RoadAds Interactive: Pitchen auf der Überholspur

RoadAds InteractiveRoadads Interactive hat eine Werbefläche für das Heck von LKW entwickelt, die flexibel bespielt werden kann. Foto: RoadAds Interactive

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Startup-Pitch (2): Knackige Präsentationen sind zentral für  Gründer. Wir haben bei erfolgreichen Startups gefragt, was ihr Rezept ist. RoadAds Interactive aus Mannheim hat den VC-Pitch BW gewonnen.

„Es stimmt, ich war in der Schule tatsächlich mal in der Theater AG“, sagt Andreas Widmann, Gründer des Mannheimer Marketing-Startups RoadAds Interactive auf die Frage, wie er sich auf der Bühne so fühlt.  Mehr als hundert Mal, so schätzt er, hat er in den vergangenen drei Jahren seine Startup-Idee vorgestellt – vor Investoren, Unternehmern, aber auch einfach vor einem Publikum, das neugierig auf kreative Geschäftsideen ist.

„Es macht immer noch Spaß. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass ich mir bei dem Thema den Mund fusslig geredet habe.“ Und dieser Spaß-Faktor  sei der  Schlüssel für eine erfolgreiche Präsentation: „Wenn der Akteur Freude daran hat, dann hat das auch das Publikum. Dieser alte Satz gilt in der Tat.“

So ganz schlecht kann Widmann als Präsentator nicht sein. Schon seine erste Präsentation im Jahr 2015 trug zum Sieg beim Startup Weekend Rhein-Neckar bei. Und erst Anfang des Jahres gewann er von Investoren und Geldgebern den VC-Pitch Baden-Württemberg 2018.

RoadAds Interactive hat eine leicht fassliche Idee

Einen Startvorteil habe er sicherlich, räumt der Gründer ein:  Seine Idee ist im Gegensatz zu komplexen Technologien etwa im IT-Bereich lebensnah und leicht zu erklären: „Jeder ist schon mal auf der Autobahn

RoadAds Interactive

Der  „Pitcher“ Andreas Widmann. Foto: RoadAds Interactive

gefahren und hat auf der rechten Spur die Lastwagen vorbeiziehen sehen.“ Die Idee, die leeren Ladeflächen, auf die man dabei automatisch blickt, mit flexibel und ortsabhängig mit Werbebotschaften zu bestücken, ist nicht sonderlich kompliziert. Auch wenn das in  der praktischen Umsetzung durchaus Tücken stecken.

Doch mit diesen technischen Details hält sich Widmann bei seinen Präsentationen nie auf. Mit wachsender Erfahrung habe er den  Einstieg immer praktischer und lebensnäher formuliert. „Anfangs bin ich damit eingestiegen, dass die Werbung auf Lastwagen für Logistiker zusätzliche Einnahmen bringen könnte“, sagt er. Doch nicht nur das Geschäftsmodell hat sich verändert. Widmann sucht seine Partner nicht mehr bei Speditionen, sondern in der Werbebranche.

Pitches werden im Lauf der Zeit weniger wichtig

Er hat aber vor allem gelernt, dass eine einfache, emotional nachvollziehbare Beschreibung einer Alltagssituation die Zuhörer packt. Die Story: Man fährt gelangweilt auf der Autobahn, wäre eigentlich für Abwechslung empfänglich – und die perfekte Werbefläche fährt  ungenutzt auf der rechten Spur vor der Nase herum.

Gute Pitches sind vor allem in der Frühphase ein ganz entscheidendes Instrument“. Sie dienten nicht nur dazu Feedback zu bekommen und die eigene Bekanntheit zu steigern. Sie seien auch das beste Übungswerkzeug um das eigene Geschäftskonzept besser zu durchdenken und zu schärfen. „Inzwischen wäre es aber  manchmal albern, wenn ich bei Gesprächen mit Kunden oder Investoren mit einer Präsentation einsteigen würde,“ sagt Widmann.

Pitchen nach Rezept? Nicht für Road Maps Interactive

Er hält  nichts von den durch viele Startup-Berater propagierten Schemata. Die rituelle Publikumsfrage beispielsweise, bei der ein Präsentator das Publikum bei diversen Fragen dazu auffordert, ihre Hand zu heben, sei inzwischen eher eine Marotte: „Das wird inzwischen so oft gemacht, das hat sich abgenutzt.“

Die beste Präsentation sei es, wo es zu einem echten Dialog zwischen demjenigen auf der Bühne und dem Publikum komme: „Idealerweise sollte für mich die Zeit für Fragen genauso lang sein, wie die eigentliche Vorstellung.“

Fünf Minuten sind leichter als eine

Sein Lieblingsformat: „Fünf Minuten – da kann man auch ein bisschen in die Details gehen.“ Und das stressigste? „Das ist die eine Minute“. Diese Ultrakurzpräsentationen sind bei manchen Startup-Wettbewerben die Vorentscheidung,  ob man dann in einer zweiten Runde länger auf der Bühne stehen darf. Während er längere Präsentationen inzwischen ganz spontan absolviere, memoriere er hier jeden Satz. „Aufschrieben sollte man sich aber nie etwas, das wirkt immer künstlich.“

Und irgendwie ist das dann immer noch wie seine allererste Präsentation auf dem Startup-Wochenende im Jahr 2015: „Damals habe ich mich wirklich vor den Spiegel gestellt und jedes Wort intensiv eingeübt.“ Doch inzwischen hat Andreas Widmann die beste Kritikerin direkt im Haus: „Das ist meine Frau.“

Die erste Folge des Themenschwerpunkts erschien am 23.5.

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