Startup Garage 2018: Fünf Teams im Rennen

Startup Garage 2018Das Team der Dating-App Eisbrecher beim Finale der Startup Garage der Uni Hohenheim in Stuttgart. Foto. Lichtgut/Christoph Schmidt

Unternehmensgründung zum Anfassen hat die  Universität Stuttgart-Hohenheim seit Frühjahr 2016 auf dem Programm. Studenten arbeiten ein Semester lang an einer konkreten Geschäftsidee. Nun war das Finale der Startup Garage 2018.

Fünf Gruppen haben sich zum Abschluss des Sommersemesters sich in der Thomas-Müntzer-Scheuer in knackigen drei Minuten vor einer Fachjury und Ihren Kommilitonen präsentiert, um Preise zu gewinnen, die von einer Fachberatung zum Geschäftsmodell, Arbeitsplätzen in Coworking-Büros bis hin zur Teilnahme an einem großen Innovationskongress im Herbst in Stuttgart reichten.  Alle schafften eine sekundengenaue Punktlandung bei ihrer Präsentation – auch das schon eine Leistung.

Die Dating-App Eisbrecher zieht beim Publikum

Dass bei den Konzepten auch stark die studentische Lebenswelt und der entsprechende Kundenbedarf mitspielt,  zeigten wieder einmal Projekte wie die Dating-App Eisbrecher oder die Essens-Hilfe Yumeal. Eisbrecher will besser als das große Vorbild Tinder sein, weil man die Nutzer gleich zur Offline-Kontaktaufnahme bringen will. Schreiben gilt nicht: Die App signalisiert nur, ob der Traummann und die Traumfrau, die man im unmittelbaren Umkreis ins Visier genommen hat, nun prinzipiell ansprechbereit ist oder nicht. Direkt hingehen muss man dann schon selber. „Das kann aber die Angst vor Zurückweisungen minimieren“, hieß es bei der Kurzpräsentation. Das Publikum fand das auch und honorierte das Team mit dem Publikumspreis.

Die Jury hingegen favorisierte die App rund ums Essen. Das Team von Yumeal will mit einer intelligenten, lernenden App die Essensvorlieben der Nutzer abfragen – um ihm dann leicht zu kochende und gesunde Mahlzeiten vorzuschlagen.

Die Qualität der Konzepte wird immer besser

Der Initiator Andreas Kuckertz, der sich als Professor in Hohenheim wissenschaftlich mit dem Thema Gründungen beschäftigt, sieht als Bilanz der fünften Runde  einen klaren Trend: „Die Qualität ist klar gestiegen. Vor allem beginnt sich jetzt nach zweieinhalb Jahren ein Netzwerk zu etablieren. Frühere Teilnehmer geben ihre Erfahrungen weiter.“ Von Anfang an sei das Angebot gut angekommen, obwohl es keinen Schein fürs Studium gibt.

Am Ende kann durchaus ein lebensfähiges Startup entstehen.  Aus der Sieger-Idee der Vorgängerrunde, bei der alte Regenschirme  innovativ wiederverwertet werden sollten, ist ein echtes Sozialunternehmen geworden, das Häftlingen in einer baden-württembergischen Justizvollzugsanstalt Arbeit gibt. Die Produkte werden inzwischen vermarktet. Aber zunächst geht es auch bei der Startup Garage 2018 um Erfahrungen im unternehmerischen Denken.

Startup Garage 2018 mit Teams aus verschiedenen Fakultäten

Vor allem sei das Thema Gründen inzwischen auch bei den Fakultäten jenseits der Wirtschaftswissenschaften angekommen, sagt Kuckertz.  Gemischte Teams waren deshalb zum Finale im Sommersemester für die Startup Garage 2018 typisch: Wirtschaftswissenschaftler plus Experten aus dem Bereich IT oder Landwirtschaft und Lebensmitteltechnologie. Auch dieses Denken über die Fakultäten hinaus ist Ziel des innovativen Lernformats, das Praxiserfahrung ins Studium integrieren soll.

Trotz aller hochfliegenden Visionen: die Gründer in spe sind realistisch. Gerade bei Apps ist es nicht leicht ist, die nötige Reichweite zu erreichen. Man wolle regional anfangen und dann sehen, was sich entwickele, kündigte das Team von Eisbrecher an. In jedem Fall sind viele der Projekt nach dem Semester noch lange nicht zu Ende.

Visionen sind willkommen

Dass in der Startup Garage 2018 auch ganz groß gedacht werden kann, zeigte etwa auch das Konzept einer Bezahlplattform auf Blockchain-Basise, welche die Abwicklung von Kreditkartentransaktionen massiv billiger machen soll. „Da sind ihre Konkurrenten gleich so Giganten wie Visa und Mastercard. Man kann da ja nicht sagen, dass das eine typische deutsche Gründung ist, wo man in zu kleinen Maßstäben denkt“, sagte Gründer-Professor Kuckertz durchaus mit Respekt.

Völlig illusorisch scheint das hochfliegende Projekt nicht. Interpay will sich an eine Blockchain-Plattform aus den USA andocken, die wie andere Startups aus dem Bereich der Finanztechnologie durchaus schon zum Schrecken der etablierten Banken geworden sind.

Offen bleiben für Weiterentwicklungen, das ist der Rat von Leif Brändle, dem Kursbetreuer auch bei der Startup Garage 2018: „Wir hatten mal ein Startup, das mit der Idee von zusammensteckbaren Möbeln anfing – und heute unter dem Namen The Female Company biologisch abbaubare Tampons vertreibt.“

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