Startup BW Summit 2019 – jenseits der Provinz

Startup BW Summit 2019Israel zeigte auf dem Startup BW Summit deutlich Flagge. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Der Startup BW Summit 2019 in Stuttgart hat auf mehr Internationalität gesetzt – aber dient immer noch vor allem als Schaufenster der baden-württembergischen Startup-Regionen.

Eigentlich, so sinnierte Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Auftakt des zweiten baden-württembergischen Startup-Gipfels, sei er mit seinen Grünen doch einst auch ein Gründer gewesen. „Ich kenne Ihre Erfahrungen“, sagte er zu den Teilnehmern auf dem Stuttgarter Messegelände: „Das heißt Stress mit Mitgründern, Rückschläge, das heißt, trotzdem weiterzumachen, bis man durch ist. Ich habe da vor jedem von Ihnen den größten persönlichen Respekt.“ Startup-Förderung, so wurde deutlich, ist für den grünen Politiker einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Akzente, die er setzen will. Dass das auch für den Koalitionspartner CDU gilt, wurde bei der Pressekonferenz zum Event deutlich.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) brauchte dort so lange mit der Aufzählung aller von ihr angestoßenen neuen Landesprogramme zur Startup-Förderung, dass der das Podium leitende stellvertretende Pressechef des Ministerpräsidenten unübersehbar auf seine Uhr blickte.

Kretschmann beklagt den Mangel an internationalen Investoren

Zum zweiten Mal nach 2017 hat das Land zum zentralen Startup-Treffen geladen. Dieses soll Baden-Württemberg auch international als Startup-Standort mehr auf die Landkarte bringen. „Es fehlt immer noch an großen privaten Investoren aus dem Ausland“, sagte Kretschmann: „Dass sich Gründer ab einer Investmentgröße von 30 Millionen Euro ans Ausland wenden müssen, ist ein Alarmzeichen.“ Und so hat man sich bei dem veranstaltenden Wirtschaftsministerium, dessen CDU-Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut treibende Kraft hinter der Gründer-Dachmarke „Startup BW“ ist, einige Mühe gegeben, um sich diesmal im Gegensatz zur ersten Ausgabe nicht dem Vorwurf einer Südwestnabelschau auszusetzen.

Gezielt wurden Startups aus dem Ausland eingeladen, beispielsweise aus Partnerregionen. Mit Israel hat man ein Gastland gefunden, das für seine Startups  verstärkt Geschäftspartner in Baden-Württemberg sucht, vor allem in der Autoindustrie. Und überall in der Halle konnte man sich Kopfhörer für die Simultanübersetzung schnappen – wegen der zahlreicher gewordenen internationalen Gäste, aber auch deshalb, weil diesmal zumindest ein Teil des Programms auf Englisch stattfand.

Auf dem Startup BW Summit 2019 gibt es Startup-Sprit aus Afrika

Die prominente Gastrednerin Auma Obama, die Halbschwester des Ex-US-Präsidenten, brauchte das allerdings nicht. Sie hat in Heidelberg studiert – und weitete mit ihrem auf Deutsch gehaltenen Plädoyer für den wachsenden afrikanischen Gründergeist auf ihre Weise den internationalen Horizont: „Die jungen Leute bei uns haben gar keine andere Wahl, als wie ein Startup zu denken, wenn sie eine Zukunft haben wollen. Sie entwickeln keine Apps, die irgendwelche Spiele schneller machen, sondern Apps, die etwas bewegen und die zu unserer Entwicklung beitragen.“ Die Lacher hatte sie auf ihrer Seite, als sie sagte, dass das Internet in ihrem Büro in Kenia schneller sei als in Pforzheim: „Dafür fällt immer wieder der Strom aus.“

So ganz löste sich die Veranstaltung auch im zweiten Anlauf nicht vom regionalen Horizont. Nicht Themen, sondern die unterschiedlichen ­regionalen „Ökosysteme“ bestimmten die Präsentation. Säuberlich gegliedert nach zehn Regionen waren die Startups in der Halle verteilt.

Baden-Württemberg ist mit einer derartigen Veranstaltung in Deutschland bisher einmalig. Die meisten Startup-Treffen sind privatwirtschaftlich organisiert . Dort reden oft große Sponsoren mit, und Konzerne oder etablierte Firmen spielen sich zunehmend in den Vordergrund.

Auch der Startup Summit BW 2019 achtet fein auf regionale Balance

Beim Startup-Gipfel haben die Gründer die Halle für sich. Ob die Ortenau oder Karlsruhe, jeder ist auf Augenhöhe. Und ob ein Startup Pflanzen online verkauft oder als Hightech-Gründung die Künstliche Intelligenz vorantreibt – die Schwelle für Gründer, um sich bei der regionalen Auswahl zu qualifizieren, ist eher niedrig

Adrian Thoma vom Bundesverband Deutsche Startups in Baden-Württemberg würde trotz aller angestrebten Internationalität an dieser Rolle als „Familientreffen“ der heimischen Startups nichts ändern: „Wir brauchen immer noch ein Schaufenster, in das sich unsere Startups stellen können.“ Dass das Event im Vergleich zur ersten Auflage doppelt so groß geworden sei, spreche für sich.

Andere, wie Markus Besch, Mitbegründer des Stuttgarter Startup Zentrums Wizemann, hätten sich thematische Schwerpunkte gewünscht. Startup-Entwicklungsprogramme wie der Stuttgarter M-Tech-Accelerator rund ums Thema Mobilität seien nicht genügend sichtbar geworden: „Es ist auch bezeichnend, dass sich die meisten Startups immer noch auf Deutsch präsentieren“, so Besch. Ministerpräsident Kretschmann plädierte jedenfalls für Evolution statt Revolution: „Man sollte den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen“, sagte er auf die Frage, wie sich die Veranstaltung weiterentwickeln solle.

Fakten zum Startup BW Summit 2019
Mit 5300 Teilnehmern, 400 Startups, darunter 75 ausländische Unternehmen aus 16 Ländern, sowie zusammengenommen 600 Partnern aus etablierten Firmen, Beratung und Förderung ist der „Startup BW Summit 2019“ das bisher größte Event rund um das Thema im Land.
Der Gipfel wird vom Landeswirtschaftsministerium veranstaltet, das dafür aus dem für 2018/2019 insgesamt auf 68 Millionen Euro aufgestockten Topf für die Startup-Förderung schöpft. Unterstützt wird das für die Teilnehmer kostenlose Event auch von der L-Bank.
Neue Landeswettbewerbe hatten in Stuttgart ihr erstes Finale. Dazu gehörte der Wettbewerb „Startup BW Local“, bei dem Kommunen im Land für ihr bestes Startup-Förderkonzept gekürt werden, sowie der Hochschulwettbewerb ASAP zur Startup-Frühförderung.

Den Kommentar zum Event gibt es hier.

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