Ökologie in der Logistik – das Beispiel Takkt

Ökologie in der LogistikEin Takkt-Mitarbeiter im Versand. Foto: Takkt

Ökologie in der Logistik ist von der Kür zur Pflicht geworden – auch beim Stuttgarter Spezialversender Takkt, der für sein grünes Engagement jüngst eine Auszeichnung erhalten hat.

Weihnachtssaison ist Paketsaison – und damit beginnt wie alle Jahre die Debatte darüber, was der wachsende Online-Versandhandel mit unserer Umwelt und den Arbeitsbedingungen anrichtet. „Als Versender wissen sie, dass sie bei diesen Themen öffentlich im Blick stehen“, sagt Felix Zimmermann, Chef des Stuttgarter Spezialversenders Takkt. Dass Ökologie in der Logistik ein Kernbestandteil der Ökobilanz ist, hat sich im Zeitalter der Pflicht-Nachhaltigkeitsberichte in den Unternehmen herumgesprochen. Der Stuttgarter Spezialversender macht das schon länger zu einem Kernbestandteil seiner Firmenstrategie.

47 Seiten umfasst der diesjährige Bericht zur Nachhaltigkeit im Unternehmen. So will man beispielsweise den Anteil von CO2-neutalen Stückgutfrachten ab Zentrallager von 44,7 Prozent im vergangenen Jahr bis 2020 auf 90 bis 100 Prozent steigern. Bei den kleineren Paketsendungen ist das heute schon fast erreicht. Vor einigen Wochen hat das Unternehmen unter mehr als drei Dutzend Konkurrenten den Nachhaltigkeitspreis des  Deutschen CSR-Forums erhalten, einer Vereinigung für soziale Verantwortung in Unternehmen, die so genannte „Corporate Social Responsibility“ oder kurz CSR.

Ökologie in der Logistik ist Teil des Geschäfts

Doch der Takkt-Chef klingt geschäftsmäßig, wenn er über das Thema Ökologie in der Logistik spricht. Nein, eine persönliche Geschichte gebe es dahinter nicht zu erzählen – das sei eben Teil des Unternehmensprofils. „Wenn Sie heute einen Auftrag erhalten, dann will der Besteller auch diese Box in seinem Anforderungskatalog abhaken können“, sagt Zimmermann nüchtern. Und er beschreibt damit, wie geradlinig im Gegensatz zum manchmal wankelmütigen Verbraucher, sich ökologische Standards im geschäftlichen Bereich durchsetzen. Dort kommt es nicht auf die persönliche Befindlichkeit oder die Schnäppchenjagd des jeweiligen Einkäufers an: Wenn dies ein vorgegebenes Kriterium ist, muss es etwa bei der Büroausstattung schlicht berücksichtigt werden.

Genau lässt sich nicht ausrechnen, was ökologische und soziale Kriterien nun genau kosten. Was wenig verwundert: Takkt reicht diese Kriterien an seine eigenen Lieferanten weiter, die Hälfte der Lieferanten sind heute schon zertifiziert. Deren Erfüllung wird wie andere Vertragsaspekte genau kontrolliert und mit einem Bonus oder Malus am Jahresende versehen. Man stehe zwar im Wettbewerb – aber ökologisches Dumping von Konkurrenzfirmen sei kein Thema, das diesen verzerre. Im Gegenteil: Für Kunden im Geschäftsbereich seien grüne und soziale Aspekte heutzutage ein integraler Teil des Angebots. „Das ist von einem Hygienefaktor, der als Extra dazukommt, zu einer unverzichtbaren Voraussetzung geworden“, sagt Zimmermann. Diesen Umbruch spüre man deutlich – und es zahle sich nun aus, dass man schon relativ früh auf das Thema gesetzt habe.

Entscheidend sind fest definierte Ziele

Der erhaltene Umwelt- und Sozialpreis würdigte unter anderem, dass in den kommenden Jahren feste Ziele abgesteckt werden. Pluspunkte gab es in der Preiskategorie „CO2-Vermeidung und Ressourceneffizienz“ etwa, weil seit Anfang 2018 Kaiser+Kraft, die größte Takkt-Vertriebsgesellschaft in Europa, klimaneutral organisiert ist. Das geschieht vor allem auch durch CO2-Ausgleichsmaßnahmen, die man in Zusammenarbeit mit den Spediteuren festklopft. Damit ist man nach eigenen Angaben der einzige im Geschäftsbereich tätige Online-Versender in Europa, der sich diese Messlatte setzt.

Und für das Ganze brauche es nicht einmal innovative Technologie, sagt Zimmermann. Wenn man etwa heute Lieferungen bündele, sei das kein technisches, sondern ein organisatorisches Problem. Auch die Klage mancher Unternehmen über wachsende Berichts- und Dokumentationspflichten bei ökologischen und sozialen Kriterien will man so nicht stehenlassen. Bei Takkt ist das dezentral organisiert: Jede Abteilung weiß, dass sie solche Daten erfassen muss und dafür gibt es überall auch eigens fortgebildete Mitarbeiter.

Ohne den Papierkatalog geht es aber nicht

Takkt hat für den Versandhandel im Geschäftskundenbereich eine ökologische Gesamtbilanz ausrechnen lassen. Und hier schneidet der Onlineeinkauf vergleichsweise gut ab. Einstufige statt zweistufige Logistik heißt das Schlüsselwort. Im Klartext: Der Versand kommt zwischen Hersteller und Endkunde nur mit einem Zwischenlager aus, was Wege verkürzt und den Energieverbrauch verringert. Und im Gegensatz zu dem durch die Reihenhäuser eilenden Paketboten mit Konsumentenpaketen ist die von den Paketdiensten gefürchtete „letzte Meile“ kein so großes Problem. Die Liefergrößen sind umfangreicher und kein Nachbar muss als Behelfspostamt einspringen.

Ein dickes Stück Papier, allerdings aus ökologisch zertifiziertem Material hergestellt, gibt es aber weiterhin. Während der Otto-Versand vor kurzem seinen letzten Katalog gedruckt hat, legen die Takkt-Geschäftskunden weiterhin Wert auf einen Produktüberblick auf Papier: „In der Fabrikhalle hat nicht jeder einen Bildschirm zur Verfügung und aus Sicherheitsgründen wollen sie oft gar nicht, dass hier jemand ins Internet geht“, sagt Zimmermann. Rund sechs Kilo Printwerbemittel pro Auftrag wird es deshalb auch 2020 noch geben.

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER