Insolvenz von eMovements: Rollator Ello ist am Ende

Insolvenz von eMovementsDie Gründer (v.l.): Benjamin Rudolph, Max Keßler und Matthias Geertsema Foto: Lichtgut/Zweygarth

Den elektrischen Rollator Ello wird es nicht mehr geben: Die Insolvenz von eMovements, einem an der Uni gegründeten Stuttgarter Startup bedeutet das Ende des Projekts.


Das Stuttgarter Startup eMovements mit seinem elektrisch angetriebenen Rollator Ello hat einen langen Weg hinter sich. Seit vier Jahren arbeitete das anfangs noch studentische Team an dem Projekt. Vor zwei Jahren wurde der Rollator nach vielen Verbesserungen bei der Nutzerfreundlichkeit dann serienreif. Das Startup eMovements war eines der prominenteren in Stuttgart. Sogar ein Auftritt in der Startup-Fernsehshow „Die Höhle der Löwen“ war 2018 dabei. Die in der Sendung angebotenen Mittel reichten aber nicht.

Am Ende konnte das Unternehmen laut Firmenmitteilung „nicht die erforderlichen Umsatzzahlen erreichen“. Die Insolvenz von eMovements wurde am 1. Juli eingeleitet. In den vergangenen drei Monaten sei erfolglos versucht worden, einen Käufer zu finden, der den Betrieb nach einer Sanierung weiterführen könnte. „Die Produktion wird nicht weitergehen, sondern das Unternehmen wird liquidiert“, sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters von der Kanzlei Schultze & Braun aus Achern. Für den Service wollen die bisherigen Geschäftsführer eine eigene Gesellschaft gründen. Es solle auch noch versucht werden, das Know-how weiterzuverkaufen.

Hohe Kosten Hauptursache der Insolvenz von eMovements

Obwohl das Produkt technisch funktionierte und etwa das Einkaufen mit schweren Taschen oder Steigungen leichter bewältigen ließ, war der Preis eine entscheidende Hürde. Er lag bei knapp 3000 Euro, während beispielsweise ein nichtmotorisierter Rollator, der Testsieger bei der Stiftung Warentest wurde, schon für 400 Euro zu haben war. Selbst konventionelle Komfortmodelle gibt es schon für ein Drittel des Preises. Die Zuschüsse der Krankenkassen sind begrenzt.

Problematisch sei gewesen, dass das Unternehmen, das zuletzt sieben Mitarbeiter hatte, aus dem Manufakturstadium nicht herausgekommen sei, sagt der Sprecher des Insolvenzverwalters. Bis zuletzt wurden die Rollatoren in Handarbeit hergestellt, weil man keinen strategischen Investor fand, der die Herstellung in seine Produktion integriert hätte und bereit gewesen wäre, für eine Anlaufzeit gegebenenfalls auch Verluste in Kauf zu nehmen.

Jahrelange Entwicklungsarbeit

Hinter der Technologie steckt jede Menge Entwicklungsarbeit. Insbesondere die Themen Sicherheit und Bedienerfreundlichkeit waren eine Herausforderung. So musste gewährleistet sein, dass der eingebaute Elektromotor in kritischen Situationen zuverlässig zum Stehen kam. Gleichzeitig musste der Motor aber auch durch bloßes Festhalten des Griffs eingeschaltet bleiben.

Einige Mitarbeiter seien im Rahmen der Insolvenz von eMovements bereits an andere Betriebe vermittelt worden, sagt Mitgründer Benjamin Rudolph. Er will mit seinen Gründerkollegen nun einen neuen Anlauf im Bereich der Entwicklungsdienstleisungen für Geschäftskunden machen. Das Team will dabei die bei eMovements gewonnenen Erfahrungen im Bereich der Entwicklung von Prototypen und Antriebstechnologien nutzen. „Wir alle sind bewusst ins Risiko gegangen und verzichten für eine unabsehbare Zeit aufs Geldverdienen und viel Freizeit zugunsten der Gestaltungsfreiheit“, sagte Rudolph noch im vergangenen Jahr im Rahmen eines Gründerporträts für IdeenwerkBW.

Der studierte Betriebswirt Rudolph hatte seine Mitgründer, den Maschinenbauingenieur Mathias Geertsema und den Mechatronikingenieur Max Keßler, bei einem Gründer-Speeddating an der Uni Stuttgart kenngelernt. 2015 startete man in einem kleinen Büro an der Universität.

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