Startup Autobahn Expo 2019: KI trifft auf Blech

Startup Autobahn Expo 2019Das Ambiente ist cooler geworden und Musik gab es auch: Der Expo Day fand in den Stuttgarter Wagenallen statt. Foto: Startup Autobahn

Die Startup Autobahn Expo 2019 in Stuttgart hat mit 76 Pilotprojekten und 39 Startups ihren Anspruch als größte europäische Innovationsplattform untermauert.

Wenn David Oren vom israelischen Startup Uveye von seiner Technologie für die Autoindustrie spricht, dann tauchen die Stichworte auf, die zurzeit die Trends in der Autoindustrie beschreiben: Datenanalyse, Künstliche Intelligenz (KI), autonom lernende Systeme. Doch Oren reizt am Automobil-Produktionsstandort im Südwesten etwas anderes – der hier traditionell hohe Respekt vor dem heiligen Auto-Blech.
Das Startup aus Tel Aviv, das sich in den Stuttgarter Wagenhallen präsentiert, hat nämlich ein System zur äußerlichen, visuellen Analyse der Karosserie und der Außenhaut von Fahrzeugen entwickelt. Dank Künstlicher Intelligenz kann es jeden offenen und versteckten Schaden, jeden Kratzer und jede Delle aufspüren und protokollieren. Das reicht von der Frage, ob ein Neuwagen beim Transport Schäden erlitten hat, bis hin zur Überprüfung eines Gebrauchtwagens auf versteckte Macken. „Das wirkt auf den ersten Blick nicht so sexy wie autonomes Fahren – aber das ist am Ende immer noch, was die Qualität eines Autos ausmacht“, sagt Oren. „Denn womit hat Tesla gerade Probleme? Mit der Produktion!“ Die deutsche Autoindustrie setze hier weltweit mit die Standards – und deshalb sei er zu Kooperationsprojekten nach Stuttgart gekommen.

Startup Autobahn Expo 2019: High-Tech und Qualität

In der sechsten Runde der 2016 von Daimler initiierten und heute unabhängigen Innovationsplattform Startup Autobahn haben 39 junge Technologieunternehmen und 27 etablierte Partnerfirmen an 76 Pilotprojekten gearbeitet. Damit hat die Startup Autobahn Expo 2019 ihren Anspruch als größte Innovationsplattform Europas unterstrichen. Wie bei Uveye aus Tel Aviv verbindet die Startup Autobahn internationale Hightech-Gründer aus den Bereichen Mobilität, Produktion und Unternehmensprozesse mit der Produktionserfahrung und den Qualitätsstandards hiesiger Firmen vor allem aus dem Mobilitätsbereich. Die zweimal im Jahr stattfindenden Abschlusspräsentationen in Stuttgart gehören inzwischen zu den am konsequentesten international ausgerichteten, baden-württembergischen Innovationsveranstaltungen.

„Dies ist keine Startup Safari, hier geht es um Ergebnisse“, sagte Sascha Karimpour als Vertreter des kalifornischen Partners Plug and Play Tech Center, der die Auswahl der Startups koordiniert. Die Startup Autobahn Expo 2019 überwindet, wie die Präsentation in Stuttgart zeigte, dabei zusehends die Grenzen zwischen einzelnen Unternehmen. Daimler beispielsweise arbeitete für eine Plattform, mit der sichere Miet- und Finanztransaktionen auf der Basis der besonders sicheren Blockchain-Technologie im Internet gleich mit vier Startups parallel zusammen. Sie widmeten sich jeweils technologischen Teilbereichen. Am Ende sollte für den Nutzer ein Angebot aus einer Hand stehen. Komplexer als die Technologie selbst sei hier manchmal der Aufwand für die Koordination gewesen, sagt Jochen Kaßberger vom Stuttgarter Startup 51nodes, das Blockchain-Software entwickelt. „Das ist in dieser Form bisher schon einmalig“, sagt Harry Behrens vom Firmenpartner Daimler Financial Services.

Startup Autobahn Expo 2019: Nächste Runde Nachhaltigkeit

Kooperationen gibt es auch zwischen Autoherstellern. So entwickelt das Münchner Startup Holoride für Daimler und Porsche gemeinsam ein innovatives Unterhaltungssystem mit virtueller Realität – nachdem ursprünglich Audi das Projekt als Investor begleitet hatte. Das System nutzt die Tatsache, dass sich ein Auto bewegt, beschleunigt und abbremst um ein neuartiges Angebot mit virtueller Realität in die Fahrzeuge zu bringen. Die Passagiere setzen sich dafür Datenbrillen auf und können eine virtuelle Fahrt erleben, die exakt zum Fahrverhalten des realen Fahrzeugs passt. Das mache nicht nur Spaß, sagt Mitgründer Nils Wollny: „Sie bekommen auch keine Reisekrankheit wie heute, wenn sie während der Fahrt auf einen Bildschirm blicken.“

Die Startup Autobahn will sich auch weiteren Themen öffnen. So soll in der bereits angelaufenen, siebten Runde das Thema Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen. Daimler hat sich hier unter anderem ein kooperierendes Startup ausgesucht, das der Luft CO2 entzieht und dies dann nutzt, um Schaumstoffe für Autositze zu produzieren. Passend dazu hatte man sich mit dem Stuttgarter Bundestagsabgeordneten Cem Özdemir einen grünen Gastredner eingeladen. Der appellierte dazu, beim Thema innovative Mobilität nicht ausschließlich an das Auto zu denken. „Wir haben nach dem Krieg unsere Städte um das Auto herumgebaut, wir müssen jetzt wieder mehr Platz für andere schaffen, für Fahrräder, für Fußgänger, für die Bewohner“, sagte Özdemir.

Baden-Württemberg sei doch auch auf diesem Gebiet immer innovativ gewesen. Es sei zwar weltweit bekannt, dass der Südwesten die Wiege des Automobils sei: „Aber wir sollten nicht vergessen, dass in unserem Bundesland auch das Fahrrad erfunden wurde.“

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