SAP mit durchwachsenen Zahlen und fernem Chef

SAP

Die Cloud ist nicht der schnelle Renditebringer – auch nicht für  SAP, schreibt mein Kollege Philipp Obergassner. Überrascht hat bei der Vorstellung der Bilanz  die Abwesenheit des Unternehmenschefs Bill McDermott.

Wirklich überraschen konnten die SAP-Vorstandsmitglieder die versammelten Journalisten in  der Konzernzentrale in Walldorf an diesem Freitag nicht – jedenfalls nicht mit den Zahlen, denn die waren schon kommuniziert, ehe es überhaupt losging: mit 20,8 Milliarden Euro ein Plus von 18 Prozent beim Gesamtumsatz im Vergleich zum Vorjahr, ein Betriebsergebnis von 4,25 Milliarden Euro (minus zwei Prozent) und ein Gewinn nach Steuern von 3,06 Milliarden Euro (minus sieben Prozent). So weit, so durchwachsen.
Was dann doch überraschte, war die Abwesenheit des Vorstandssprechers Bill McDermott. Traditionell leitet der Amerikaner zusammen mit dem Finanzvorstand Luka Mucic die Bilanzpressekonferenz. McDermott hatte im vergangenen Sommer bei einem tragischen Unfall  sein linkes Auge verloren. Die Öffentlichkeit erfuhr davon zuerst nichts, dann ging McDermott in die Offensive, gab beispielsweise der „Süddeutschen Zeitung“ im September ein Interview, in dem er über den Unfall sprach – wohl auch, um Gerüchten vorzubeugen, er könne den deutsch-amerikanischen Softwareriesen nicht mehr leiten. „Ich fühle mich stärker als zuvor, leidenschaftlicher, lebendiger. Ich bin voll für SAP da, voll in meinem Job“, sagte er damals. Vorstandskollegen äußern sich ähnlich über seine Aktivität und Präsenz.

Bill McDermott ist von Davos zugeschaltet – ohne Bild

An diesem Freitag jedoch ist in Walldorf nur seine Stimme da – er ist per Telefon vom Weltwirtschaftsforum in Davos zugeschaltet und verbreitet ganz nach seiner Art Optimismus mit Sätzen wie: „Unser Portfolio ist grundsolide“ oder „SAP ist bereit, noch höhere Gipfel zu erklimmen“.
Das wirkte in Anbetracht der Tatsache, dass Gewinn und Betriebsergebnis im vergleich zum Vorjahr gefallen sind, erst einmal seltsam. Sein Finanzvorstand Luka Mucic klärte auf: Zwar seien sowohl das Kerngeschäft, der Verkauf von Software-Lizenzen und Software-Support (14,93 Milliarden Euro Erlös; +13%), als auch das neue Cloud-Geschäft (2,29 Milliarden Euro; +110%) gewachsen.  Da sich beim Cloud Computing die Einnahmen aber auf mehrere Jahre verteilten, sei hier die Bruttomarge mit 66 Prozent rund 20 Prozent unter der des Kerngeschäfts. Ein Renditeziel von 35 Prozent, wie SAP es noch vor einem Jahr angegeben hatte, sei mit der neuen Wachstumssparte bis zum kommenden Jahrzehnt nicht zu erreichen.
SAP hat in den vergangenen Jahren massiv investiert und  Firmen zugekauft, die im Cloud Computing und in mobilen Datendiensten Experten sind – Kernpunkte der  Neuausrichtung des Softwareriesens mit einem Börsenwert von 87,38 Milliarden Euro. „Wir fahren jetzt die ersten Früchte unseres Investments ein“, sagte Mucic. Bis 2020 will  das Unternehmen mit dem Cloudgeschäft zwischen sieben und acht Milliarden Euro Umsatz machen. Bei dieser Prognose belässt es SAP trotz unerwartet starkem Wachstum.

Mittelfristig hebt SAP die Ziele an 

Mittelfristig hebt der Softwaredienstleister seine Ziele jedoch an: 2016 rechnet er mit einer Wachstumsrate von 33 Prozent  im Cloudgeschäft. 2017 sollen diese Erlöse bereits bis zu vier Milliarden Euro betragen. Der klassische Softwaresupport und Cloud-Subskriptionen und -support sollen dann zusammen bis zu 65 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Diese Geschäftsfelder gelten im Gegensatz zum Verkauf von Softwarelizenzen als besser planbar, weil sie weniger stark von der gesamtwirtschaftlichen Lage beeinflusst werden.
Die war dann auch Thema auf der Bilanzpressekonferenz.  Der niedrige Ölpreis wirke sich nicht negativ auf das Geschäft von SAP aus, denn  Energieunternehmen müssten nun effizienter werden. Dabei helfe SAP-Software, sagte Mucic. Auch das schwächelnde China berge in Anbetracht seiner Größe auch noch mit 6,5 Prozent Wachstum ein „enormes Potenzial“, sagte McDermott.
In Bezug auf die Mitarbeiterzahlen konnte Finanzvorstand Mucic Erfreuliches verkünden: Mittlerweile arbeiten 76 986 Menschen für SAP, 18 000 davon in Deutschland, das sind trotz Abfindungs- und Frührentenprogramm drei Prozent mehr als noch 2014.

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Bild: Für Cloud-Anwendungen sind leistungsfähige Rechenzentren nötig. SAP betreibt eines ganz in der Nähe der Walldorfer Unternehmenszentrale in St. Leon-Rot.
Bildquelle: SAP

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