Lars Sunnanväder: Seriengründer auf der Alb

Lars SunnanväderDer schwedischstämmige Serienentrepreneur und Wahl-Älbler Lars Sunnanvänder im Interview. Foto: Sunnanvänder

Der Schwede Lars Sunnanväder ist ein Seriengründer, der seine zweite Heimat auf der Schwäbischen Alb wirtschaftlich geprägt hat.

Der Flachdachbau im Lotzenäcker 3 in Hechingen besitzt die Anmut einer Zahnarztpraxis aus den 70er Jahren. Hier hat sich der Schwede Lars Sunnanväder mit seiner  Beratungsfirma LS Medcap einquartiert. Der hagere Mittsiebziger,  der elf Firmen gegründet und  sicherlich an die 1000 Arbeitsplätze geschaffen hat, legt keinen Wert auf Extravaganz –  abgesehen von einem   Mammutzahn, der hinter seinem Schreibtisch thront.  Beim jährlichen Neujahrsempfang der Stadt, die ihm vor zwei Jahren den Ehrenschild verliehen hat, meidet er immer die vorderen reservierten Sitzreihen. Auch seiner Tätigkeit geht er lieber im Stillen nach.   Warum steht er noch nicht auf dem Golfplatz, wie ähnlich vermögende Altersgenossen?

Herr Sunnanväder, Sie sind auf dem Land in Südschweden aufgewachsen und haben Wirtschaft und Ingenieurwesen studiert. Wie kamen Sie zur Medizintechnik?
Reiner Zufall. Ich hatte mich bei verschiedenen Firmen in der Umgebung von Lund beworben. Eigentlich wollte ich  zu einem Baumaschinenhersteller, der mich zum Glück abwies.   Gambro stellte mich ein.

Als Sie mit Gambro in den siebziger Jahren nach Hechingen kamen, hatten Sie da schon geahnt, dass Sie im Schwäbischen hängen bleiben würden?
Nicht im geringsten, ich hatte einen Zwei-Jahres-Vertrag. Aber es gefiel mir hier von Anfang an gut, wir wurden herzlich empfangen.

Sie wurden dann später technischer Werksleiter –  warum haben Sie nach acht Jahren bei Gambro  ihren Hut genommen?
Ich wollte mich eigentlich immer selbstständig machen.  Nach dem Börsengang von Gambro im Jahr 1982 verkaufte ich meine Gambro-Aktien, um etwas Neues zu beginnen.

Sie sind aber trotzdem in Hechingen geblieben, und ihre Firmen sind auch fast alle hier, alle entlang einer Straße.
Das ist praktisch, nicht wahr? Eine meiner Firmen war eine Zeit lang im zehn  Kilometer entfernten Hirrlingen. Das Hin und Her ging mir ziemlich auf die Nerven.

Insgesamt haben Sie elf Firmen gegründet, darunter  Jostra, Joka, Jotec, Jomed, Joline. Sind das schwedische Namen?
Nein. Mein erster Wohnsitz war in der Johann-Strauss-Straße in Hechingen-Sickingen. Deshalb nannte ich die erste Gründung Jostra. Die weiteren sollten so ähnlich klingen, so einfach ist die Erklärung.

Lars Sunnanväder konnte das Gründen nie lassen

Immer wieder haben Sie Firmen   verkauft, nachdem Sie sie groß gezogen hatten.   Warum sind Sie nicht bei einer geblieben?
Das war anfangs keine bewusste Geschäftsstrategie. Nach meinen ersten  Gründungen  Jostra und Joka Kathetertechnik, eine Ausgliederung von Jostra, wollte ich mit Jostra umsatteln von Dialyseschläuchen auf herzchirurgische Produkte. Dafür  brauchte ich aber Geld.  Also verkaufte ich Joka an meinen alten Arbeitgeber Gambro. Für Joka war das, als selbstständige Firma, überhaupt kein Problem. Ich entdeckte in dieser Vorgehensweise eine Möglichkeit,  all meine Ideen umzusetzen.

Später wechselten Sie von der Herzchirurgie zur Gefäßchirurgie. Woher rührt diese Umtriebigkeit?
Ich möchte nicht stehen bleiben, möchte Neues probieren. Mit meiner Firma Jotek hatte ich relativ rasch den Bereich Herzchirurgie abgedeckt. Also habe ich  mich erneut umgehört,  mit Kollegen gesprochen, Krankenhäuser besucht.  Krankenhäuser sind etwas Wunderbares: Da kann man in verschiedene  Abteilungen gehen und schauen, was die Ärzte da so benutzen und gut gebrauchen könnten. Das hat mich immer wieder inspiriert.

Woher nehmen Sie den Mut, immer wieder  neu anzufangen?
Anfangs habe ich mich immer damit getröstet, dass ich für den Fall, dass etwas schief läuft, auch ein sehr guter Lagerchef  sein könnte.  Im Ernst: Ich habe schon manchmal gezittert,  1985  beispielsweise. Meine Frau hatte zwar immer gesagt: Benutze nur die Hälfte deines Geldes. Damals aber hatte ich allein für Jostra mein ganzes Geld eingesetzt und war kurz davor, aufzugeben.    Da kamen überraschend zwei Beteiligungen herein  und es konnte weitergehen.

Bekommt ein Seriengründer wie Sie irgendwann mal so etwas wie Routine?
Sicherlich.  Aber sie bewahrt einen nicht vor Fehlentscheidungen. Ich habe ein paar Mal  in Firmen investiert, die nach kurzer Zeit Pleite gingen.  Das waren  allerdings häufig Unternehmen,  in die ich keinen  richtigen Einblick hatte.

Lassen Sie deshalb nun die Finger davon?
Auf keinen Fall.  Ich bin immer aufgeschlossen gegenüber innovativen Ideen. Ich bin nur etwas vorsichtiger bei unbekannten Firmen.

Existenzgründungen im medizintechnischen Bereich werden in Deutschland immer seltener.  Woran liegt das?
Die Politik macht es der Branche immer schwerer  mit all ihren Regularien.  Für das simpelste Produkt benötigt man heutzutage mindestens eineinhalb Jahre bis zur Zulassung, ganz zu schweigen von den Kosten. Markteinführung.  Entsprechend gering ist das Interesse von Risikokapitalgebern, sich zu beteiligen. Die Gründung der Firma Bentley Innomed GmbH beispielsweise, brauchte über 3 Millionen Euro Kapital und sieben Jahre Zeit,  bis  sie sich von selbst tragen konnte.

Sie selbst sind derzeit an einem halben Dutzend Firmen beteiligt und teilweise auch in der Geschäftsführung tätig. Verliert man da nicht den Überblick?
Naja, ich habe sie alle mehr oder weniger auf dem Schirm.  Cardiobridge braucht noch eine ordentliche  Unterstützung, Bentley läuft quasi von selbst, Jotec auch, Translumina sollte mal wieder etwas angestupst werden, genauso  Joline . . .

Lars Sunnanväder mag die Mentalität auf der Alb

Das klingt, als würden Sie über Ihre Kinder sprechen.
Dabei habe ich noch zwei weitere Kinder, meine beiden Töchter Annika  und Monika.

Wie läuft es mit diesen Kindern?
Hervorragend. Annika  ist Geschäftsführerin meiner Beratungsfirma LS Medcap und Monika  macht Werbung und Marketing für einige unserer Firmen.

Sie und Ihre Familie scheinen Hechingen sehr verbunden zu sein. Haben Sie in all den  Jahren nie daran gedacht,  nach Schweden zurückzukehren?
Nein. Ich mag die Mentalität der Hechinger, den Fleiß und die Disziplin der Menschen. Das kann man von den Schweden nicht immer behaupten.  Dort herrscht zu viel Demokratie in den Firmen. Alles muss begutachtet werden, alle müssen zustimmen. Das macht Entscheidungen sehr schwerfällig. Außerdem habe ich hier alle meine Geschäftskontakte und eine Stadtverwaltung, die mich bei meinen Vorhaben tatkräftig unterstützt.  In Schweden würde ich wieder bei Null anfangen.

Was ist Ihr nächstes Projekt?
Ich werde Opa. Wieder eine neue Herausforderung.

 

Seit 41 Jahren ist Lars Sunnanväder ein Hechinger
Lars Sunnanväder  lebt mit seiner Familie seit 41 Jahren in Hechingen. Seine ersten Sporen verdiente er sich in den siebziger Jahren bei der Firma  Gambro,  die  sich auf die Produktion von Dialysegeräten versteht. Sie gehört heute zum US-Konzern Baxter und beschäftigt 1400 Mitarbeiter. 
Seine erste Gründung war die Firma Jostra, mit der er zunächst Dialyseschläuche und später Produkte für die Herzchirurgie entwickelte.  Darauf folgten zehn weitere Firmengründungen, fast alle in Hechingen.   Einige dieser Firmen hat er in der Zwischenzeit wieder verkauft. Zuletzt rief er im Jahr 2009 die Firma Bentley ins Leben, die besondere Stents für die Gefäßchirurgie produziert.

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