Social Media Nights Stuttgart feiern die runde 50

Social Media Nights Stuttgart

Schon  fünfzigmal haben die ungefähr im monatlichen Rhythmus stattfindenden Mercedes-Benz Social Media Nights Stuttgart die neuesten Trends des „Social Business“ präsentiert. Die Vorträge zum Jubliläum im Mercedes-Benz Museum blieben dem Ruf des Treffens als  Plattform für innovative Ideen treu.

Seit 2010 sind die Social Media Nights Stuttgart eine Institution.  Markus Besch, der  Chef des Social Media Institute (SMI), der am Mittwoch den Abend moderierte, war mit 50 Teilnahmen wohl der  Rekordhalter im Saal. Die Organisatoren  titulieren das Event als „Deutschlands erfolgreichste Social Business Veranstaltung“. Es sei das größte regelmäßige Event dieser Art. 8500 Teilnehmer haben sich in diesem Rahmen bisher rund 100 Vorträge angehört. Und sie haben, wie man eigens vermerkte, auch rund 100 000 mal darüber getweetet.
„Keine Macht für niemand“ – diesen Slogan kennt mancher noch aus der Berliner Anarchistenszene der siebziger und achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Doch unter dem schon etwas stärker an die digitale Welt angelehnte Motto  „Alle Macht für Niemand – Unternehmensdemokratie 2.0“ präsentierte der Autor und Unternehmensberater Andreas Zeuch in seinem Impulsvortrag das demokratische Unternehmen als die perfekte Institution für die mithilfe sozialer Medien zunehmend flacher und hierarchiefreier gewordene gesellschaftliche Realität. Hilfsbereitere, emotional stärker an die Firma gebundene und sich auch in der Gesellschaft stärker engagierende Mitarbeiter seien der Lohn, sagte er.

Unternehmensdemokratie als soziale Innovation?

Er erzählte am Beispiel der Volksbank Heilbronn, eines traditionsreichen Autohauses und eines einstigen Weltmarktführers für Solarheizungen über die Chancen und Risiken der Mitarbeiterbeteiligung an Entscheidungsprozessen. Zwei Erfolggeschichten – und einmal ein Scheitern, weil bei der Solarfabrik etwa bei der Auswahl der Mitarbeiter nicht ausreichend darauf geachtet wurde, dass sie sich mit den demokratischen Strukturen identifizierten. Doch ansonsten sprach Zeuch von Erfolgsmodellen. Bei der in Nordrhein-Westfalen beheimateten „Autowelt Hoppmann“zeigte sich der Besitzer sogar dazu bereit, seine Eigentümsansprüche an  eine Stiftung zu übertragen. 40 Jahre lang hätten Mitarbeiter und Firmenleitung das Unternehmen paritätisch geführt ohne dass es, wie befürchtet je zu einer Pattsituation gekommen sei, sagte Zeuch. Vielleicht seien die Beispiele ja schwarze Schwäne: „Aber sie beweisen zumindest, dass nicht alle  Schwäne weiß sind.“ Er ermunterte seine Zuhörer auch hier neu zu denken: „Wir brauchen soziale Innovation als Gegenstück zur technischen Innovation für das digitale Zeitalter“. Die spätere Podiumsdiskussion mit dem Daimler-Digitalmanager Markus Hägele hatte da viel Stoff.
Nein, bei Bosch habe man nicht vor, die Basisdemokratie einzuführen, sagte der anschließend zu einem  Vortag ans Podium tretende Joachim Heinz, Leiter für die digitale Transformation in dem Stuttgarter Konzern. Aber auch er schlug einen weiten historisch-intellektuellen Bogen bis zurück in das Zeitalter der Dampfmaschine: „Wir haben heute gleich mit drei bis vier Dampfmaschinen zu tun“, sagte er in Analogie zu der Vielfalt technischer Trends, die gleichzeitig und parallel unsere Wirtschaftsweise revolutionieren. 250 Jahre nach dem Ende der handwerklichen Produktionsweise und nach langen Jahrhunderten der Massenherstellung näherten wir uns nun wieder einem Zeitalter, in dem Produkte maßgeschneidert eigens für den Besteller gefertigt werden können.

Social Media Nights Stuttgart reflektieren über Konsumentendemokratie

Von einer radikalen Demokratisierung der anderen Art sprach auf den Social Media Nights hingegen Thomas Paris von dem belgischen Unternehmen Pictawall. Hier hat man eine Plattform entwickelt, auf der sich von Nutzern und Konsumenten selbst erstellte Fotos zu Produkten sammeln lassen. „Lassen Sie Ihre Kunden die Geschichte selbst erzählen“, sagte Paris. Nicht mehr Katalogfotos, sondern authentische Zeugnisse aus dem Alltag seien heute das, was Nutzer an eine Marke binde. „Wenn Sie heute einkaufen, aber kein Selfie aufgenommen haben – hat es dann wirklich stattgefunden?“, sagte er und nannte die atemberaubende Zahl von 1,8 Milliarden Fotos, die täglich ins Netz hochgeladen werden. Dies sei eine wahre Fundgrube für alle Marketingleute, so meint Paris: „Die Menschen sind gerne bereit, ihre Erfahrungen und ihre Fotos zu teilen“. Und wer sich bewusst an einer solchen, etwa durch einen Aktions-Hasthtag gekennzeichneten Aktion beteilige, der gebe seine Bilder auch für Werbezwecke frei: „Bevor sie diese aber auf ihre eigene Webseite hochladen, brauchen sie allerdings die ausdrückliche Einwilligung der Nutzer.“ Das Prinzip des „User Generated Content“, also der von Nutzern generierten Inhalte, hat nach Meinung von Paris das Potenzial, auch den Werbemarkt radikal zu demokratisieren: „Das ist ein großer, unwiderruflicher Schritt in der Evolution des Marketing. Genug Futter zum Nachdenken also – auch in der fünfzigsten Runde der Social Media Nights Stuttgart.

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Bild: Der Veranstaltungsort Mercedes-Benz Museum hat ebenfalls Tradition
Quelle: Social Media Club Stuttgart

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