Mittelstand im Wizemann – Anzug trifft Bart

Mittelstand im WizemannDer Veranstaltungsort ist Programm: Im Wizemann Space in Stuttgart wird neues Arbeiten erprobt. Screenshot: IdeenwerkBW

Mittelstand im Wizemann Space: In dem innovativen Kollaborationsbüro für Freiberufler und Unternehmensgründer in Stuttgart sind auf Einladung des Maschinenbau-Verbands VDMA 50 Anzugträger aus etablierten Firmen auf Bartträger mit Ideen getroffen.

Was Großkonzerne seit geraumer Zeit vorleben, das trauen sich jetzt auch zunehmend Mittelständler. In der Hoffnung auf neue Geschäftsideen, suchen Maschinenbauer, Autozulieferer und andere so genannte Hidden Champions aus Baden-Württemberg Kontakt zu hiesigen Startups und jungen Unternehmen aus der Digitalbranche. Im Wizemann trafen sie auf Gründer, deren Büroalltag sich allein dadurch unterscheidet, dass sie keinen festen Sitzplatz haben. „Jeden Tag andere Menschen kennen lernen ist inspirierender als alleine im Büro zu hocken“, sagt ein Industriedesigner mit Oberlippenbart und nippt am Kaffee aus dem Metallbecher. Die zuhörende Traube der Mittelständler nickt und läuft wortlos weiter zu den Experten-Vorträgen über die neue Innovationskultur. Vorbei an Kränen, die von der Decke baumeln und alten Schweißmasken, die Gründer und Besucher an die Industrie-Wurzeln von Wizemann erinnern.

„Wir Mittelständler haben das Thema Startups lange Zeit verschlafen“, sagt Helmar Dannenmann vom Maschinenbauer Frech aus Schorndorf. Jetzt hält er Augen und Ohren nach „onlineaffinen“ Gründern offen. „Wir suchen neue Geschäftsbereiche, um ein zweites Standbein aufzubauen“, sagt der Ingenieur. Bankzinsen sind niedrig, die verlässlichen Geschäfte zunehmend unsicher. Und das verdiente Geld muss schließlich investiert werden. „Innovationen sind heute für das Überleben des Unternehmens wichtiger denn je. Wir suchen daher gezielt nach jungen Leuten mit Ideen“, sagt Dannenmann.

Andere suchen auch. Vier von fünf Unternehmen versprechen sich, einer aktuellen Studie der Universität Hohenheim zufolge, durch Startups vor allem im Netz neue Märkte und Kunden zu erschließen. Auch digitales Knowhow und die Möglichkeit, unter den Gründern zukünftige Mitarbeiter zu finden, machen Startups für Maschinenbauer attraktiv.

Mittelstand im Wizemann – da geht es auch um Kultur

Doch einfach ist die Suche nicht. Wie bei Großunternehmen auch, tun sich viele Gründer mit der verschlossenen Unternehmenskultur im Maschinenbau schwer. „Nur die wenigsten Startup-Unternehmer halten Mittelständler für wirklich kooperationsbereit“, sagt Martin Allmendinger, Gründungsexperte und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Omm Solutions. Viele vermissten den offenen Kontakt vonseiten der Mittelständler und wüssten nicht, an wen sie sich im Falle eines Kooperationswunsches wenden sollten. „Das verdeutlicht auch die kulturellen Unterschiede“, sagt der Startup-Experte. Traditionsreiche Unternehmen wüssten oft nicht, wie sie mit jungen Leuten umgehen sollten.

Auch Andreas Kircher sieht die kulturelle Kluft zwischen großen und kleinen Unternehmen. Er ist Gründer der Internetseite Grenzpost.de, einer Einkaufsplattform für deutsche Produkte in der Schweiz. „Ich verstehe, dass große Firmen Fehler vermeiden wollen und sich um ihren guten Ruf fürchten“, sagt der 29-Jährige in grünen Sneakers. Er sieht aber auch Veränderungen: „Unternehmen verstehen im Moment immer mehr, dass sie flexibler sein und schneller auf den Markt reagieren müssen.“ Für ihn seien deshalb Kooperationen mit Firmen aus dem Mittelstand in der Zukunft „durchaus möglich“.

So wie Kircher, wollen fast die Hälfte der Gründer aus Baden-Württemberg mit Mittelständlern zusammenarbeiten. Dabei haben sie vor allem das finanzielle Kapital und die fundierte Markt-Erfahrung der Traditions-Unternehmen im Blick. Für Startup-Experte Allmendinger seien die Interessen beider Seiten nachvollziehbar. Für erfolgreiche Kooperationen rät er den Mittelständlern daher: „Gehen sie offensiv auf Startups zu und bekommen sie ein Gefühl dafür, wie die jungen Leute arbeiten.“ Mittelstand im Wizemann ist dafür ein Anfang.

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