Laserhub lässt Bleche à la carte schneiden

LaserhubSo sieht ein vom Laser frisch zugeschnittenes Blechteil aus. Foto: Laserhub

Das Stuttgarter Startup Laserhub bringt die oft sehr kleinen Betriebe der Blechbearbeitung ins digitale Zeitalter. Als Vermittlungsplattform macht man eine höchst individualisierte Industrieproduktion mit Hightech-Lasern möglich.

Wer an dominierende digitale Marktplätze denkt, hat Anbieter von A wie Amazon bis Z wie Zalando im Blick. Doch das erst vor zwei Jahren gegründete Startup Laserhub zeigt, dass man in Spezialbereichen auch im Südwesten solche Plattformen aufbauen kann. Die Stuttgarter verkaufen aber keine Waren aus dem Lager, sondern für die Kunden wird jedes bestellte Teil von Laserschneidemaschinen ganz nach ihren Wünschen zugeschnitten werden.  

Diese Bleche sind in jedem Produkt zu finden, das aus Metallteilen zusammengesetzt ist. Die Teile werden oft nur in kleinen Stückzahlen hergestellt.  Häufig muss es zwischen Bestellung und Lieferung sehr schnell gehen, wenn man das Spezialblech etwa für eine Eillieferung oder einen Prototypen braucht. Das Prinzip funktioniert wie die Kleinserienproduktion mit so genannten 3D-Druckern.  

Laser sind viel schneller als 3D-Drucker

„Laser sind aber um ein Vielfaches schneller und genauso flexibel“, sagt der Geschäftsführer und Mitgründer Adrian Raidt.  Die Spezialfirmen, die mit diesen Hightech-Maschinen die Blechteile  zuschneiden, sind klein. „Allein in Deutschland gibt es etwa 4500 solcher Blechbearbeiter, die historisch oft aus Schlossereien entstanden sind.“ Die Firmen, die meist nur 20 bis 150 Mitarbeiter haben,  mussten sich bisher mit zeitraubenden Bestellprozessen herumschlagen: „Die Laser sind siebenmal schneller als vor zehn Jahren – aber Aufträge werden immer noch per Fax abgewickelt. Das ist doch schizophren!“

Mit wenigen Klicks lässt sich das Wunschteil auf der Laserhub-Webseite konfigurieren – der Preis ist je nach Liefertempo gestaffelt. Im Gegensatz zu anonymen Online-Plattformen wird jeder Lieferant von Laserhub zertifiziert und speziell für jeden Auftrag ausgesucht. „Wir sind da ganz transparent: Der Kunde weiß, von wem er seine Teile bekommt“, sagt Raidt. „Bei uns hilft die Digitalisierung dabei, die Vielfalt kleiner Hersteller zu erhalten“, sagt der Laserhub-Mitgründer. Deutschland  hat hier immer noch einen Heimvorteil. „Die Metallteile sind schwer. Da schlagen die Transportkosten stark zu Buche.“ Produzenten außerhalb Europas scheiden so aus, und selbst Osteuropa hat hier noch keinen Fuß in der Tür. Liefer- und Termintreue sind wichtiger als der Preis.

In Berlin sieht man das Potenzial des schwäbischen Startups

Laserhub wendet das Prinzip des „hidden champions“, des heimlichen Weltmarktführers, auf die Digitalisierung an. Auch andere Startups im Baden-Württemberg wie das aus einer Tübinger Gießerei hervorgegangene Startup Kreatize haben solche Plattformen etabliert. Im Gegensatz zu Kreatize konzentriere man sich ganz auf einen einzigen Herstellungsprozess, sagt Raidt. Man will sozusagen das Amazon für Blechteile werden.

Der hochspezialisierte Onlinehandel auf Schwäbisch hat Investoren aus Berlin gefunden, unter anderem den Risikokapitalgeber Project A. Diese haben gerade erste einen einstelligen Millionenbetrag in Laserhub gesteckt, um unter unter anderem die Expansion auf weitere europäische Märkte wie Österreich und Frankreich zu finanzieren. Im Südwesten waren solche Finanziers schwer zu finden.

In Berlin verstehe man  Konzepte wie das von Laserhub eben besser als in Baden-Württemberg, sagt Raidt. In der Hauptstadt agiere man schneller, finanziere großzügiger und habe viel mehr Erfahrung mit Verkaufsplattformen.

„Wir bleiben aber hier, weil wir mit der Region verbunden sind“, sagt Raidt. Sprich: Wenn es allein nach kühlen Effizienzkriterien ginge, wäre Laserhub wohl in Berlin – auch weil dort IT-Experten aus aller Welt leichter zu finden sind. Mit den frisch bezogenen Büroräumen beim Stuttgarter Rathaus hat man sich aber nun im Südwesten verankert.

 Zurzeit arbeiten 19 Menschen bei Laserhub;  der Umsatz, der in Kooperation mit bisher 25  Fertigungsunternehmen erzielt wird, liegt im einstelligen Millionenbereich. Aber die Zeichen stehen auf schnelles Wachstum. „Der Markt ist riesig: 80 Milliarden Euro im Jahr werden allein in Europa mit Blechteilen umgesetzt“, sagt Raidt

Laserhub will auch mit Nachhaltigkeit punkten

Laserhub profitiert andererseits vom regionalen Produktions-Know-how. Mitgründer Raidt arbeitete ursprünglich für einen lokalen Technologieführer beim Thema Laserschneiden.   Aber auch der Wettbewerb gegen etablierte Firmen um die besten Mitarbeiter ist nicht leicht. Allerdings habe sich hier in jüngster Zeit der Wind etwas gedreht. „Wir spüren schon, dass die eine oder andere Firma inzwischen einen Einstellungsstopp verhängt hat – da werden wir attraktiv,“ sagt der Laserhub-Mitgründer.

 Man will beim Nachwuchs auch mit Nachhaltigkeit punkten. Das Geschäftsmodell von Laserhub lebe vom Netzwerk  regionaler Partner und von kurzen Transportwegen. Und auch wenn Laserschneidemaschinen hochautomatisiert sind und der Laserhub-Vertrieb rein digital funktioniert – ohne den Menschen geht es nicht.  „Unsere Partnerfirmen können nur wegen ihren qualifizierten Fachkräften bestehen, “ sagt Raidt. Wie man ein vom Laser zugeschnittenes Blechstück im nächsten Arbeitsgang richtig zurechtbiege, das könne der Mensch noch lange besser als ein Roboter: „Das ist vom Ablauf so komplex und das sind so kleine Serien, dass sie fürs maschinelle Lernen gar nicht genügend Daten zusammenbekommen“, sagt Raidt.  

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