Rampf Gießharz klebt am Fortschritt

Rampf; GießharzWas haben Klebeverfahren mit der Zukunft der Mobilität zu tun? Mehr als man denkt, wie dieses Bild beweist. Foto: Rampf

Der Mittelständler und „hidden champion“ Rampf aus dem schwäbischen Grafenberg bei Metzingen ist ein Beispiel dafür, wie auch ein so nicht-digitales Produkt wie Gießharz von der Raumfahrt und vom autonomen Fahren profitiert.

„Unsere Produkte findet man praktisch überall“, sagt Michael Rampf, „unter der Erde, auf der Erde, in der Luft und sogar im Weltraum.“ Der geschäftsführende Gesellschafter der Rampf-Gruppe aus Grafenberg bei Metzingen steht zusammen mit seinem Bruder an der Spitze eines typischen schwäbischen Mittelständlers. Die Brüder führen ein Unternehmen, das ihr Vater einst in einer Garage gegründet hatte – und das heute selbst im fernen China ein Werk betreibt. Der Weg von der Turnhalle nach Taicang war weit – doch er ist noch nicht zu Ende. Noch wird im Reich der Mitte in angemieteten Räumen produziert – doch mit dem Bau einer eigenen Fabrik in der Millionenstadt Nantong wurde bereits begonnen.

Was dort hergestellt wird, ist ein Produkt, mit dem die Grafenberger groß geworden sind: Gießharz. Und genau deshalb kann Michael Rampf auch sagen, die Produkte des Mittelständlers fände man überall: „Unter der Erde werden Schaltelemente etwa für Kabel mit einer Hülle aus Harz vor Feuchtigkeit geschützt, mit Harz kann man bare auch Prototypen für Autos bauen“. Komponenten aus Gießharz stecken in Sitzen von Businessjets, für eine Trägerrakete wurde das Modell der Frontkapsel mit Materialien von Rampf hergestellt. Auch wer ein Handy in der Hand hat, kann relativ sicher sein, dass Teile davon mit Gießharz von Rampf verklebt wurden.

Rampf kann man kaum entkommen

Die Branchen, die das Unternehmen mit aktuell 830 Beschäftigten beliefert, reichen vom Automobilbereich über den Maschinenbau bis hin zu Herstellern von Haushaltsgeräten oder Firmen aus der Medizintechnik. Unter dem Dach der Holding mit Sitz in Grafenberg agieren sechs Unternehmen, die nach den Worten der beiden Brüder an der Spitze wie eigenständige Mittelständler geführt werden.

Doch was möglicherweise wie eine Verzettelung aussehen könnte, hat ein verbindendes Element: Gießharz hält die ganze Gruppe zusammen. Die Rampf Polymersolutions in Grafenberg stellt etwa Harze für Dichtungen her, aber auch Klebstoffe, ist zudem auch eine Art Forschungslabor – die Hexenküche der gesamten Gruppe. „Unser Kapital sind unsere Rezepturen“ – diese Devise des 2012 aus dem Tagesgeschäft ausgeschiedenen Firmengründers Rudolf Rampf gilt nach wie vor

Prototypen brauchen Klebematerial

Ebenfalls in Grafenberg sitzt Rampf Tooling Solutions, nach eigenen Worten der „weltweit größte Produzent“ von „leistungsstarken“ Materialen für den Modellbau. So können etwa die Karosserien von Fahrzeugstudien, die auf internationalen Automessen zu sehen sind, aus Material auf Grafenberg hergestellt werden.

Weitere Standorte in Baden-Württemberg sind Zimmern ob Rottweil und Wangen bei Göppingen. In Zimmern werden Misch- und Dosieranlagen zum Kleben, Aufschäumen und Vergießen verschiedenster Materialien hergestellt. Zudem zeigt Zimmern, dass Rampf nicht nur im Ausland investiert: Auch in der Gemeinde bei Rottweil werden die Produktionskapazitäten erweitert. In Wangen werden etwa Maschinenbetten aus Mineralguss, aber auch Automatisierungskomponenten für Maschinen produziert. Ein weiteres Werk im Inland steht in Pirmasens, wo verschiedene Chemikalien hergestellt, aber auch Reste recycelt werden. Komponenten aus Gießharz, die in der Luftfahrtindustrie oder in der Medizintechnik benötigt werden, liefert die Rampf Composite Solutions im kanadischen Burlington.

Autos, Flugzeuge und Raketen mit Gewichtsersparnis

Mit ihrem Gießharz haben die Grafenberger bisher gute Geschäfte gemacht, aber auch ein Quäntchen Glück gehabt – sie profitieren von so manchem, was derzeit als Zukunftstrend diskutiert wird: Kleben ersetzt in vielen Fällen Schrauben oder Schweißen, Batterien für Elektrofahrzeuge brauchen eine Abdeckung. Autos, die autonom fahren sollen, sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgerüstet, die durch eine Harzhülle geschützt werden müssen.

Und wenn bei Autos oder Flugzeugen Gewicht eingespart werden soll, ist Rampf ebenfalls mit im Spiel: Gießharze können Karbonfasern verkleben und diesen dadurch Form und Festigkeit verleihen. Dass man bei solchen Megatrends mitmischen kann, fällt indes nicht vom Himmel: „Kein Trend kommt einfach so ins Haus“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Matthias Rampf, „wir müssen stets versuchen, Material für künftige Anwendungen zu entwickeln oder neue Anwendungen für vorhandenes Material zu finden“.

Rampf will unabhängiger von der Autoindustrie werden

Von der Autoindustrie und ihren Zulieferern, die etwa ein Drittel zum Umsatz beitragen, will das Unternehmen etwas unabhängiger werden: „Wenn die Autoindustrie hustet geht es auch anderen schlecht, die mit ihr zu tun haben“, meint Matthias Rampf. Wie im vergangenen Geschäftsjahr sollen auch im laufenden etwa 20 Millionen Euro investiert werden. So etwa in die neue Fabrik in Nantong, wo künftig neben Gießharzen auch Formen hergestellt werden sollen, aber auch in den Ausbau des Werkes in Zimmern ob Rottweil. Die dort gefertigten Misch- und Dosieranlagen sind nicht nur der größte einzelne Bereich der Gruppe, sondern auch der mit dem stärksten Wachstum.

Die weite Welt ist für den Mittelständler kein unbekanntes Terrain: rund um den Globus arbeitet er mit mehr als 40 Vertriebspartnern zusammen, etwa 60 Prozent der deutschen Produktion gehen in den Exporte, etwa ein Drittel des Umsatzes werden in Werken unter fremden Sternen erzielt. Für das Geschäftsjahr 2017/18, das am 30. Juni zu Ende ging, war eine Steigerung des Umsatzes von 169 Millionen Euro auf rund 200 Millionen Euro geplant – damit hätte sich der Jahresumsatz in einem Jahrzehnt verdoppelt. Endgültige Zahlen liegen noch nicht vor, aber dem Vernehmen nach wurde das Umsatzziel erreicht.

Starke Expansion bei Umsatz und Mitarbeitern

Ähnlich stark nahm auch die Zahl der Mitarbeiter zu – erst 420 Beschäftigte standen im Geschäftsjahr 2008/2009 auf den Lohn-und Gehaltslisten. Das Geschäft mit Gießharzen kam auch dem Formensitz in Grafenberg zugute: In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Beschäftigten dort, wo 1980 alles in einer Turnhalle begann, von 150 auf 260 Mitarbeiter.

Doch auch fern der Heimat zieht Rampf nicht nur eine neue Fabrik in Nantong hoch. Zusammen mit einem langjährigen Partner aus Korea wird dort ein Jointventure gegründet, das beispielsweise die Entwicklung und Montage für Misch- und Dosieranlagen für den asiatischen Markt vorantreiben soll. Asien ist wichtig, schließlich hat man sich in der schwäbischen Firmenzentrale ein jährliches Umsatzwachstum zwischen fünf und acht Prozent vorgenommen.

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