Pixelcloud – Erlebnis Virtuelle Realität

PixelcloudPixelcloud-Gründer Jonas Kirchner stellt sich den Interviewfragen. Foto: Tobias Weißert

IdeenwerkBW-Serie „coole Startups im heißen Sommer“ – in Kooperation mit der Macromedia Hochschule Stuttgart (3): Tauchen in unterirdischen Höhlen, Klettern in übernatürlichen Höhen und das alles ohne Risiken. Nicht möglich? Doch! Die virtuelle Realität öffnet die Tür zu völlig neuen Welten. Das Startup Pixelcloud hat sich dem neuen Medium verschrieben.

Der Name „Pixelcloud“ ist eine Zusammensetzung aus den beiden englischen Wörtern „Pixel“, als kleinste, vielfache Computereinheit und dem Wort „Cloud“ (engl. = Wolke), was für die Verbindung und das große, gemeinsame Netzwerk steht. Nach Abschluss seines Studiums mietete der Jungunternehmer Jonas Kirchner ein Fabrikgebäude in Ludwigsburg, das später die feste Adresse des Startups Pixelcloud wurde.

Es bot neben einem offenen Büro auch genügend Platz für eine Werkstatt, in der die technischen Einzelheiten erprobt und ausgebaut werden konnten. Wenn auch größtenteils selbstfinanziert, erhält Pixelcloud eine starke Förderung von Seiten des Bundeslandes Baden-Württemberg. Zusätzlich wird das gewonnene Preisgeld von diversen Wettbewerben ebenfalls in das Startup investiert.

Pixelcloud hat Kunden von der Autoindustrie bis zur AOK

Zu Beginn hielten sich eigene Projekte und Auftragsproduktionen noch die Waage, da sich Werbung in dieser Branche hauptsächlich durch „Mund-zu-Mund“-Propaganda verbreitet. Da Pixelcloud sich nicht auf ein Ressort allein beschränkt, ist die Kundschaft bunt gemischt, auch wenn diese zunächst noch regional verbleiben. Von der Autoindustrie bis hin zur AOK kamen laufend neue Aufträge. Es existierte praktisch keine projektfreie Zeitspanne.

Schon bald entwickelte Pixelcloud seinen ersten, interaktiven Film „Five Minutes“, in welchem der Spieler aktiv in das Geschehen eingreifen und sogar an einem Zombie-Parkour teilnehmen kann. Dieses Projekt ist bis heute ihr erfolgreichstes, mit über drei Millionen Spielern in 200 Ländern. Zusätzlich gewann “Five Minutes” zahlreiche Awards, wie den “FWA Site-of-the-Month” und den “Site-of-the-Year” Award.

Pixelcloud arbeitet auch unter hohem Zeitdruck

Daraufhin folgte das „Pudelskern-Projekt“, ein interaktiver Comic für komplexe Reclam-Hefte, die bevorzugt im Rahmen deutscher Bildungsinstitutionen genutzt werden, wie zum Beispiel ihr Bestseller „Wilhelm Tell“. Der Erfolg lässt sich besonders in ihrer dazugehörigen App sehen, in der man die einzelnen Comics für je 1,99 Euro erwerben kann. Im Juli 2017 folgte auch schon das nächste Auftragsprojekt von Siemens und dem FC Bayern München. Dieses Mal sollten für eine mit Berührungen zu steuernde, Wand im Eingang des Siemens Hauptgebäudes zwei dreidimensionale Sport-Spiele kreiert werden.

Nur acht Wochen bleiben dem Team, um das Projekt „Ingenuity-League“ bis zum Abgabetermin, der Pressekonferenz, fertigzustellen. Doch sie schafften es, nicht nur die Erwartungen des Kunden zu erfüllen, sondern auch kleine Überraschungen im Spiel einzubauen.

Auch Daimler verlangte ein Projekt für eine Pressekonferenz. Der Autobauer führte das Team erstmalig in die Richtung der 360° Videos. Für die Demonstration eines neuen Gebäudes in Abu Dhabi soll Pixelcloud einen virtuellen Showroom für Mercedes Kunden erstellen. Hierbei ist das Ziel, Besuchern einen guten Eindruck von dem neuen Gebäude zu vermitteln, in all seinen Details und ohne, dass sie vor Ort erscheinen müssen. Erstmalig ist ein 360° Drohnenflug Teil des Projekts.

Pixelcloud hat nur ein kleines Team

Wer nun aber glaubt, hinter Pixelcloud stecke ein großes Team, der irrt. Jonas Kirchner ist der einzige Mitarbeiter und gleichzeitig Geschäftsführer des Unternehmens. Schon früh wusste Kirchner, dass er diesen Weg gehen will.

Mehr Spaß am Design als am Programmieren

Kaum hatte Kirchner dann sein Studium an der renommierten Filmhochschule Ludwigsburg begonnen, stellte er fest, dass ihm das Design eher lag als die Programmierung. „Das ist schlichtweg eher meine Schiene. Programmieren wurde mir irgendwann wegen der Mathematik zu komplex. Und das, obwohl ich Fachinformatik studiert habe“, erklärt er. Es war auch während seines Studiums, als er, zusammen mit dem Jobben, anfing, erste selbstfinanzierte Projekte zu starten, die gleichzeitig sein Studium refinanzierten. „Es war leicht, damit Geld zu verdienen“, erzählt Kirchner.

„Als Freiberufler gründete ich noch während des Studiums eine GmbH und konnte bereits einiges an Erfahrung sammeln. Das hat mir enorm geholfen.“ Nachdem der Unternehmer sein Studium abgeschlossen hatte, mietete er sich prompt ein Büro in Ludwigsburg. „Ich ging in die Hochschule mit der Idee, die beste Werbeagentur im Umkreis zu werden. Am Ende ging ich mit einer anderen Idee wieder raus“, berichtet er. So kam es, dass er sich selbstständig machte und Pixelcloud gründete. Am Anfang war es jedoch extrem kompliziert, einen Kundenstamm aufzubauen und Aufträge für Projekte zu erhalten. „Die ersten Jahre waren so lala. Ich hatte zwar nie eine Phase ohne Job, aber es war dennoch hart, sich zu etablieren“, sagt Kirchner.

Doch Stück für Stück machte er sich einen Namen in der Branche. Es sei immer aufwärts gegangen, betont er. Pixelcloud wurde immer größer und der Tübinger begann mit der Akquise von Mitarbeitern. Kirchner: „Da hatte ich aber nie Probleme. Auch wenn ich meine Mitarbeiter nur zeitweise einstelle und mein eigener Chef und einziger Angestellter bleibe.“ Freie Mitarbeiter seien schlichtweg flexibler einsetzbar. Dass sie nicht fest angestellt seien, sei derweil in der Branche normal, erklärt Kirchner.

Für größere Projekte braucht es einen Mitarbeiterpool

„Jedes Projekt ist unterschiedlich. Genauso unterschiedlich müssen die Mitarbeiter sein, die daran jeweils arbeiten. Ich habe, um ehrlich zu sein, Angst vor Festanstellungen.“ Durch einen über die Zeit immer weiter gewachsenen Mitarbeiterpool könne der Jungunternehmer dennoch auch größere Projekte stemmen.

Inzwischen hat sich die Firma Pixelcloud etabliert und ist einer der ersten Ansprechpartner im Raum Stuttgart, wenn es um die Verwirklichung von integrierter Kommunikation geht. Kirchners Stammkunden sind dabei selbstredend das wichtigste Element für den jungen Unternehmer. Ob mit der Zeit nicht die Furcht aufkam, dass das Wachstum zu groß werde für nur eine Person? „Nein. Ich bin davon überzeugt, dass ich das alles im Griff habe und einschätzen kann, was meine freien Mitarbeiter und ich bewältigen können. Da kamen bisher keine Zweifel auf“, stellt Kirchner klar.

„Ich habe Angst vor Festanstellungen“

Jonas Kirchner

Was wünscht sich der Pixelcloud-Chef für die Zukunft? „Zuerst einmal möchte ich, dass noch viele weitere Gründer Startups gründen und auch von der Möglichkeit der Förderungsprogramme profitieren können“, hofft Kirchner. Er könnte sich zudem mehr Projekte im Bereich der Ausstellungen und Museen vorstellen. Außerdem glaubt der Jungunternehmer, dass Virtuelle Realität stetig an Bedeutung gewinnen wird und mehr Wert auf die so genannte Gamification gelegt wird. Dabei werden spielerische Elemente in einen ansonsten eher untypischen Rahmen eingebaut. Da Pixelcloud und Jonas Kirchner hier aber bereits Erfahrungen gesammelt haben, sollte auch diese Zukunftsaussicht kein Problem darstellen.

Die Texte der Serie wurden von Studierenden der Macromedia Hochschule in Stuttgart im Rahmen eines Seminars erstellt. Gesammelt und im Original sind sie auf der Webseite Startup-Kultur.de zu finden. Für IdeenwerkBW werden die Texte und die Darstellung teilweise bearbeitet.

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