Open 2017: Was KI mit unserer Gesellschaft macht

Open 2017Wie führt der Weg in die Zukunft? Auf der Open 2017 konnte man sich dem auch spielerisch nähern. Lichtgut/Leif Piechowski

Die Digitalkonferenz Open 2017  in Stuttgart ist anders als viele Tagungen zum Thema Digitalisierung. Sie schlägt den Bogen von deren wirtschaftlichen Aspekten zu kulturellen und sozialen Fragen.

Wo sonst bei solchen Events nur über Innovationsmethoden oder Geschäftsmodelle diskutiert wird, wirbt die Veranstaltung, wie ihr Namen sagt, für offene Innovation. Veranstaltet wird dies von der MFG Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg sowie der die Open Source Business Alliance. Dies ist eine Interessenvertretung von Unternehmen, deren Geschäftsmodell darauf basiert, dass IT und Daten nicht von einzelnen Unternehmen monopolisiert, sondern geteilt werden. Das ist bisher bei Großkonzernen oder dem industriellen Mittelstand noch wenig zu finden. Und so waren auch auf der diesjährigen Open eher selten die Ingenieure und Manager zu sehen, die sich dort mit dem Thema digitaler Umbruch beschäftigen.

Das Thema Künstliche Intelligenz stand auf der Open 2017, der dritten Ausgabe der Veranstaltung,  im Mittelpunkt – und hier vor allem die Frage, wie intelligente Maschinen unsere Arbeitswelt revolutionieren. Philosoph und Bestsellerautor Richard David Precht, der Starredner der Veranstaltung, sorgte in einem viel beklatschten Keynote-Vortrag für die Einflughöhe.

Die Open 2017 blickt über  ökonomische Fragen hinaus

Er distanzierte sich von der üblichen Art wie in der Wirtschaft über den digitalen Umbruch geredet wird: „Sie haben da die Ratgeber, die ihnen sagen, wie sie ultimativ ihr Unternehmen vorbereiten. Da steht auf jeder Seite eine Grafik, das ist gespickt mit englischen Wörtern – und in jedem steht dasselbe.“ Schluss mit dem politischen und ökonomischen Kleinklein bei der Diskussion um das Thema Digitalisierung, so lautete seine Kernthese: „Mich interessieren die gesellschaftlichen Auswirkungen. Aber sie haben selten Vorträge über die Zukunft der Arbeit, die zu Ende gedacht werden“, sagte Precht.

Binnen weniger Jahre werde eine Welle der Massenarbeitslosigkeit über das Land schwappen. „Blöde Arbeit wird verschwinden – und das ist gut so.“ Immer mehr Dienstleister vom Busfahrer über den Sachbearbeiter bis hin zum Übersetzer könnten durch Roboter und Künstliche Intelligenz ersetzt werden.

Gewaltige Erschütterungen stehen auf dem Arbeitsmarkt an

Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssten sich für gewaltige Erschütterungen wappnen: „Wir leben im größten gesellschaftlichen Umbruch seit 250 Jahren“, sagte er. Bedingungsloses Grundeinkommen, ein neues Steuersystem, das Arbeitnehmer nicht mehr gegenüber Robotern benachteilige oder ein konsequentes Vorgehen gegen die Datenkraken wie Google oder Facebook seien elementare Fragen für das Überleben der Demokratie. „Aber haben sie während der laufenden Koalitonssondierungen irgendwas davon gehört?“, fragte er ironisch. „Wir denken noch in Kategorien der klassischen Arbeitsgesellschaft“, sagte er: „Lohnarbeit aber kann nicht mehr der Maßstab sein“.

In den bisherigen industriellen Revolutionen sei der Effizienzgewinn dadurch kompensiert worden, dass global immer neue, noch unentwickelte Märkte erschlossen worden seien. Dies sei nun vorbei. Von Menschen hergestellte, individuelle Dinge hätten hingegen Zukunft: „Das Handwerk wird profitieren. Informatiker nicht – auch die sind von Computern schon ersetzbar.“

Das Monopol  bei den Suchmaschinen soll weg

Doch Peter Ganten von der Open Source Business Alliance, zeigte sich auf der Open 2017 optimistisch: „Wenn wir erst die Probleme und dann die Chancen gesehen hätten, dann hätten wir nicht gegründet“. Künstliche Intelligenz werde zu einem lebenswerten Leben beitragen – wenn die Rahmenbedingungen stimmten: „Das Prinzip der Offenheit ist die Antwort auf diese Frage. Wir brauchen eine Pluralität bei der Künstlichen Intelligenz, bei ihren Algorithmen und Technologien.“ Das Monopol bei den Suchmaschinen zu brechen, sei eine solche Kernfrage: „Erst wenn wir Unterschiede sehen, können wir Fragen stellen, erst dann haben wir echte Wahlfreiheit.“ Und erst dann funktioniere auch wirklich der Wettbewerb.

Der naive Datenglaube führt in die Irre

Dirk Helbing, Professer für Computer-Sozialwissenschaft warnte vor dem naiven Glauben an die Daten-Gurus: „Bedeuten mehr Daten mehr Wissen?“ Er nannte groteske Beispiele für Sachverhalte, für die mit hohem Rechenaufwand eine Korrelation nachgewiesen wurde. So gebe es eine internationale Statistiken, mit denen man vermeintlich eine Abhängigkeit der Zahl der Serienmörder vom Schokoladenkonsum nachweisen könne. „Da würden sie dann in der Schweiz besonders gefährlich leben“, sagte der in Zürich lebende Wissenschaftler. Google habe den Anspruch aufgeben müssen über Suchanfragen Grippewellen vorhersagen zu können.

Auch er plädierte dafür, die auf offenen Daten beruhende Ökonomie zu fördern: “Wir brauchen neben der alten Ökonomie eine neue, die durch Kooperation und nicht durch Rationalisierung funktioniert“, sagte Helbing. „Wir brauchen mehr Zugang zu Daten für alle.“ Als Beispiele für solche Kooperationsprojekte nannte er eine durch selbstverständlich anonyme und freiwillige Nutzerdaten gespeiste Grippe-Karte für die Schweiz oder die mit dem Bitcoin sichtbar gewordene Möglichkeit eines neuen Geldsystems ohne Zentralbanken.

Keine Angst vor der Herrschaft der Roboter

Immerhin, davor dass Roboter am Ende die Herrschaft an sich reißen, wie es Visionäre wie der Tesla-Gründer Elon Musk an die Wand malen, hat Hans-Joachim Köppen, IBM-Experte für KI keine Angst. Künstliche Intelligenz könne nur so gut sein wie der Mensch, der sie entwickle, sagte er: „Darüber was wir mit unserer eigenen Sprache können, geht das System erst einmal nicht hinaus. Nein, einen Superroboter sehe ich auch im Jahr 2030 noch nicht.“

Noch mehr Innovationen...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*


*

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER