Im Tomorrow Ländle wird Breuninger digital

Tomorrow Ländle; BreuningerIm neuen Stuttgarter Dorotheen-Quartier zeigt Breuninger auch offline weiterhin Flagge. Foto: Lichtgut/Piechowski

Beim Innovationstreff Tomorrow Ländle in Stuttgart haben Online-Experten einen Einblick in die sich schnell verändernde Welt des Handels gegeben. Auch ein Traditionshaus wie Breuninger muss nun seine Strategie ständig aktualisieren.

In Zeiten der Digitalisierung und der Online-Versandhäuser wie Amazon und Zalando muss auch das Stuttgarter Unternehmen Breuninger stetig an seiner Digitalstrategie arbeiten. Unter anderem um dieses Thema drehte sich auch das zweite Fachtreffen Tomorrow Ländle in Stuttgart in den Accelerate Spaces am Feuersee. In diesem neuen Veranstaltungsformat tauschen sich etablierte Experten,  Gründer, Projektmanager und Webdesigner rund  um das Thema Online-Handel aus. Die Veranstaltung soll gleichzeitig die Vernetzung in der Branche intensivieren, insbesondere zwischen Startups und etablierten Firmen.

Die Verkaufsfläche nimmt zu, die Kundenfrequenz  ab

Sven Bernhardt, der  bei Breuninger für die digitalen Kanäle verantwortlich ist, gab einige Einblicke in seine Arbeit. „Früher war Handel einfach“, sagte er. Mittlerweile nähmen aber Verkaufsflächen immer mehr zu, die Kundenfrequenz dagegen immer mehr ab. Smartphones seien allgegenwärtig und die Kunden auch deshalb oft besser informiert als die Verkäufer. „Anfangs dachten wir noch, dass die mobilen Geräte gerade für unsere älteren Kunden nicht immer interessant sind. Wenn sich aber Sprachsteuerungs-Assistenten für zu Hause durchsetzen, müssen wir schnell sein“, sagte der Digital-Leiter.
Der Breuninger-Onlineshop existiert laut Bernhardt seit knapp neun Jahren. Bereits um die Jahrtausendwende habe das Unternehmen in dieser Hinsicht einen Vorstoß gewagt, der aber damals noch nicht funktioniert habe. Mittlerweile wird unter anderem ein so genanntes „Click & Collect“ angeboten – Kunden können im Internet ihre Ware bestellen und dann in einem Laden ihrer Wahl zu einem Zeitpunkt, der ihnen passt, abholen. „Das nutzen etwa 20 Prozent unserer Kunden“, erklärte Bernhardt. Der Laden der Zukunft müsse Erlebnis und Emotionen schaffen.Für Breuninger bedeute dies auch, eine selbstkritische ständige Überprüfung vorzunehmen statt starr an Altem festzuhalten. Der Kunde werde direkt mit einbezogen, beispielsweise durch Tests oder Online-Umfragen. Außerdem werden die Menschen beim Einkaufen gezielt angesprochen.

Tomorrow Ländle: Bewertungen statt Marken zählen

„Der Verkaufsprozess hat sich verändert“, sagte auch Alexander Graf, Gründer von Spryker Systems, einer Software für Onlineshops, und des Blogs Kassenzone, auf dem er sich mit Entwicklungen von Online-Geschäftsmodellen beschäftigt. Dieser Prozess beginne beispielsweise bei Amazon, und andere Händler könnten dann nicht einsteigen und den Kunden auf ihre eigene Seite locken. Auch Marken spielten seltener eine Rolle. „Stattdessen sind Rezensionen und Bewertungen ausschlaggebend.“
Risiken und Erfolg könnten nicht gesteuert oder vorhergesehen werden. „Alles veraltet schnell, jeder muss sich permanent neu erfinden“, sagte Graf. Als zwei Grundpfeiler nannte er den direkten Kundenzugang, der unbedingt gehalten werden müsse,  sowie die Umsetzungsgeschwindigkeit. „Analoge Läden werden um das Produkt herum organisiert, bei Amazon und Co. stehen Code und Daten im Mittelpunkt“, sagte er. Wichtig seien vor allem die mobilen Ansichten der Webseiten. Dort sei mehr Umsatz möglich. Dass sich vieles, was bisher Bestand hatte, verändert, sieht Graf aber auch als Potenzial für Gründer. „Es wird auch immer einfacher, jemanden zu erreichen.“
Eine Brücke zwischen Innovatoren und Unternehmen schlägt die Plattform Agorize, die 2011 gegründet wurde und deren Deutschlandchef beim Tomorrow-Ländle kurz vorstellte. Über konkrete Fragestellungen, die  genannten Challenges finden Innovatoren, Studenten, Entwickler und Startups zusammen. So sollen Unternehmen beim Schaffen von Innovationen und beim Rekrutieren von talentierten Köpfen unterstützt werden. Das Agorize-Team verkauft dabei die Software-Lizenz, begleitet die Projekte oder steht bei den notwendigen Analysen zur Seite.

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