Sozialunternehmer – Baustein im Startup-Biotop

Sozialunternehmer; Social Impact LabDas Social Impact Lab in Stuttgart will die Tür für Sozialunternehmer öffnen. Foto: Social Impact Lab

Was treibt Sozialunternehmer an? Und wie kann man Social Entrepreneurship auch kommerziell erfolgreich machen? Das Beispiel des Social Impact Lab in Stuttgart. Ein Gastbeitrag von dessen Leiter Claudio Rathlef.

Können Sozialunternehmer und Sozialunternehmerinnen die Welt retten? Obwohl  manche es behaupten, ist diese Vorstellung wahrscheinlich eine Utopie. Aber sicherlich können viele Sozialunternehmer durch ihr Handeln ihre Welt ein Stück besser machen. Beim Social Impact Lab in Stuttgart versuchen wir, solche Innovationen zu fördern und Schwierigkeiten im Gründungsprozess zu überwinden – etwa die Frage, wie das Startup erfolgreich wachsen kann.

Die Probleme die Sozialunternehmer im Blick haben, sind vielfältig. Sie reichen von ökologischen Themen, wie dem Verlust von Biodiversität oder der Vermeidung von Plastikmüll bis hin zu Armutsbekämpfung, Integration, sozialer Teilhabe, und verbesserter Lebensqualität. Dabei wollen viele nicht nur die Symptome dieser Probleme mildern, sondern insbesondere die Ursachen bekämpfen und Systemveränderungen einleiten. Dabei steht immer offen zur Diskussion, wie und zu welchem Grad diese Gründer ihre Ziele erreichen können. Entscheidend ist hier das Engagement traditioneller Unternehmen, die gemeinsam mit Startups Veränderungsprozesse beschleunigen können.

Was sind die Ziele von Sozialunternehmern, oft auch Social Entrepreneurs genannt? Während Sozialunternehmen sich wie klassische Unternehmen wirtschaftlich tragen und am Markt bestehen müssen, liegt das übergeordnetes Ziel darin, durch ihr unternehmerisches Handeln einen Beitrag zur Lösung sozialer und ökologischer Herausforderungen zu leisten. Dazu entwickeln sie innovative Organisations- und Geschäftsmodelle. Verschiedene Studien, wie etwa „The Globescan-Sustainability Report“ (2018) oder der „Deutsche Social Entrepreneurship Monitor“ (2018) weisendarauf hin, dass nicht nur staatliche Organisationen, sondern insbesondere Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Sozialunternehmen und akademische Forschungsorganisationen eine entscheidende Rolle haben, um globale soziale und ökologische Herausforderungen zu meistern.

Sozialunternehmer blicken über das eigene Startup hinaus

Das Social Impact Lab Stuttgart will Sozialunternehmer nicht nur zur Startup-Gründung befähigen, sondern ihnen auch dabei helfen weitreichende und dynamische Innovation und Transformation anzustoßen. Um dieses Ziel umzusetzen hat die gemeinnützige Social Impact GmbH zusammen mit Stiftungspartnern aus dem Stuttgarter Raum – der Vector Stiftung, der Karl-Schlecht Stiftung und der Caritas Stuttgart das sogenannte „Wirkungsschaffer“ Programm entwickelt.

Angehende Sozialunternehmer können sich viermal jährlich auf das Wirkungsschaffer Stipendium bewerben und werden dann über acht Monate lang in der Vorgründungsphase begleitet. Die Aufnahme des Stipendiums erfolgt nach Bestehen eines Präsentationswettbewerbs, bei dem im Rahmen eines so genannten Pitches die Geschäftsidee in drei Minuten vor einer Expertenjury vorgestellt wird. Nachdem diese wichtige Hürde überwunden wurde durchlaufen die Stipendiaten verschiedene Phasen des Wirkungsschaffer Stipendiums und werden in diesem Prozess durch Trainings, Workshops, Fachberatungen und Netzwerkveranstaltungen begleitet.

Gründerpersönlichkeit steht im Mittelpunkt

Die Gründerpersönlichkeit steht dabei im Mittelpunkt. Als wichtig empfinden wir dabei, dass die Idee und das Geschäftsmodell in einer tiefen persönlichen Motivation verankert sind. Wenn es anschließend in die Entwicklung des Geschäftsmodells geht, ist es von Bedeutung, dass die Jungunternehmer ihre Annahmen an potenziellen Kunden testen und ihre Produkte und Dienstleistungen verbessern. Darüber hinaus werden natürlich Aspekte zur Markteinführung, Wachstum und Finanzierung thematisiert.

Claudio Rahtlef Foto: Social Impact Lab

Sozialunternehmer stehen dabei vor ähnlichen Herausforderungen wie andere Startups: Sie müssen ihr Team aufbauen oder mit Geschäftspartnern beziehungsweise Finanziers zusammenkommen. Beim Teamaufbau werden Fragen zur Rollenverteilung, persönliche Ressourcen und Mitbestimmung diskutiert. Bei der Vernetzung und Akquise von Partnern ist es essentiell für Startups Kooperationspartner zu finden, um Produkte zu testen oder einen Schub für deren Absatz zu bekommen. Solche Partner können ganz unterschiedliche Organisationen sein, wie lokale Netzwerke, Vereine, Wohlfahrts-Verbände, Unternehmen oder staatliche Einrichtungen.

Der Verein „SocEntBW“ ist beispielsweise in der Netzwerkarbeit ein sehr wichtiger Player. Auch das Thema Finanzierung ist für soziale Startups essentiell, bei dem unsere Stipendiaten viel Unterstützung benötigen. Hier suchen wir als Social Impact Lab neue Partnerschaften, beispielsweise im Bereich Crowdfunding oder durch die Entwicklung von sozial-ökologisch orientierten Wirkungsfonds.

Das Gleiche gilt für die Schlüsselthemen Steuerberatung und Recht. Es wäre sehr hilfreich, auch in Stuttgart noch mehr Organisationen zu finden die sich für die Social Entrepreneurship Szene interessieren und sich hier aktiv engagieren möchten. Gerade für etablierte Organisationen ist es häufig nützlich mit jungen dynamischen Startups in Kontakt zu kommen, um wichtige Erneuerungs- und Veränderungsprozesse in Gang zu setzen. Kooperationen und Partnerschaften spielen eine wichtige Rolle, um die Hürden zu überwinden.

Labore für Sozialunternehmer als Bestandteil des Startup-Ökosystems

Inkubatoren  wie das Social Impact Lab und ähnliche Startup-Förderzentren sind kleine, aber wichtige Biotope in einem größerem Ökosystem. Damit soziale Startups wachsen und gedeihen können, brauchen sie wie in der Natur, einen fruchtbaren Boden mit allen wichtigen Faktoren, die zum Wachstum notwendig sind. Hier kann die Politik zum Beispiel entscheidende Rahmenbedingungen und Förderinstrumente schaffen. Auch Bildung spielt eine große Rolle und es gibt bereits einige Forschungseinrichtungen und Institute, die sich speziell mit der Thematik von sozialen Innovationen und sozialen Unternehmertums auseinandersetzen. Beispielhaft hier das Weltethos Institut mit der „World Citizen School“, die an der Universität Tübingen angegliedert sind.

Baden-Württemberg ist eine der innovativsten Regionen Europas. Es wäre schön, wenn es auch zu einem Zentrum für Social Entrepreneurship wird. Sozialunternehmer und ihre Partner gehören hier zusammen. Sie wollen ohne Weltretter Utopien durch die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle Antworten auf die großen Herausforderungen unserer Zeit finden – vom Klimaschutz, über Umweltprobleme bis hin zu sozialen Problemen bei uns und in der Welt. Wie können wir das beschleunigen?

Der Gastautor und das Social Impact Lab Stuttgart
Claudio Rathlef ist der Leiter des Social Impact Labs Stuttgart. Er hat langjährige Berufserfahrung in Startups und etablierten Unternehmen, insbesondere beim Gestalten grundlegender Veränderungen (Change Management) sowie bei der Strategie- und Visionsentwicklung. Rathlef hat zudem einen Master-Abschluss (MBA) in Nachhaltigkeitsmanagement. Er hat nicht nur in Deutschland und anderen Ländern Europas, sondern auch viele Jahre in Südamerika gelebt und gearbeitet. Mitgewirkt an diesem Artikel haben Benjamin Klein und Sebastian Donath, die zusammen mit Claudio Rathlef das Wirkungsschafferprogramm im Social Impact Lab Stuttgart betreuen.
Das Social Impact Lab in Stuttgart unterstützt seit 2017 Sozialunternehmer in der Start- und Gründungssphase mit dem Stipendienprogramm Wirkungsschaffer einschließlich Coaching, Beratung & Arbeitsplatz im Co-Working-Space und Zugang zu relevanten Netzwerken und möglichen Investoren. Insgesamt wurden beziehungsweise werden bis jetzt 38 Teams in sieben Gruppen auf dem Weg zur Gründung begleitet.
Regelmäßig finden im Lab Veranstaltungen rund um das Thema Social Entrepreneurship statt. Die Räumlichkeiten können auch für Tagungen und Workshops gemietet werden. Das Social Impact Lab Stuttgart wird von der Vector Stiftung, der Karl Schlecht Stiftung und der Caritas Stuttgart gefördert. Es ist Teil der Social Impact gGmbH, die seit über 20 Jahren mit etwa 100 Mitarbeitern Soziale Innovation in Deutschland fördert.

Das Ende der nächsten Bewerbungsphase ist der 10.03.19 https://stuttgart.socialimpactlab.eu/stipendium/bewerbungsformular/ Kontakt: rathlef@socialimpact.eu

Zurzeit gibt es in Stuttgart folgende Stipendiaten:

Tavma – ist eine neuartige internationale Filmproduktionsfirma.

Recircle – Mehrwegsystem für Restaurants mit Unterwegsverpflegung.

Chill Choc – ein Nachhaltiges Entspannungsgetränk aus Hanf und Kakao.

Coco Malou – Fair produzierte, attraktive Unterwäsche für Damen Made in Europe.

Unicup – Aufwärmbare Becher.

Generationenmosaik – Wissensaustausch-Plattform zwischen den Generationen.

Myconics – Online Marktplatz für einzigartige, qualitativ hochwertige und moderne Mode- und Wohnaccessoires.

Mein Herz Lacht – Austauschplattform für Eltern mit kranken Kindern.

Sozialleistungsrechner – Online Auskunftstool für Sozialleistungen.

Adapter – macht temporären gewerblichen Leerstand für Zwischennutzungen zugänglich.

E-Learning for Children in Syria – E-Learing Plattform für Kinder in Syrien.

Urban Dance Health – Tanzmedizinische Ausbildung für Physiotherapeuten und Ärzte.

Zinduka / Malesi – Schutz für Mädchen in Kenia vor der Genitalverstümmelung.

Ready to Code –Motivation von Mädchen und Frauen zum Computer-Programmieren – für mehr Gleichberechtigung in der IT

Skatt – Ein Slow Fashion Label das unsere Zukunft im Blick hat und Kunden in den Entstehungsprozess mit einbezieht.

Cosi – Co-Working mit Kinderbetreuung

Wave Font – Untertitel, die Informationen und Emotionen aus der Stimme enthalten

Legga legga – Kochfilme für Kinder

Samt – Austauschplattform für Frauen mit Depression

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