Landespreis für junge Unternehmen – Shortlist

Landespreis für junge UnternehmenSo wirbt die L-Bank für den Landespreis - die Firmen müssen bei ihrem Standort ein Herz fürs Land haben.; Screenshot: L-Bank

Der von der baden-württembergischen Landesregierung und der Landesförderbank L-Bank zum elften Mal verliehene Landespreis für junge Unternehmen verzeichnet 2016 eine Rekordbeteiligung. 604 Betriebe haben sich diesmal für die Auszeichung beworben.

Beim Landespreis für junge Unternehmen kommen baden-württembergische Firmen infrage, die einerseits nicht älter sind als zehn Jahre, andererseits schon mindestens für zwei Jahre eine Geschäftsbilanz vorweisen können. Es werden also potente Aufsteiger geehrt, die schon bewiesen haben, dass sie keine Eintagsfliege sind. In dieser Woche haben sich die Finalisten in der nichtöffentlichen Vorschlussrunde den Juroren. gestellt. Zehn von ihnen werden zur Preisverleihung Ende Oktober ins Neue Schloss in Stuttgart eingeladen, wo Ministerpräsident Winfried Kretschmann dann die Hauptpreise an die drei Sieger vergeben wird. Mit insgesamt 90 000 Euro an Preisgeldern ist ist der alle zwei Jahre verliehene Landespreis für junge Unternehmen nach Angaben der L-Bank  einer höchstdotierten und teilnehmerstärksten Unternehmerpreise in Deutschland. Hier nun eine Übersicht der besten 20 – die auch ein  Streifzug durch die Vielfalt der Ideen und  Marktnischen ist.

Die 20 Finalisten beim Landespreis für junge Unternehmen 2016

Aircraft Design & Certification, Neckargemünd, www.aircraftdc.de
Die 2005 gegründete Firma ist auf das Zulassungsverfahren von Flugzeugen spezialisiert. „Heute  schaffen wir mit unseren acht Mitarbeitern die Zulassung oft in weniger als 100 Flug-
stunden“, sagt Mitgründer Boris Kölmel. Das ist drei- bis viermal schneller als üblich. Dabei versteht sich das Unternehmen nicht als reiner Dienstleister, sondern auch als Partner in der Entwicklung von Flugzeugen. Ein Beispiel ist die Entwicklung eines Solarflugzeuges, für das man die Zulassungskriterien mit erarbeitete.

b2 Biomarkt, Balingen, www.b2-biomarkt.de
Die drei Gründer des b2 Biomarkts in Balingen mit einem Standort in Rottweil kümmern sich um biologische Lebensmittel  auf dem ganzen Weg von der Produktion bis zum Verbraucher „vom Acker bis auf den Teller“. Zusammen mit drei Mitarbeitern verkaufen sie biologisch angebaute Produkte im eigenen Laden oder  in den eigenen Bio-Bistros. Frisches Gemüse kommt aus einer eigenen Gärtnerei. Ziel sind regionale Wirtschaftskreisläufe und ein fairer Umgang mit den Partnern vor Ort. „Wir verhandeln nicht über Preise, sondern über Werte,“ sagt Mitgründer Stefan Schopf.

BioMed X, Heidelberg, www.bio.mx
Das 2013 gegründete Unternehmen BioMed X findet als  Dienstleister speziell für Firmen aus der Pharmabranche hochqualifizierte Teammitglieder. „Wir suchen Talente aus aller Welt, die für unsere Kunden bestimmte Fragestellungen bearbeiten. Beispielsweise die Entwicklung einer Therapie gegen die Alzheimer-Krankheit“, sagt Christian Tidona, Gründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Letztlich geht es darum, Wirtschaft und Wissenschaft zusammenzubringen. Das Unternehmen plant das Geschäftsmodell auf weitere Branchen auszuweiten.

Cegat, Tübingen, www.cegat.de
Die Tübinger Medizintechnikfirma bietet Genanalysen an, die unter anderem genetische Defekte effizient nachweisen können.  Die 100 Mitarbeiter des 2009 gegründeten Unternehmens untersuchen heute das Erbgut von jährlich mehr als 10 000 Patienten auf Veränderungen, die der Ausgangspunkt von Krankheiten sein können. Mitgründerin  Saskia Biskup sagt der Gendiagnostik eine große Zukunft voraus. Sier werden zu einem Routinevorgang werden: „Jeder Mensch ist unterschiedlich und benötigt eine individuelle, genau auf seine Gene zugeschnittene Behandlung.“

Datavard, Heidelberg, www.datavard.com
„Viele ertrinken in Daten und dürsten nach Informationen“, so beschreibt der Geschäftsführer Gregor Stöckler das Problem  vieler Unternehmen. Datavard will dabei helfen, Daten richtig und umfassend zu interpretieren. Dazu suchen die Mitarbeiter bei den Kunden nach SAP-Daten, die isoliert betrachtet von eingeschränkter Aussagekraft sind, und kombinieren sie so, dass sich daraus auswertbare Informationen ergeben.  Acht Standorte hat Datavard mittlerweile. Die wichtigsten Märkte sind zurzeit Deutschland und die USA.

Die Ligen, Stuttgart, www.die-ligen.de
Spiele unterhalb der Dritten Liga sind kein Thema für das Fernsehen. Markus Kleber und Timo Luippold gründeten deshalb  2008 ein Unternehmen, das diese Ligen in den Blick rückt. Heute bietet das Unternehmen, das 2015 bereits einen CyberOne Hightech Award Baden-Württemberg gewonnen hat, Filmaterial aus 15 Ligen in Deutschland an. 80 freie und 20 festangestellte Mitarbeiter zeichnen die Spiele mit ganz normalen Videogeräte auf. Eine selbstentwickelte Software erschließt das Material. Kunden sind Medienanstalten, Vereine und Talentscouts. „Das Geschäftsmodell lässt sich auch auf andere Sportarten und auf andere Länder übertragen“, sagt Kleber.

Essert, Ubstadt-Weiher, www.essert.com
Der Gründer  Christopher Essert ist ein Pionier auf dem Gebiet der virtuellen Realität: „Ich wusste nicht, wie eine Datenbrille funktionieren könnte“, sagt er über seine Gründungsphase. Aber er wusste, dass diese enormes Marktpotenzial hatte. 2009 gründete der damals 21-jährige gelernte Mechatroniker sein Unternehmen. Er bietet heute  das nach eigener Aussage „marktführende Produkt“ im Bereich Datenbrillen an. Das Unternehmen hat 30 Mitarbeiter, davon keiner älter als 32 Jahre. „Hierarchie gibt es bei uns praktisch nicht“, sagt Essert. Die Zukunft sieht er auf dem Gebiet der Kooperation von Menschen und Robotern.

Kraus Maschinenbau, Spaichingen, www.krausmb.de
Wie kommen eigentlich der richtige Lieferschein und die passende Bedienungsanleitung zur Ware? Und wie wird eine Faltschachtel maschinell vorbereitet? Solchen ganz speziellen Problemstellungen widmet sich der 2008 gegründete Maschinenbauer. Heute produziert das Unternehmen mit 30 Mitarbeitern Maschinen, die unter anderem Sonderlösungen für knifflige Probleme anbieten,  und verkauft sie weltweit.  Gewartet werden sie von Spaichingen aus, ganz im Sinne der  Industrie 4.0.

Kunbus, Denkendorf, www.kunbus.de
Industrie 4.0 bedeutet im Wesentlichen, „dass Maschinen miteinander schwätzen können“, sagt Kunbus-Geschäftsführer Martin Kunschert. Damit das  funktioniert, braucht es Sensoren, die Daten empfangen und verarbeiten können.   Kunschert entwickelte im Rahmen eines Hochschulprojekts seine Geschäftsidee.  Heute hat seine 2008 gegründete Firma 119 Mitarbeiter. Bei der Entwicklung der Sensoren lädt das Unternehmen in Teilbereichen eine Community von acht Millionen Mitgliedern zum Mitforschen ein, um Anregungen zur Weiterentwicklung der Produkte zu erhalten.

LeaseRad, Freiburg, www.jobrad.org
Als Pionier habe er 2008 mit der Gründung von LeaseRad dafür gekämpft, dass die von Autos bekannten Steuervorteile  heute auch für Fahrräder gelten, sagt der Gründer Ulrich Prediger. Den Erfolg seines Unternehmens beflügelten nämlich nicht nur ökologische Trends, sondern auch  monetäre Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Arbeitgeber können sich  ohne viel Aufwand als Leasingnehmer registrieren.  Arbeitnehmer können können durch Steuervorteile mit dem Leasingmodell im Verhältnis zu einem Direktkauf bis zu 40 Prozent sparen. Heute beschäftigt die Firma 73 Mitarbeiter, verfügt über ein bundesweites Netzwerk von mehr als 2500 Fahrradhändlern und erreicht  650 000 Arbeitnehmer.

Lightshape, Stuttgart, www.lightshape.net
Das  Unternehmen bietet 3-D-Visualisierungen für Print, Film, Web und mobile Endgerätean.  Neben digitalen Effekten kann man auch Konfiguratoren für Automobilkunden erstellen oder geplante technische Entwicklungen anschaulich darstellen. Dabei sind gegenüber herkömmlichen Verfahren Kosteneinsparungen von der  Hälfte möglich. Das 2007 gegründete Unternehmen beschäftigt aktuell 16 Mitarbeiter.

Magictail, Waldkirch, www.magictail.de
Als die kleine Tochter von Kirsten Söller eine Meerjungfrauenflosse haben wollte, entdeckte ihre Mutter ein Geschäftsmodell. So etwas war bisher nur teuer zu erhalten.  „Da
nähte ich meiner Tochter einfach selbst eine!“, sagt die Gründerin. Das 2010 gegründete Unternehmen ernährt inzwischen 20 Mitarbeiter – es gibt tatsächlich einen Markt für Meerjungfrauen- und Nixenkostüme.  Magictail macht sie auch für Normalverdiener bezahlbar.

mb-Vermarktung,  Schwäbisch Hall, www.mb-vermarktung.de
In Europa gibt es in beinahe jedem Land verschiedene Bio-Siegel, und auch die EU hat ein eigenes Bio-Logo. In dieser verwirrenden Vielfalt ist für alle, die europaweit mit Bio-Geflügel handeln, das Vertrauen der Abnehmer zentral. Der 49-jährige Agraringenieur stellt mit drei Mitarbeitern  in elf Ländern Europas sowie in Dubai Handelsbeziehungen und Netzwerke zwischen Produzenten und Nachfrager her.  „Je nach Mentalität in den einzelnen Ländern sind die Erwartungen an die Produkte sehr unterschiedlich“, sagt der  Gründer. Das wichtigste Kapital der 2009 gegründeten Firma: Vertrauen.

Oettinger, Malsch, www.oettinger-bau.de 
2006 wurde das Bauunternehmen als Ein-Mann-Betrieb gegründet. Binnen zehn Jahren wuchs daraus ein spezialisierter Baudienstleister mit 60 Mitarbeitern.  „Was jeder kann, ist nicht unser Markt“, sagt der Gründer Robert  Oettinger. Verwurzelung in der Region, Innovation und Verlässlichkeit sind seine Leitmotive. Dafür sorgt auch die besonders hochwertige Ausstattung der Firma mit Maschinen und Werkzeugen.

Opasca, Mannheim, www.opasca.com
Wer sich einer Strahlentherapie unterziehen muss, fühlt sich oft ausgeliefert. Das von Opasca entwickelte System gibt dem Patienten genaue Informationen etwa zur Therapie und Terminen – aber erläutert auch mögliche Verzögerungen.  „Mit uns bekommen die Patienten ihre Selbstbestimmung zurück“, sagt Mitgründer Alexej Swerdlow. Die Idee wurde am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelt. Gegründet wurde Opasca 2011 in Mannheim. Das Wohlbefinden der Patienten hat dabei auch therapeutische Wirkung. „Nachweisbar verschieben sich bei Patienten unter Anspannung die inneren Organe, was den Erfolg der Strahlentherapie in Frage stellt“, sagt Swerdlow.

Sallys Entertainment- und Handels-GmbH, Waghäusel, www.sallyswelt.de
Sallys Back-Videos  werden zwölf Millionen Mal im Monat angeklickt. Als die Grundschullehrerin Saliha Özcan ihre erste Back-Vorführung ins Netz stellte, wurde sie  auf Youtube bereits 12 000 Mal angeschaut. Heute ist die Fangemeinde riesig. „Bei mir sind vor allem die Zuschauer im Alter von 18 bis 54 Jahren zu finden“, sagt die 27-Jährige. Inzwischen hat sie nicht nur einen Onlineshop und ein Blog, sondern bietet mit ihren Mitarbeitern auch Werbeagenturleistungen und Eventorganisation an. „Früher wurde es auf den sieben Quadratmetern mit den vielen Kameras und Lampen recht eng“, sagt Özcan: „Mittlerweile stehen uns insgesamt 700 Quadratmeter zur Verfügung.“

s ́Hebammenhaus, Villingen-Schwenningen, www.shebammenhaus.de
Zwölf Hebammen haben sich 2007 zum Unternehmen s`Hebammenhaus zusammengeschlossen.  Als Einzelunternehmerin kann eine Hebamme lediglich sechs bis sieben Geburten im Monat betreuen. Im Team können das bis zu 25 Geburten sein. Auch in der Organisation und Verwaltung genießt jede von ihnen durch den Zusammenschluss erhebliche Vorteile, weil sich Aufwand und Kosten reduzieren. Rund zehn Prozent aller Geburten im Schwarzwald-Baar-Kreis werden inzwischen von den zwölf Gesellschafterinnen und fünf freien Mitarbeitern begleitet.

Socialbit, Markdorf am Bodensee, www.socialbit.de
Software programmieren und den laufenden Betrieb betreuen – dies ist das Geschäftsmodell des 2010 in Markdorf am Bodensee gegründeten Startups. Egal, ob es um die
Programmierung von Apps für Facebook-, Twitter- und Instagram-Anwendungen oder die Beratung, Konzeption und Gestaltung von Internetauftritten geht: 16 Mitarbeiter kümmen sich um das gesamte Spektrum der menschlichen Internetkommunikation. „Wir beraten zum gesamten Prozess und übernehmen auch die Umsetzung“, sagt Andre Thum von Socialbit. Die Gründer engagieren sich auch im Verein Toolbox Bodensee e.V.,  in dessen Räumen sich IT-Fans ausprobieren können.

Zedler Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit, Ludwigsburg, www.zedler.de
Der Gründer  Dirk Zedler hat ein effizientes Prüfsystem für Fahrräder entwickelt und bietet dieses seit  2010  als Dienstleistung an. Kunden können bei ihm an sieben Tagen die Woche
rund um die Uhr Stoß- und Überlastprüfungen für klassische Räder, aber auch E-Bikes vornehmen lassen. „Uns kommt entgegen, dass die Fahrradtechnologie mitten im Umbruch ist“, sagt der Diplom-Ingenieur. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen elf Mitarbeiter.

Zigzag, Stuttgart, www.zigzag.is
„Im Zentrum jeder Marke steht immer ein Mensch“, sagt Gründer Florian Dusch. Als Softwaredienstleister hilft er mit seinem Team Anwendungen zu kreieren, die nicht nur funktional sind, sondern den Nutzern auch Spaß machen sollen.  Was dazu gehört, hängt auch von Produkt und Marke ab. „Ein BMW-Fahrer erwartet von seinem Navigationsgerät etwas anderes als ein Mercedes-Fahrer“, sagt Dusch. Gegründet wurde das Unternehmen  im Jahr 2012. Inzwischen haben die elf Mitarbeiter schon mehr als 50 Projekte betreut.

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER