Net-Wächter – IT-Sicherheit für kleine Kunden

Net-WächterSicherheit für kleinere Firmen und Webseitenbetreiber: Swjatoslav Cicer (l.) und Yuliy Finkelstein sehen eine Marktlücke. Foto: Ines Rudel

Das Startup Net-Wächter aus Ostfildern will beim Thema Netzsicherheit eine Marktlücke entdeckt haben: Besonders für mittelgroße und kleine Webshops gebe es bisher keine vernünftigen Sicherheitstools.

„Ihre Wohnungstür würden Sie doch auch nicht offen stehen lassen.“ Swjatoslav Cicer, Gründer des Start-ups Net-Wächter, erklärt sein abstraktes Produkt, das Webseiten vor Hackern schützen soll, gerne mit einfachen Beispielen aus dem Alltag: „Sie können eine Holztür einbauen oder eine Sicherheitstür. Oder Sie entscheiden sich für die Variante mit dem Drachen auf dem Dach, der auf Ihr Haus aufpasst.“

Unnötig zu erwähnen, dass mit dem Drachen Cicers Sicherheits-Software gemeint ist, der Net-Wächter. Zusammen mit Yuliy Finkelstein, der seit zehn Jahren Cicers bester Freund ist und mit dem er auch eine klassische IT-Dienstleistungsfirma leitet, hat er Net-Wächter 2017 gegründet, Firmensitz im Industriegebiet Ostfildern, Landkreis Esslingen. Und der Vergleich mit dem Häuschen ist vielleicht gar nicht schlecht gewählt: Denn die Sicherheitssoftware richtet sich besonders an mittelgroße und kleine Webseitenbetreiber, die sich vor Angriffen schützen wollen, die Häuschenbesitzer unter den Unternehmern.

Und diese Angriffe, sagt Cicer, können dem Geldbeutel so gefährlich werden wie noch nie. Verantwortlich dafür sind aber nicht mal unbedingt die Hacker. Sondern das Bundesjustizministerium und die EU. „Seit Juli 2015 ist das neue Telemediengesetz in Kraft, das Gewerbetreibende im Internet in die Haftung nimmt“, sagt Cicer. Und das soll sich noch massiv verschärfen, wenn 2018 die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung kommt. „Das kann für Webseitenbetreiber zu Abmahnungen und Geldbußen von bis zu 50 000 Euro führen“, warnt Cicer.

Net-Wächter bietet Abwehr für kleines Geld

Besonders für Webshops seien Daten eine sensible Sache, oft nutzten sie ungeschützte Software, um ihre Kunden im Internet zu erreichen. Und diese Lücke wollen Swjatoslav Cicer und Yuliy Finkelstein mit dem Net-Wächter ausfüllen, dem Schutzschild für den kleinen Mann sozusagen. Aber geht das überhaupt, für kleines Geld?Nach Meinung der Gründer schon. Wenn die beiden erzählen, wie sie an diesem Morgen einen Angriff aus China abgewehrt hatten, als Hacker einen Net-Wächter-Kunden mit „300 Brute-Force-Angriffen“ torpedierten, klingt das, als redeten sie über ein Strategie-Videospiel.

Übersetzt sind Brute-Force-Angriffe Versuche, Administratoren-Passwörter zu knacken.Kleinere solche Angriffe wehrt der Net-Wächter selber ab. „Aber die Hacker kamen über verschiedene IP-Adressen“, sagt Cicer. Darum nutzten die IT-Sicherheitsexperten zur Sicherheit die Funktion des sogenannten Geoblockings – und sperrten so die Webseite für China temporär komplett. Angriff gestoppt.

Erpressung ist ein Milliardengeschäft

Das Hacker-Wesen habe sich in den letzten Jahren stark professionalisiert. „Früher haben Kiddies eine Webseite gehackt, einen Totenkopf draufgemacht und mit ihren Fähigkeiten geprahlt“, sagt Cicer. Heute sei Internetkriminalität ein Milliardengeschäft.Yuliy Finkelstein erzählt, dass vor allem eine Masche aktuell besonders erfolgreich sei: „Bit-Coin-Erpressung.“ Verschlüsselungstrojaner sperren die Webseite, die Betreiber können sich mit der digitalen Währung, die so hoch im Kurs ist wie noch nie, freikaufen.

„Selbst wenn man bezahlt, ist der Schaden meist dennoch enorm“, sagt Finkelstein. Zum einen sei da die Zeit, die etwa ein Webshop nicht erreichbar war, und die daraus resultierenden Umsatzeinbrüche. „Zum anderen wirft das Webseiten im Google-Ranking zurück.“ Die Suchmaschine, so Finkelstein, strafe gehackte Webseiten ab, weil von dort aus auch Spam-Mails verschickt werden: „Und dann ist es sehr aufwendig und teuer, mit Maßnahmen zur Suchmaschinenoptimierung wieder nach oben zu kommen.“

Einer der Gründer hat einen militärischen  Hintergrund

Der Net-Wächter funktioniert teils mit Sicherheitsfunktionen anderer Anbieter, teils wurden aber auch eigene Programme entwickelt. Je nach Bedarf in verschiedenen Paketen ab einer Monatsgebühr von 15 Euro im Internet heruntergeladen werden. Noch ist die Zahl derer, die vom Net-Wächter überzeugt sind, überschaubar. „Aktuell betreuen wir nur eine Handvoll Kunden – aber wir sind ja noch am Anfang“, sagt Finkelstein. Die Vertriebsarbeit gehe jetzt erst los. Um dabei Erfolg zu haben, wurde jetzt die zweite Finanzierungsrunde gestartet. „Wir sind auf der Suche nach strategischen Investoren.“ Märkte sieht das Gründer-Duo vor allem in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Ihr Know-how haben sich die beiden Männer, die in Russland geboren sind, lange erarbeitet. Seit dem Jugendalter beschäftigen sie sich mit Computern, Yuliy Finkelstein gründete nach einer Fachinformatik-Ausbildung 2013 seine erste Firma, das IT-Systemhaus, in das sein Partner Swjatoslav Cicer etwas später eingestiegen ist.Dieser war zuvor neun Jahre für die Bundeswehr aktiv, inklusive Afghanistan-Einsatz. Fachgebiet: elektronische Kampfführung. Was er da gelernt hat – und wie er das Gelernte bei der Unternehmung Net-Wächter einsetzen kann? Die Antwort des Ex-Soldaten ist erwartungsgemäß: „Darüber darf ich nicht sprechen.“

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