Moderne Biokraftstoffe – endlich ökologisch

Moderne BiokraftstoffeAbfalll aus Biomasse ist eine viel versprechende Rohstoffquelle. Foto: Pixabay

IdeenwerkBW-Schwerpunkt innovative Kraftstoffe (1):  Moderne Biokraftstoffe der zweiten Generation sollen die Nachteile der ersten Generation überwinden, die mit dem Nahrungsmittelanbau konkurriert. 

Wie sieht die individuelle Mobilität von morgen aus? Ein unerschöpfliches Thema, das landauf landab fast pausenlos diskutiert wird. Oft ist die Debatte ideologisch überfrachtet und führt häufig zu einem schwarz-weiß Ergebnis: Elektroantriebe sind gut, Verbrenner schlecht. Vergessen wird dabei allzu oft, dass die meisten schädlichen Stoffe unterdessen durch Reifenabrieb und Bremsen in die Luft entweichen. Sie sind eine Hauptquelle für Feinstaub.

Schnell wird das Elektroauto zum neuen „Statussymbol, sich tatsächlich oder vermeintlich umweltgerecht zu verhalten“, sagt der Wirtschaftspsychologe Rüdiger Hossiep. Die Schadstoffe entstehen bei der Produktion der Elektrofahrzeuge und ihrer Batterien. Die Umweltbelastungen im Vorfeld sind also ganz erheblich, die Kosten nach wie vor hoch, die Ladezeiten zu lang, die Reichweiten und Infrastrukturen der Ladestationen weiterhin meist noch mangelhaft.

Die Ökobilanz Verbrenner versus Elektroantrieb ist komplex

Statt nach dem Ob einer Technologie empfiehlt es sich, nach dem Wie und der Verhältnismäßigkeit der Mittel zu fragen, ökologisch wie ökonomisch. Welche Techniken erhöhen den Wirkungsgrad, erweitern die Rohstoffquellen und dies in messbar umweltverträglicher Weise? Deshalb gehören Kraftstoffe aus biologischen Quellen in jedem Fall zum Energiemix dazu. Eine weitreichende und vor allem schnelle Lösung kann die weiter voranschreitende Effizienzsteigerung der Verbrennungsmotoren, gekoppelt mit der großflächigen Produktion CO2-neutraler Kraftstoffe bieten.

Recycling, ein Begriff, der in den 1970er Jahren vor allem die Wiederaufbereitung von Abfallprodukten meinte mit dem Ziel, Müllberge zu reduzieren, rückt mehr denn je ins öffentliche Bewusstsein. Gepaart ist die Wiederaufbereitung heute im Idealfall mit einer dezentralen und möglichst umweltneutralen Kreislaufwirtschaft. Abfall wird Rohstoff lautet die Devise, die ökonomisch sehr lukrativ sein kann. Die EU hat dieses Jahr ein Kreislaufwirtschaftspaket in Kraft gesetzt, das den Einsatz von Sekundärrohstoffen deutlich steigern soll. Weltweit verfolgen die Vereinten Nationen mit ihrer Agenda 2030 grundsätzliche und nachhaltige Entwicklungsziele.

Moderne Biokraftstoffe auch beim Strategiedialog Automobilwirtschaft

Kleinteiliger wird es beim Thema Mobilität. ‚Kraftstoffe neu denken‘ lautete im Zuge der weltweiten Bemühungen das Motto der gemeinsamen Absichtserklärung, die Manager und Politik beim zweiten Strategiedialog Automobilwirtschaft Baden-Württemberg im Spätsommer als Projekt reFuels vorstellten. Dahinter steckt die Vorstellung, Kraftstoffe klimaschonend zu erzeugen und vom Erdöl zunehmend unabhängig zu werden. Ein durchaus nicht neuer nationaler und auch international artikulierter Wunsch.

Erneuerbare Energien und Kreislaufwirtschaft liegen im Trend, alleine schon angesichts endlicher Primärrohstoffe, der politischen Abhängigkeit etwa von erdöl-exportierenden Ländern und hoher Umweltbelastungen bei der Förderung dieser Primärenergien, wie zum Beispiel Kohle oder Erdöl. Vom höchst umstrittenen Frackingverfahren ganz zu schweigen.

Vor etwa 15 Jahren begann der Trend, Getreide einzusetzen, um es in flüssige Biokraftstoffe umzuwandeln und mit bis zu zehn Prozent dem fossilen Kraftstoff beizumischen (E 10). Doch das Verfahren hat Schwachpunkte wie die Problematik, dass die Produktion von Treibstoffen für den Tank mit dem Nahrungsmittelanbau für den Teller konkurriert. Der Biokraftstoff E 10 hat deshalb bisher nicht das Potenzial, die Nachhaltigkeit im Verkehrssektor wesentlich zu verbessern. Seine Ökobilanz ist deshalb bisher insgesamt eher negativ.

Moderne Biokraftstoffe – endlich im großen Stil?

Innovative Technologien sind deshalb vonnöten, um die Unabhängigkeit von Erdöl umweltneutral voranzutreiben. Inzwischen ist die Entwicklung hier weit vorangeschritten, sind die Biokraftstoffe der ressourcenschonenden zweiten Generation machbar.

Wann also können Formen einer solchen Energieerzeugung in großem Stil anlaufen? Schon heute – wenn es nach dem Willen einiger Start-ups aber auch gestandener Großkonzerne ginge. Was widerspricht bisher noch diesem Ansatz? Die verbreitete Sorge vor nicht wettbewerbsfähigen Preisen der alternativen Kraftstoffe.

Die in den kommenden Tagen auf IdeenwerkBW vorgestellten Unternehmen Sunliquid und Ineratec gehören zu den innovativen Firmen, die nachhaltige Kraftstoffproduktion zu Marktbedingungen in die Breite ausrollen wollen. Sie verfolgen zwei völlig unterschiedliche Verfahren, die Kraftstoffe dezentral und klimaneutral in großem Stil erzeugen und eindrücklich vor Augen führen, dass dies ein lohnender Weg sein kann.

Noch mehr Innovationen...

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER