Risikokapital in den USA: Wunder Punkt Rezession

Risikokapital in den USABisher ist Risikokapital ein Schmiermittel der US-Wirtschaft. Doch was passiert in einer Rezession? Foto: Pixabay/Gerd Altmann

Kommt die Rezession? Trotz einiger Warnsignale kann das zurzeit niemand vorhersagen. Die Abhängigkeit vieler Vorzeigeunternehmen und Startups von Risikokapital in den USA würde dann aber zur Achillesferse der Wirtschaft.

„Sammeln Sie Fahrten mit Uber, so lange es noch geht“ – so provokativ hat Rouss Douthat, einer konservativer Kolumnisten der „New York Times“, in dieser Woche den Blick auf einen Schwachstelle der amerikanischen Wirtschaft gelenkt. Dort haben Startups und Wachstumsunternehmen in den vergangenen Jahren massiv Kapital gescheffelt. Diese Firmen verbrennen auch im zurzeit noch positiven konjunkturellen Umfeld massiv Geld.


Der Journalist Derek Thompson vom Magazin „Atlantic“ fasst das so zusammen: „Wenn Sie beim Anbieter WeWork ihren Büroarbeitsplatz haben, mit Uber nach Hause fahren oder ihr Essen beim Lieferdienst DoorDash bestellen, dann haben sie mit Firmen zu tun, die in diesem Jahr voraussichtlich 13 Milliarden Dollar Verluste machen werden.“ Und diese umgerechnet knapp 12 Milliarden Euro sind eine Vorhersage, die nur dann gilt, wenn es mit der Konjunktur so positiv weitergeht wie bisher. Doch das Risikokapital, das diese rote Zahlen erträglich macht, wird nur dann weiter fließen, wenn absehbar ist, dass diese Firmen in absehbarer Zeit zu ähnlichen Geldmaschinen werden wie Google oder Facebook.

Investoren werden im Krisen rasch nervös

Was passiert, wenn diese Hoffnung auf einmal unrealistisch erscheint? „Der gesunde Menschenverstand und die harte Wahrheit der Geschichte besagen, dass die Bereitschaft von Risikokapitalinvestoren, das Geld anderer Leute aufs Spiel zu setzen, in Aufschwungphasen heldenhaft wirkt – aber dass sie im Abschwung am schnellsten den Schwanz einziehen“, schreibt das US-Wirtschaftsmagazin Fortune.
Die heutigen Investoren und Startup-Gründer hätten zudem nie eine echte Rezession erlebt: „Ideen, die ganz toll aussehen, so lange man Geld verbrennen kann, wirken auf einmal gar nicht mehr so, wenn es dieses Geld nicht mehr gibt.“ Als ein Beispiel für einen bisher erfolgreichen, aber wenig krisenerprobten Entrepreneur nennt das Magazin Adam Neumann, den 40-jährigen Gründer des Bürovermieters WeWork.

Das bisherige Erfolgsrezept als Bumerang

Die Erfahrungen mit der ersten Internetblase und der Finanzkrise von 2008 legen nahe, dass der Überfluss an Risikokapital in den USA in der Krise zum Bumerang wird und den Abschwung im Vergleich zu Deutschland verstärkt.
Schon zu Anfang des Jahres waren die Prognosen zur Entwicklung der Startup-Investitionen in den USA pessimistisch. „Die aktuellen Daten zeigen, dass zu viel Geld zu wenigen Firmen hinterherjagt. Das ist das typische Zeichen einer Blase“, sagte der Finanzjournalist Jonathan Abermann vom Washington Business Journal. Diese Investitionen seien oft allein von der Tatsache getrieben, dass die Bewertungen dieser Firmen immer weiter gestiegen seien.


2018 war zuvor ein außerordentlich ergiebiges Jahr für Risikokapitalinvestitionen gewesen. Mit fast 100 Milliarden Dollar erreichten die Geldflüsse in den USA fast wieder die Dimensionen der Internetblase um die Jahrtausendwende. Die Börsengänge der Fahrtendienstleister Lyft im März und von Uber im Mai diesen Jahres könnten im Nachhinein die Höhepunkte dieser Boomphase gewesen sein. Zurzeit liegt Uber um etwa ein Fünftel unterhalb des Ausgabepreise. Die Lyft-Aktien haben ein Minus von rund einem Viertel hingelegt.


Ohne Risikokapital in den USA wird es für große Namen kritisch

Viele Unternehmen von WeWork bis Tesla, sind ständig auf genügend frisches Kapital angewiesen. Die Ironie: Eine ganze Reihe dieser Firmen waren ihrerseits Krisengewinnler der Jahre nach 2008. Damals suchte das von der Finanzkrise gebeutelte Kapital nach frischen Anlagemöglichkeiten. Sie gehörten auch zu den Unternehmen, die mit dazu beitrugen, dass die USA anschließend wieder aus der Rezession gefunden hatten.


Doch diesmal könnten sie zum Krisenbeschleuniger werden. Unter dem Strich könnte das nicht nur bedeuten, dass so mancher Kapitalgeber herbe Verluste erleiden könnte, sondern auch, dass manches bisher von Risikokapitalisten de facto subventionierte, vermeintlich günstige Angebot für den Verbraucher wenn nicht verschwindet, so doch nur zu einem höheren Preis zu haben ist.

Zu viele Startups behandelten den Weg in die Gewinnzone als Nebensache, schrieb das US-Gründermagazin Entrepreneur schon zu Boomzeiten im vergangenen Jahr. Das dürfte sich ganz schnell ändern. „Tschüss sagen zu Zahlen, die nur gut für die Eitelkeit sind“, ist der Ratschlag des Magazins. Nutzerzahlen und Wachstumsraten seien erst einmal passé – und der Nettogewinn die einzige Statistik, die zähle. Nach diesem Maßstab dürfte es auch ein Elon Musk schwer haben: Sein Elektroautohersteller Tesla verbrennt ebenfalls weiter Geld. Zuletzt waren es mehr als 400 Millionen Dollar im Quartal.

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