Kein Tor ohne Die Ligen

Die LigenHunderte von freien Mitarbeitern stehen für die Stuttgarter Firma jede Woche am Spielfeldrand. Foto: Die Ligen

In lockerer Reihe stellen wir Finalisten des im Oktober verliehenen Landespreises für junge Unternehmen vor: Die Ligen haben  sich auf das Filmen und die Vermarktung von Fußballspielen regionaler Vereine spezialisiert.

Fußball – das war schon immer Markus Klebers Ding. Bereits als Kind studierte der heute 38-Jährige  den Sportteil der Zeitung. Dabei interessierten ihn nicht nur die Ergebnisse der großen Clubs, sondern vor allem auch, wie die Spiele der Vereine, die nicht in der ersten Bundesliga spielten, ausgegangen waren. Mittlerweile lebt Kleber von seiner Leidenschaft: Der Nürtinger ist Gründer und Geschäftsführer der Videoproduktionsfirma Die Ligen, die sich auf das Filmen und die Vermarktung  von Fußballspielen der unteren Ligen spezialisiert hat.
Im Haus des Sports in Bad Cannstatt, mit Blick auf die  Mercedes-Benz-Arena und die Gebäude des Olympiastützpunktes Stuttgart, haben Die Ligen  ihren Sitz – wobei das Start-up vor zehn Jahren in Berlin gegründet wurde.  „Unsere Kundschaft sitzt aber eher im Südwesten“, sagt Kleber; darum im Jahr 2008 der Umzug in die schwäbische Landeshauptstadt. Zu den Abnehmern der Fußballspiele, die Kleber und sein Team filmen, gehören vor allem Fußballvereine und -verbände. „Wir sind überall dort zugegen, wo die Fernsehsender nicht hingehen“, sagt der Geschäftsführer.

Die Ligen bieten Material für Vereine und Experten

Für die Ligaverbände sei das Filmmaterial vor allem deswegen interessant, weil es dort für die Schiedsrichterbeobachtung, Sportgerichtsbarkeit  oder das eigene Online-Angebot genutzt werde, berichtet Kleber. So liefern Die Ligen beispielsweise die Bilder für DFB-TV – das Videoportal des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Innerhalb der Vereine wiederum nutzten Trainer die Filme zu Analysezwecken. Die Vereine sparen damit Fahrtkosten für Spielbeobachtungen und haben zu jeder Zeit Zugriff auf das gesamte Material, so Kleber. Auch Scouts, die auf der Suche nach Talenten sind, gehören nach Angaben von Kleber zum Kundenstamm von Die Ligen.
Begonnen hat es bei der Stuttgarter Videoproduktionsfirma im Jahr 2006 allerdings mit einer etwas anderen Idee. Eigentlich, so erzählt Kleber, wollten er und zwei Partner eine  Internet-Community-Plattform etablieren, auf der Fußballspiele in voller Länge gezeigt werden und Fans  sich untereinander austauschen können – „Youtube für Amateurfußball sozusagen“, beschreibt der Fußballfan seine anfängliche Vision.
Doch daraus wurde nichts: Zum einen habe sich für das  noch junge Unternehmen die rechtliche Frage gestellt. Damals  hatte der DFB im Amateurbereich noch die exklusiven Bildrechte. Dies änderte ein Urteil des Bundesgerichtshof erst 2010. Zum anderen hatte vor zehn Jahren, anders als heute, nur ein kleiner Prozentsatz der Internetnutzer einmal ein Video im Netz angeschaut.  Kleber holte sich seinen Schulfreund Timo Luippold als weiteren Geschäftsführer mit ins Boot. Nun setzte man auf ein Modell, das sich eher an institutionelle Interessenten richtete.

300 Videofilmer dokumentieren 5000 Spiele im Jahr

Mittlerweile werden pro Jahr  insgesamt 5000 Fußballspiele in ganz Europa von der Ligen-Crew gefilmt – dazu zählen in Deutschland alle Staffeln der A-Junioren-Bundesliga, vier von fünf Regionalligen und die Frauenbundesliga. Und auch in andern Ländern Europas, wie  in Spanien, Frankreich oder der Schweiz, sind „Die Ligen“ unterwegs – und filmen Fußballspiele.
Dafür greifen die Geschäftsführer auf ein großes Netzwerk an freien Mitarbeitern zurück. Mehr als 300 sind es  europaweit, darunter vor allem Studenten und Rentner, die für Die Ligen filmen, wie Kleber berichtet. Nach einer Schulung dürfen die Mitarbeiter selbstständig zu den Spielen fahren und die Partien vom Spielfeldrand aus aufzeichnen. Anschließend werden die Clips an die Kunden entsprechend ihren Wünschen verschickt – vom ungeschnittenen Rohmaterial bis hin zu redaktionell aufbereiteten Beiträgen.
Vom Hauptsitz in  Stuttgart aus – wo  Kleber und sein Team bestehend aus  20 Kollegen sitzen – wird koordiniert, welcher freie Mitarbeiter zu welchem Spiel fährt. „Wir haben über 150 Einsätze gleichzeitig, die gemanagt werden müssen“, sagt der studierte Wirtschaftsingenieur. Um diesen Prozess  einfacher zu gestalten, soll künftig eine selbst entwickelte Betriebssoftware namens „Dropkick“ zum Einsatz kommen. Diese soll, so erklärt Kleber, den Mitarbeiter virtuell durch den Einsatz begleiten.
Und noch eine Neuerung wird es bald geben: Eine Mediensoftware mit dem Namen „Derby Express“, die vom Stuttgarter Start-up Bitfactory programmiert wurde, soll laut Kleber erkennen, welcher Kunde, welches Produkt wünscht. Das Programm bereitet das Video dementsprechend auf und verschickt es an die Abnehmer.
Das Stuttgarter Unternehmen macht etwa 70 Prozent seines  Jahresumsatzes, den der Ligen-Gründer Kleber mit 1,2 Millionen Euro angibt, mit den Videos, die  Vereine und Verbände abnehmen. Die   anderen 30 Prozent entfallen auf Internetseiten von Medienunternehmen, die die Clips auf ihren Homepages zeigen. Für das laufenden Geschäftsjahr peilen Die Ligen einen Umsatz von 1,8 Millionen Euro an.

Noch mehr Innovationen...

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