Reparando sammelt Millionenbetrag ein

ReparandoReparando-Gründer Vincent Osterloh: Smartphones repariert zu bekommen, ist auch für Firmenkunden attraktiv. Foto: Lichtgut/Piechowski

Das Stuttgarter Startup-Unternehmen Reparando hat Investitionen in Millionenhöhe erhalten. Damit verabschiedet sich die Firma langsam aus der Gründerszene – und gibt auch ihren Garagencharakter der Firma ein stückweit auf.

Der Kicker im Konferenzraum steht so nah an der Wand, dass er nur von einer Seite bespielbar wäre. Damit ist auch schon ganz gut erklärt, was gerade beim Stuttgarter Startup-Unternehmen Reparando passiert, das Smartphones repariert und in einem Hinterhof am Wilhelmsplatz sitzt, wo früher mal ein Fotostudio war: Jetzt wird es ernst. In der „Serie A“, also der zweiten Runde in der frühen Wachstumsphase, in der Startups um Investorengelder buhlen, sammelte die Firma einen siebenstelligen Eurobetrag ein. Und der Kicker hat für die Anleger wahrscheinlich keine hohe Priorität.Vincent Osterloh, der Reparando zusammen mit seinen Studienfreunden Jakob Schoroth und Till Kratochwill gegründet hat, sitzt im weißen, glatt gebügelten Hemd vor einem 60-Euro-Ikea-Tisch. „Hemden tragen wir nur, wenn Gäste im Haus sind“, sagt der 30-Jährige.

Heute ist das Unternehmen in 19 deutschen Städten aktiv, wo es Hausbesuche macht, um kaputte iPhones und Samsung-Galaxy-Smartphones wieder zu richten. Hier am Wilhelmsplatz ist die Reparando-Zentrale, wo die Technik des Unternehmens zusammenläuft. Und die Technik ist auch der Bereich, in den das Geld hauptsächlich fließen soll.„Wir beschäftigen 80 Mitarbeiter. 60 davon sind Techniker, die im Außendienst unterwegs sind“, sagt Osterloh. Die genaue Summe, die die Investoren aufgebracht haben, könne er nicht nennen, auch den Jahresumsatz nicht: Unter den Geldgebern befinden sich im Börsenindex Dax gelistete Unternehmen wie die Telekom, die bei solchen Fragen Diskretion forderten. Das ist für Konzerne, die in Startups investieren, das übliche Geschäftsgebaren. „Sagen kann ich, dass wir insgesamt 12 000 Mobiltelefone repariert haben“, so Osterloh.

Reparando wächst  vor allem im Bereich der Firmenkunden

Aber warum hat der Telekommunikationsriese gerade in Reparando investiert, wo es doch mittlerweile an jeder Ecke kleine Werkstätten gibt, die Handys reparieren? Osterlohs Antwort: Reparando zeichne sich durch einige Alleinstellungsmerkmale aus. „Wir verarbeiten nur hochwertige Teile, bieten Garantie auf Lebenszeit der Geräte.“, sagt er.

Was vermutlich das zweite Alleinstellungsmerkmal mit bedingt: Reparando wächst vor allem im Bereich der Firmenkunden. „Ursprünglich hatten wir das eigentlich gar nicht so auf dem Schirm und uns auf Privatkunden konzentriert“, sagt Vincent Osterloh. Doch dann hat Bosch an die Tür geklopft: Mit einem Rahmenvertrag; künftig solle Reparando die Wartung aller Firmen-Smartphones des Automobilzulieferers in der Region Stuttgart übernehmen.Mittlerweile machen die Firmenkunden 50 Prozent des Umsatzes aus – Tendenz steigend. Hier sehen laut Osterloh auch die Investoren das größte Potenzial.

Wobei eine gute Idee und unerschlossene Märkte nicht mehr reichten. Es sei wichtig, dass die Firma aufgeräumt ist – nicht unbedingt in den Firmenräumen, die mit den köchelnden Spaghetti in der offenen Firmenküche fast etwas von einer Studenten-WG haben: „Aber was Zahlen, Transparenz und Strukturen angeht.“

Harter Preiskampf im Reparaturgeschäft

Alec Rauschenbauch vom Risikokapitalgeber Grazia, der im Stuttgarter Bosch-Areal sitzt und weltweit nach amerikanischen Vorbild in Startups investiert, bestätigt das Vorgehen des Hinterhofgründers. Was er jungen, kreativen Unternehmen prinzipiell rät: „Ein absolutes Auschlusskriterium ist es, mit nur moderaten oder völlig überzogenen Ambitionen zu uns zu kommen. Das Team sollte sich als Team präsentieren und keine One-Man-Show sein.“ Und Geld solle gerade bei Anschlussfinanzierungen nicht dann erst eingesammelt werden, wenn es dringend gebraucht werde, sondern aus „der Position der Stärke.“

Die Zahlen müsse das Team absolut im Griff haben, das Marktumfeld und der Wettbewerb genau analysiert sein. „Eine gute Idee ohne ein gutes Team wird nie ein großer Erfolg und umgekehrt genauso“, sagt Rauschenbausch.Vincent Osterloh hofft auf dieser Ebene, dem Preiskampf zu entschlüpfen, der in der Branche der Handywerkstätten herrscht. „Es ist ein wirklich harter Wettbewerb“, sagt der studierte Wirtschaftswissenschaftler. Doch würde eine Deutsche Telekom auch nicht in irgendein „Larifari-Unternehmen“ investieren, sagt er.

Geld ist in Baden-Württemberg nicht leicht zu bekommen

Dabei sitzt im Südwesten nach Osterlohs Meinung das Investitionskapital alles andere als locker. „Durch meine Zeit in den USA weiß ich, dass du für die gleiche Idee im Silicon Valley zehn mal so viel Geld bekommst wie hier“, sagt Osterloh. Dafür macht er auch die Landespolitik verantwortlich: „Sich ständig selbst für eine angeblich funktionierende Startup-Kultur zu loben, das reicht nicht.“Auch das Konkurrenzdenken, das von der Politik befeuert werde, sei der falsche Weg. „Wir sollten hier nicht versuchen, Startup-Ökosysteme in anderen Regionen zu übertrumpfen, sondern müssen lernen, mit ihnen zusammenzuarbeiten“, sagt Osterloh.

So kann er auch mit klassischen Manager-Rollenbildern wenig anfangen. Auf seinem Facebook-Profil bevorzugt Vincent Osterloh die Bezeichnung „Entrepreneur“. Und auch wenn sich bei Reparando die Ära langsam dem Ende zuneigt, in der täglich eine Stunde gekickert wird, Konferenzen gerne mal bei der Fußball-Bundesliga enden oder der Grill im Hof auf Hochtouren läuft, ganz erwachsen werden will Osterloh nicht.

 

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