Uni Hohenheim eröffnet Startup Garage Hohenheim

Uni Hohenheim eröffnet Startup Garage Hohenheim

In der neuen „Startup Garage Hohenheim“ der Universität Stuttgart-Hohenheim sollen Studenten ganz praktisch Geschäftsideen finden und umsetzen. Hier sollen auch noch unentdeckte, unternehmerische Talente  auf das in ihnen schlummernde Gründer-Gen stoßen. 

Wo sollen eigentlich die ganzen von Politik und Wirtschaft so unermüdlich beschworenen und vielfach geforderten Gründer herkommen? Das ist für Martin Allmendinger, der sich nicht nur als Doktorand an der Universität Stuttgart-Hohenheim mit dem Thema Gründerkultur beschäftigt, sondern auch selbst  gegründet hat, die Schlüsselfrage für die deutsche Startup-Kultur. Er ist der Initiator eines innovativen,  praxisorientierten Lehrformats namens Startup Garage. Nach einer Pilotphase soll es  zu einem festen Angebot des Lehrstuhls für Unternehmensgründungen und Unternehmertum werden.  Das ist insofern Neuland, als bisher der Studiengang Entrepreneurship wissenschaftlich angelegt  und nicht als  Gründerförderung konzipiert ist.

Die Startup Garage Hohenheim bietet Freiraum für Ideen

„Ich glaube, dass die Hochschulen eigentlich der perfekte Freiraum wären, um junge Menschen für das Gründen zu gewinnen. Aber das wird leider viel zu wenig genutzt“, sagt Allmendinger.  Das Studium sei eine Zeit mit weniger Verpflichtungen und eine Lebensphase, in der man auch mal den Gürtel enger schnallen könne – wichtige Voraussetzungen, um sich als Gründer erst einmal ausprobieren und ohne gravierende Folgen vielleicht auch scheitern zu können.
Es geht für Allmendinger dabei weniger um diejenigen, die schon eine Idee gefunden haben. Er spricht lieber von unternehmerischen Talenten als von Gründern. „Auch wenn bei unserem Projekt  vereinzelte Gründer dabei sind, geht es primär zunächst um die Entwicklung unternehmerischer Fähigkeiten und einen ersten Überblick. Es soll ein Vorbereitungsprogramm für Gründer sein“, sagt er und sieht genau  hier  eine Lücke bei der Förderung.
Für Studierende, die bereits eine Gründungsidee haben, gibt  es von der auf  Gründungen aus den Hochschulen ausgerichteten Exist-Bundesförderung  über univer­sitäre Startup-Betreuung bis hin zu Gründerwettbewerben  eine ganze Reihe von Angeboten.  Doch  sogar  manche  Wettbewerbe leiden darunter, dass sich  nicht genügend junge, unentdeckte Unternehmertalente überhaupt eine Gründung vorstellen können.

Gründer-Talente müssen erst gefunden werden

„Wir müssen diejenigen in den Blick bekommen, die erst noch zum  Thema Gründen finden müssen“, sagt Allmendinger. Selbst Wirtschaftsstudenten fehle manchmal der Überblick, wie man das Thema Gründen grundsätzlich angehen kann.  „Nein, eine echte Garage haben wir leider nicht“, sagt Allmendinger. Die Veranstaltung wird in einem der normalen, auf die Frontal-Vorlesung alter Schule ausgerichteten Hörsäle stattfinden müssen. Offene Kommunikationsräume,  die zum Kern einer modernen Startup-Kultur gehören, sind nämlich im traditionellen Hochschulbetrieb bisher nicht vorgesehen. Das hat Symbolwert.   Allmendinger  will aber solche Äußerlichkeiten nicht zu hoch hängen. Viel wichtiger sei es, dass ein Umdenken in den  Köpfen stattfinde. „Im Prinzip dehnen wir ein Startup-Wochenende auf ein Semester aus“, sagt er über die Methodik der Universitätsveranstaltung, die sich aus dem bewährten Werkzeugkasten dieser Events bedient.
Dort finden meist spontan zusammengewürfelte Teams  binnen zwei bis drei Tagen  nach einem offenen Brainstorming eine zumindest in Grundsätzen evaluierte und oft schon  mit einem ersten Prototypen versehene Geschäftsidee. Die Startup Garage Hohenheim beginnt am 12. April mit einer Informationsveranstaltung  und ist anschließend in sechs systematische, alle zwei Wochen stattfindende,  90-minütige Kurse gegliedert. Die Teilnehmer durchlaufen dabei nacheinander die Etappen Ideenfindung, Teamaufbau, Marktforschung, Finden des Geschäftsmodells, Protoypentwicklung und Anfang Juli  die abschließende Präsentation – im Startup-Jargon Pitching genannt.

Training mit digitalen Werkzeugen

Die Teilnehmer  sollen dabei etwa im Kapitel Marktforschung auch den Umgang mit innovativen digitalen Werkzeugen lernen. So können sie sich etwa über Google Adwords anzeigen lassen, ob nach ihrer Pro­blemstellung oder  Produktidee im Internet gesucht wird.   Im Rahmen der Startup Wochenenden können dazu aber auch Interviews von Passanten gehören.
Die Startup Garage Hohenheim verlangt von den Studierenden  zusätzliches, freiwilliges Engagement. Sie ist zwar als Übung im Rahmen einer Entrepreneurship-Vorlesung deklariert, fließt allerdings nicht in die Studienleistungen ein. Man habe  los­legen und nicht  den bürokratischen Weg gehen wollen, sagt Allmendinger.  Auf der anderen Seite gibt dies den Teilnehmern  viel Freiraum. Ob man seine eigene  Geschäftsidee verfolgt oder ob man sich    anderen anschließt, bleibt den Teilnehmern überlassen. Auch, ob man  einzeln unterwegs sein will oder  die Übung lieber in der Gruppe absolviert, steht  einem frei.  Zudem gibt es die Möglichkeit, externe Teampartner einzubinden.
Zunächst richtet sich das Angebot an Managementstudenten.  Aber auch  Studierende anderer Fachrichtungen seien willkommen, sofern die 20 verfügbaren Plätze nicht voll werden, sagt Allmendinger.  „Wir haben da schon eine Warteliste von zehn bis zwölf Leuten.“ Bewerber von anderen Unis kann man aber zurzeit noch nicht aufnehmen.
Der Weg ist das Ziel. Die erzieherische Wirkung ist wichtiger als die Frage, ob die Geschäftsideen nach der Übung weiterverfolgt werden. Allmendinger hofft, dass die Schulung im praktischen unternehmerischen Denken  auch für andere Universitäten  oder  für firmeninterne Innovationsprozesse zum Vorbild werden könnte. 

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