Jaumo – Flirt-App aus Göppingen hebt ab

JaumoErst die App, dann der Blick in die Augen? So präsentiert Jaumo seine Datingwelt. Screenshot: IdeenwerkBW

Fast unbemerkt hat sich die Flirt-App Jaumo zu einer App mit über 20 Millionen Nutzern entwickelt. Gegründet wurde die App von zwei alten Bekannten der Szene.

An was denkt man beim Stichwort Online-Dating? Wahrscheinlich an Tinder, Lovoo oder leicht peinliche Werbespots im Fernsehen. Auf dem App-Markt für Liebe und kurzweilige Bekanntschaften konkurrieren zwar viele Anbieter miteinander; wirklich durchgesetzt haben sich aber nur wenige Apps, die dafür immer größer werden.

Dazu gehört auch ein Anbieter aus dem Land, der es fast unbemerkt zu einer gewissen Größe gebracht hat: Die Rede ist von Jaumo. Noch nie gehört? Haben offenbar die wenigsten – obwohl die App mehr als zwei Millionen Mitglieder in Deutschland und 20 Millionen Mitglieder weltweit hat. Zum Vergleich: der weltweite Marktführer Tinder soll etwa 50 Millionen Nutzer haben.

Jaumo hat 150 000 Anmeldungen am Tag

Jaumo ist in den Grundzügen wie sein Konkurrent Tinder aufgebaut: Auf dem Smartphone-Bildschirm tauchen Bilder von potenziellen Dating-Partnern auf, die mit einer Handbewegung bewertet werden können. Wisch nach rechts, ich mag dich; Wisch nach links, Nein danke. Gibt es eine Übereinstimmung zwischen Flirt-Angebot und -Nachfrage, so wird dies als „Match“ bezeichnet.

2011 wurde die App von Jens Kammerer und Benjamin Roth in Göppingen auf den Markt gebracht. Geschäftsführer Jens Kammerer sagt selbst: „Wir sind in den letzten Monaten sehr stark gewachsen. Aber ja, es stimmt, viele kennen uns nicht“. Das wird wohl nicht ewig so bleiben: aktuell verbuchen sie etwa 150 000 neue Anmeldungen am Tag.

Die Gründer sagen selbst über ihre eigene App, dass sie sich nicht grundsätzlich von anderen Dating-Apps unterscheide und kein besonderes Alleinstellungsmerkmal biete. Wie wird man also mit einer App erfolgreich, die genau wie viele andere ist? Ihren Erfolg erklärt sich Kammerer unter anderem mit der Zufriedenheit der Mitglieder. Die Basisversion biete verhältnismäßig viele Freiheiten und die Premium-Version kann sieben Tage lang kostenfrei getestet werden. Dazu gehöre auch, dass sie sich verstärkt um das Löschen von Fake-Profilen kümmern würden. „Über Jahre hinweg scheint sich dieses Modell zu lohnen“, sagt Gründer Jens Kammerer. „Wenn wir heute auf den Markt kommen würden, wäre das sicher anders. Dann bräuchten wir ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er.

Unternehmen mit kleiner Mitarbeiterzahl

Erfolg durch einen langen Atem und Kundenzufriedenheit statt großer Marketing-Maschinerie? Eine eigene Marketing-Abteilung gibt es nicht, auch in Fernsehwerbung wird „kein Geld verpulvert“, wie es die Mitbewerber tun. „Die guten Bewertungen sind unsere beste Werbung“, sagt Kammerer. Ganz ohne Werbung geht es aber auch für Jaumo nicht. Es gibt Werbeanzeigen im Internet und innerhalb der App. Außerdem wurde eine Agentur in Berlin beauftragt, die sich um die Außendarstellung kümmert. Aus Daten über Matches und die Aktivitäten der Mitglieder generiert die Agentur Pressemitteilungen, die die Daten als Art Studie verschicken – um so den Unternehmensnamen in die Medien zu bringen.

Dass sich das auch finanziell lohnt, hat für Kammerer vor allem einen Grund: die schlanke Firmenstruktur. „Wir waren bis vor etwa einem halben Jahr nur zu zweit“, sagt er. Heute ist das Team zu fünft, der Support ist ausgelagert nach Asien. Außerdem gibt es Studenten, die sich um den Kundenservice kümmern. Die Größe soll so bleiben, „wir wollen als Firma nicht riesengroß werden“, sagt Kammerer. Die App aber soll weiterwachsen. Gearbeitet wird „remote“. Das heißt, es gibt kein gemeinsames Büro, die Mitarbeiter arbeiten im Home Office. Seit zwei Jahren etwa trägt sich das Unternehmen soweit, dass es zum Leben reicht. Einen Investor gibt es keinen. „Wir sind jahrelang gemächlich vor uns hin gewachsen“, sagt Kammerer. Dann wurde die Eine-Million-User-Marke geknackt – ein Jahr später hatte die App bereits zehn Millionen Mitglieder.

Schwäbisches Tinder für viele Zielgruppen

Der Erfolg der beiden Gründer kommt nicht von ungefähr: 1999 gründeten sie Kwick, eine Online-Community, die vor allem in Süddeutschland erfolgreich war. 2011 – dem Jahr der Jaumo-Gründung – verkauften Kammerer und Mitgründer Roth Kwick an das amerikanische Unternehmen Kiwibox.com. Auch jetzt ist Jaumo nicht das einzige Pferd, auf das sie setzen. Insgesamt gehören zum Unternehmen acht Apps: eine App für Schwule, eine für Lesben, eine speziell auf Frauen zugeschnittene App und eine für ältere Mitglieder, die handverlesene Vorschläge bekommen. Ganz frisch sind drei weitere Apps: zusätzlich zu den fünf bestehenden Apps gibt es seit wenigen Tagen auch eine App für Muslime und eine für Menschen ab 50 Jahren. Die dritte neue App soll dafür sorgen, dass eine gewisse Usergruppe aus der Haupt-Jaumo-App verschwindet und in die neue App übersiedelt. Sogenannte „Casual Dater“, die nicht auf der Suche nach Liebe, sondern einem erotischen Abenteuer sind, sollen ihren Platz in der neuen App finden.

Bleibt die Frage: Ist Jaumo das Tinder aus der schwäbischen Provinz? Kammerer lacht bei der Frage. „Der Vergleich kommt immer. Aber ja, das passt ganz gut“. Das schwäbische Tinder ist aber nicht in Baden-Württemberg am erfolgreichsten. „Am meisten wird die App in Brasilien genutzt“, sagt Kammerer.

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