Regeln für E-Scooter – es kann (bald) losgehen

E-Roller in Deutschland; Regeln für E-ScooterSo sehen die kleinen Elektroroller des US-Anbieters Bird aus. Foto: Bird

Die Bundesregierung hat Regeln für E-Scooter beschlossen. Was man über die neuen Elektro-Tretroller wissen sollte – einige Fragen und Antworten.

Welche Regeln für E-Scooter hat das Bundeskabinett beschlossen?
Die Zulassung von kleinen Tretrollern mit Elektromotor – auch E-Tretroller oder E-Scooter genannt – rückt näher. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine entsprechende Verordnung. Nun muss der Bundesrat zustimmen. Wann die Länderkammer darüber berät, ist offen. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte angekündigt, dass E-Tretroller noch im Frühjahr auf deutschen Straßen unterwegs sein können.

Was sind E-Tretroller?
Neben E-Bikes liegen E-Tretroller im Trend. Die Roller ohne Sitz flitzen mit bis zu 20 km/h durch die Gegend und sind in Städten eine Alternative zum Auto. Die Preisspanne beträgt zwischen 400 und 1400 Euro. Die Bundesregierung strebt eine eigene Fahrzeugkategorie für Elektro-Kleinstfahrzeug mit Tempo zwischen zwölf bis 20 km/h an.

Wie groß ist vermutlich der Markt für E-Tretroller in Deutschland?
Der Tübinger Hersteller von E-Scootern, Brake Force One, rechnet damit, dass in den nächsten Jahren bis zu fünf Millionen E-Tretroller hierzulande fahren könnten. Die Firma steht mit seinem Modell „Flynn“ (Preis: 1399 Euro) bereits in den Starlöchern. „Wir werden unsere Produkte ab Juli in Deutschland auf den Markt bringen. Wir gehen davon aus, dass die Verordnung zu E-Scootern zeitgleich – also im Juni oder Juli – in Kraft treten wird“, sagt Verkaufsleiter Marc Zimmermann.

Wird das Leihen von E-Tretrollern – das sogenannte Roller-Sharing – eine Alternative sein?
Auf jeden Fall. Anbieter von Roller-Sharing, so nennt sich das Verleihmodell, stehen in den Startlöchern. Die Daimler-Tochter Mytaxi unter der Marke Hive, der US-Vorreiter Bird und das Berliner Start-up Tier, sie alle ließen auf frühere Anfragen hin durchblicken, dass sie Angebote in deutschen Städten planen. Der Name Stuttgart fiel zwar nicht – aber es ist klar, dass sie auch hierher wollen. In Bamberg startet gerade ein Testverleih mit 15 Rollern von Bird, in Köln bringt die Firma Tier 20 Fahrzeuge auf das Carlswerk-Gelände.

Regeln für E-Scooter sollen das Geschäft kanalisieren

Warum braucht es Regeln für E-Scooter?
Wer das verstehen will, muss in die USA schauen. Im September 2017 rollte Bird die ersten E-Tretroller in Los Angeles auf die Straßen. Anderthalb Jahre später sind Tausende Roller des Unternehmens in mehr als 100 Städten in den USA und neun Städten in Europa unterwegs; der Hauptkonkurrent Lime deckt etwa gleich viele US-amerikanische und 25 europäische Städte ab. Zwischenzeitlich sorgte die rasante Ausbreitung in vielen Städten für Ärger. In San Francisco blockierten etwa achtlos hingeworfene Roller die Bürgersteige. Verärgerte Anwohner warfen Roller kurzerhand ins Meer oder beschmierten sie, in sozialen Medien kursierten Bilder davon unter dem Namen „Roller-Apokalypse“.

Wie groß ist das Potenzial für Investoren?
Das Roller-Sharing ist sehr interessant für potenzielle Geldgeber: Ganze 680 Millionen Euro pumpten Investoren laut der Technik-Plattform Crunchbase in den Anbieter Lime. Vorreiter Bird ist auch hier mittlerweile hinterher, 370 Millionen Euro wurden in das Unternehmen investiert, beim Berliner Start-up Tier waren es 27 Millionen Euro. „Das Potenzial der Roller ist sehr hoch, weil es kaum Lösungen für Mikro­mobilität gibt“, sagte der Mobilitäts­forscher Fabian Edel vom Fraunhofer-Institut in Garmisch-Partenkirchen in einem früheren Gespräch. Mikromobilität steht etwa für den Weg zwischen der Bushaltestelle und der eigenen Haustür – die sogenannte letzte Meile.

Was sagen die Politiker?
Der stellvertretenden Vorsitzenden des Verkehrsausschusses Daniela Kluckert (FDP) geht die Zulassung zu langsam. „Das Verkehrsministerium ist da zu schwerfällig.“ Die Regelung sei immer noch unvollständig, denn alles ohne Lenkstange, zum Beispiel Hoverboards und E-Skateboards, seien noch nicht enthalten. Ihr Vorschlag wäre es gewesen, Elektrokleinfahrzeuge in Klassen zu unterteilen und E-Scooter wie Fahrräder, Hoverboards wie Inlineskates und S-Pedelecs, also sehr schnelle E-Bikes, wie Mofas zu behandeln. Das hätte man in die bestehende Verkehrsordnung eingliedern können.

Sind E-Tretroller eine Konkurrenz zu Fahrrädern und E-Bikes im Verkehr?
Gudrun Zühlke, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Baden-Württemberg erwartet, dass es zu mehr Verkehr auf Rad- und Gehwegen kommen wird. Die ohnehin „unterdimensionierten Fahrradstreifen“ würden durch die E-Scooter überlastet. „Es wird massiv zu Verkehrsunfällen kommen“, warnt sie. Die Regelung, wer wann wo fahren dürfte, sei so kompliziert, dass die Nutzer gar keine Chance hätten, sich korrekt zu verhalten.

Mit welcher Entwicklung rechnet beispielsweiese Stuttgart?
Anbieter von Roller-Sharing würden nach Stuttgart drängen, heißt bei der Stadt. Im Hinblick auf den Verleih will man für geordnete Verbreitung sorgen – etwa durch Festlegung von Verleihstationen und Sicherheitsrichtlinien. Weil bis zu 12 km/h schnelle Scooter auch auf Gehwegen fahren dürfen, sorge man sich um Menschen mit Behinderung und ältere Verkehrsteilnehmer. Mit beidem, dem Verleih und dem Fahren auf Gehwegen, werde man sich daher noch auseinandersetzen, teilt die Stadt weiter mit.

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