Johannes Ellenberg – zurück zu den Wurzeln

Johannes EllenbergJohannes Ellenberg 2015 in den Accelerate Spaces in Stuttgart - heute sind sie nicht wiederzuerkennen. Foto: Kathrin Wesely

Johannes Ellenberg von Accelerate Stuttgart ist einer der Pioniere der Stuttgarter Startup-Kultur. Sein vor zweieinhalb Jahren gestartetes Projekt hatte eine wechselhafte Geschichte. Nun will er zu seinen Wurzeln zurück.

Nur an einer Glastüre zu einem Einzelbüro hängt es noch, das Logo von Accelerate Stuttgart. Ansonsten ist der Pionier-Space der Stuttgarter Startup-Szene nicht mehr wiederzuerkennen. Der neue Mieter Certeo, eine auf den Onlinehandel spezialisierte Tochter des Stuttgarter Spezialversenders Takkt, hat die Räumlichkeiten voll in Beschlag genommen. Die Ironie dabei: Mit all den Sperrholzmöbeln, Sitzkissen und Motivationsslogans an den Wänden sieht es hier startupmäßiger aus denn je.

Johannes Ellenberg, der Accelerate Stuttgart 2012 zusammen mit dem Mitstreitern Kathleen Fritzsche und Harald Amelung gründete und  der im Herbst 2015 die jetzt so gründlich umgekrempelten Accelerate Spaces am Feuersee in Stuttgart bezogen hat, tut das, was ein echter  Gründer tut: Er orientiert sich neu. In den wenigen Jahren seines Bestehens hat das Projekt schon eine wechselhafte Geschichte hinter sich.

Gestartet ist es als ein kommerzieller Accelerator, der Startup-Ideen in einem sechsmonatigen Programm zur Geschäftsreife bringen wollte. Zusätzlich wollten man mit seinen Veranstaltungen und den Accelerate Spaces genannten Räumlichkeiten zur Keimzelle der Stuttgarter Startup-Kultur werden.

Das eigentliche Acceleratoren-Programm hob nicht ab

Doch schon nach der ersten Runde merkte man, dass für ein kreatives, auch ein Stück ideelles Acceleratoren-Programm, das privatwirtschaftlich auf eigenen Füßen steht, in Stuttgart die Grundlagen fehlen. Zwar zündeten die Startup-Veranstaltungen. Der Saal im Herzen der Accelerate Spaces platzte immer öfter aus allen Nähten. Doch als der Münchner und Berliner Startup-Berater Etventure ein Stuttgarter Standbein suchte und die Übernahme von Accelerate Stuttgart anbot, griff Ellenberg im Sommer 2016 zu.

Er habe es nicht leichten Herzens getan, sagt er. Doch auch diese Konstruktion ist nun schon wieder Geschichte: Vor einigen Wochen hat die etablierte Beratungsfirma EY ihrerseits Etventure übernommen. Das Geschäft mit der Startup-Kultur ist sozusagen im Beratungs-Establishment angekommen. Dies war für Ellenberg der Moment, sich wieder neu zu orientieren. „Als Accelerate unter das Dach von Etventure zu gehen, war schon ein echter Schritt. Aber nun unter noch ein weiteres Dach zu schlüpfen, das war für mich eine Stufe zu viel.“

Johannes Ellenberg hat Accelerate Stuttgart zurückgekauft

Ellenberg hat seine an Etventure abgegebenen Anteile inzwischen wieder zurückgekauft. Veranstaltungsmanagement und Innovationsberatung sind nun die neuen Standbeine für die geschrumpfte Firma Accelerate Stuttgart. Und dafür gibt es auch eine große Nachfrage. Denn die Startup-Kultur in Stuttgart hat sich enorm entwickelt – aber in eine etwas andere Richtung als es Ellenberg vor zweieinhalb Jahren vorhersah.

„Die etablierten Firmen spielen hier eine sehr große Rolle“, sagt er. Das Gute: Die Offenheit gegenüber einer anderen Innovationskultur und gegenüber Startups sei enorm gewachsen. Der Nachteil: „Die Firmen wollen  das Heft in der Hand haben.“ Startup-Kooperationen sind en vogue – aber es ist eine Startupkultur, die sich stark an den Bedürfnissen der bestehenden Wirtschaft ausrichtet. Dort sitzt das Geld und dort gibt man auch Entwicklungsziele vor. Projekte, die sich von vorne herein auf diese Realitäten ausgerichtet hätten, seien erfolgreich, sagt Ellenberg.

Startup-Räume in Stuttgart gibt es heute viele

Dass mit Certeo nun ein Firmenableger das einstige Begegnungszentrum für Startups übernommen hat, ist also höchst  symbolisch. „Räumlichkeiten wie die Accelerate Spaces zu haben, ist inzwischen in Stuttgart aber nicht mehr so essenziell“, sagt Ellenberg.  Offene, kreative Büroprojekte wie die Wizemann Spaces seien in der Region inzwischen leichter zu finden. Auch die Firmen selbst hätten inzwischen ihre kreativen Anlaufpunkte geschaffen.

Wo Accelerate Stuttgart als Eventmanager und Schulungsplattform dauerhaft seine Heimstatt findet, ist noch offen. Ellenberg ist gerade dabei, einen mittelständischen Partner an Bord holen, der sich strategisch an dem Unternehmen beteiligen möchte.

Johannes Ellenberg setzt wieder auf Wachstum – und er hat immer noch die Vision, mit der er angetreten ist. Sollte das Event- und Schulungsunternehmen Erfolg haben, will er wieder an seine Wurzeln anknüpfen.  „Ich will irgendwann einen Accelerator starten, den ich selber finanziere“ sagt er.

Nur mit dieser Unabhängigkeit und Entscheidungsbefugnis könne ein solches Projekt funktionieren, das habe er lernen müssen. Er sieht sich dabei nicht als auf den schnellen Exit schielender Kapitalinvestor, aber auch nicht als Unternehmer, der sich Innovationen einkaufen will, sondern als jemand, der kreative Ideen mit Leidenschaft entwickeln will.

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