkt auch auf andere, technische, Branchen ausgedehnt werden.

Noch ist das Startup in.in mitten in der Gründung, und Mangold sucht die passende Rechtsform für sein Unternehmen. Der Standort soll in Ludwigsburg sein. Für 2019, also dem Jahr eins nach der Gründung, hat Mangold ehrgeizige Ziele: Bis zu zwölf Mitarbeiter sollen an Versicherungen verliehen werden. Der daraus resultierende Umsatz für das Startup beliefe sich dann auf 1,75 Millionen Euro, so seine Hochrechnung.

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