IFA-Trends 2018: Intelligenz im Wohnzimmer

IFA-Trends 2018Kein Gerät ist mehr eine Insel. Foto: Pixabay/Pixaline/CC0

Was sind die IFA-Trends 2018? Längst geht es bei der  „Funkausstellung“ in Berlin,  die jetzt wieder ihre Tore öffnet, nicht mehr um Bildschirme, sondern um Vernetzung in allen Dimensionen – auch mithilfe von Künstlicher Intelligenz.

Noch immer ist die IFA Berlin  die Anlaufstelle für die neusten Fernseher und Audiogeräte. Doch die Funkausstellung, die  ab Mittwoch für Fachbesucher und ab Freitag für das Publikum öffnet, hat sich längst zur High-Tech-Messe gemausert. In diesem Jahr werden die Alltagsgeräte für das Zuhause und für unterwegs ein klein wenig menschlicher. Zumindest reden und merken sie sich mehr. Das sind die fünf IFA-Trends 2018:

IFA-Trends 2018 (1) –  Deutsche freunden sich mit Smart Homes an

Schon seit Jahren wird das vernetzte Zuhause –  Smart Home genannt –  als Trend ausgerufen. Jetzt kann der IT-Branchenverband Bitkom die Behauptung mit  Zahlen belegen. Jeder vierte Deutsche nutzt laut einer Studie des Verbandes mindestens eine Smart-Home-Anwendung –  am häufigsten intelligente Beleuchtung, Video-Überwachung, Rollläden, Heizungen und Alarmanlagen, aber auch smarte Staubsauger und Gartengeräte finden immer mehr Käufer.

Von einem komplett vernetzten Zuhause sind die Deutschen aber noch weit entfernt. Viele finden  die Installation zu aufwendig, die Bedienung zu kompliziert und den Nutzen zu gering. Dazu kommt die Angst vor Hackerangriffen. Deshalb betont  Bitkom-Chef Achim Berg den gesellschaftlichen Nutzen, wenn es zum Beispiel um das selbstbestimmte Leben im Alter gehe. So finden sich auch auf der Ifa seniorengerecht vernetzte Bereiche, in dem Sensoren Stürze messen und Kameras als Mittel zur Überwachung und Kommunikation mit Ärzten dienen.

Auch die Küche wird Teil des Smart Homes und passt sich in ihren Funktionen den Vorlieben der Verbraucher an. Die Geräte lassen sich mit Apps und Sprachassistenten steuern, nutzen W-Lan und zeigen auf Displays Rezepte an.  Auf Kühlschränken lässt sich sogar fernsehen oder in das Innenleben blicken – integrierte Kameras machen es möglich. Harald Friedrich, Geschäftsführer Robert Bosch Hausgeräte, glaubt nicht, dass diese Entwicklung  die Verbraucher überfordert. „Der Schlüssel dazu ist  Reduktion auf das Wesentliche und Konzentration auf Details.“

IFA-Trends 2018 (2) –  KI in der  Unterhaltungselektronik

Künstliche Intelligenz (KI) spielt  auch in der Konsumgüter-Technologieeine immer größere Rolle“, sagt Christopher Meinecke, Leiter Digitale Transformation beim  Bitkom. Smartphone-Nutzer kennen das bereits: Die digitalen Assistenten machen  Vorschläge zu den Alltagsroutinen, etwa ein besonderes Angebot auf dem Weg zur Arbeit. Die Fotosoftware der besten Modelle erkennt Motive automatisch und interpretiert die Absicht des Nutzers und nimmt entsprechende Belichtungseinstellungen vor, sagt Jessica Ekholm, Spezialistin des Marktforschungsinstituts Gartner.

Jetzt wird auch der Haushalt clever:  Fernseher schaffen es, Filme mit durchwachsener Auflösung so hochzurechnen, dass sie wie neu produziert wirken. Das geht nur, weil auch der Kontext der Bilder erkannt wird. Auch sonst geht es um Muster. Der Kühlschrank kann zum Beispiel aufgrund des Inhalts ein passendes Rezept vorschlagen. Bei Gesundheitsprodukten erkennen Sensoren abweichende Werte und können vor allem bei chronischen Krankheiten wie Diabetes Alarm schlagen.

Wie viel Geld der Markt mit den künstlich intelligenten Produkten bringt, lässt sich schwer fassen, weil die Anwendungen nur ein Teil des Produktes sind. Experten sagen: Neben  dem Internetanschluss ist KI künftig Voraussetzung für den Verkaufserfolg.

IFA-Trends 2018 (3) – Sprachassistenten breiten sich aus

Der Boom der Sprachassistenten ist enorm. Zuerst wurden sie in Smartphones integriert, aber nur selten genutzt –  die bekanntesten heißen Siri (Apple), Assistant (Google) und Cortana (Microsoft).  Mit Amazons vernetztem Lautsprecher Echo und der integrierten Sprachassistentin Alexa kamen die digitalen Assistenten im Herbst 2016 in den deutschen Wohnzimmern und vor allem im Bewusstsein der Verbraucher an. Obwohl Google mit Home und Apple mit dem Homepod nachzogen, dominiert Alexa den Smart-Home-Markt und erobert immer mehr Gerätekategorien.  Auf der Ifa werden Fernsehgeräte, Kopfhörer, Lichtwecker und Serviceroboter präsentiert, die aufs Wort gehorchen. Laut dem Branchenverband gfu wurden 2017 in Deutschland bereits zwei Millionen Geräte mit Sprachsteuerungs-Funktion verkauft.

„Es gibt einen Trend zur tieferen Nutzung. Die intelligenten Lautsprecher werden als Steuerzentrale für das vernetzte Zuhause neben dem Smartphone immer wichtiger“, sagt Bitkom-Experte Meinecke. „In drei bis fünf Jahren werden wir zurückschauen und uns wundern, dass Geräte ohne Sprachsteuerung verkauft wurden.“ Branchenführer Amazon prescht dabei weiter voran und entwickelt immer neue Schnittstellen, damit Programmierer die Sprachassistentin Alexa auf möglichst vielen Geräten unterbringen. Derzeit lassen sich 4000 Geräte von mehr als 1200 Marken mit Sprache steuern, sagt David Kaiser vom deutschen Alexa-Team. „Man muss sich Alexa vorstellen wie die Erweiterung des Gehirns.“

IFA-Trends 2018 (4) –  Die Fernseher werden noch schärfer

Fernseher machen noch immer fast die Hälfte des Marktes für klassische Unterhaltungselektronik aus und sind neben Smartphones das Rückgrat der Branche. Die ultrascharf auflösenden UHD-Fernseher –  auch 4k-TV genannt –  spielen dabei eine immer größere Rolle. Dieses Jahr werden die  deutschen Verbraucher   von ihnen  3,5 Millionen Geräte kaufen, so der Branchenverband gfu –  eine Steigerung von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die HDR-Technik –  ein Kürzel für die Spanne zwischen gleißend hellen und tiefschwarzen Bildpunkten –  spielt eine kaufentscheidende Rolle.

Der Trend zum größeren und schärferen Bildschirmen wird auf der Ifa auf die Spitze getrieben. Jetzt sind auch 8k-Fernseher zu sehen, die vier Mal mehr Pixel bieten als der bisherige Standard. Der japanische Hersteller Sharp prescht voran, die andern ziehen nach. Um den Unterschied zu einem 4k-Fernseher zu sehen, müsste der Bildschirm schon so groß sein, dass er nicht in ein kleines Wohnzimmer passt. Dennoch hat das 8k-Label Signalwirkung. Das Kalkül: Wer das technologisch neueste Modell kauft, ist für die Zukunft gerüstet. Die könnte allerdings auf sich warten lassen, den bis es massenhaft Inhalte in 8k-Auflösung geben wird, wird es noch einige Jahre dauern.

IFA-Trends 2018 (5) – Der Kopfhörer schrumpft

Der Siegeszug von Audio-Geräten setzt sich auf der Ifa fort.   Ob Lautsprecherboxen oder Kopfhörer – angesagt sind die kabellosen Modellen, die sich über den Nahfunk Bluetooth mit dem Smartphone verbinden lassen und mit poppigen Farben oder in minimalistischem Design auch als Modestatement taugen. Bluetooth-Kopfhörer werden auf und über der Ohrmuschel getragen und immer häufiger als so genannte In-Ear-Modell in die Ohrmuschel gesetzt. Der  Trend geht dabei zum Audio-Knopf im Ohr, „true wireless“ genannt. Das Münchner Start-up Braghi bietet mit die meisten Extras an. Mit dem schwimmbadtauglichen Kopfhörer Dash pro lässt sich auch telefonieren und den Puls oder die Wegstrecke messen. Außerdem kann das Menü mit Sprache und Kopfbewegungen gesteuert werden.

Praktisch alle namhaften Hersteller sind auf den Trend aufgesprungen und bieten sprachgesteuerte Modelle an, die gegen Spritzwasser und Staub geschützt sind und mit denen man auch telefonieren kann. Da ist es beruhigend, dass einige der renommiertesten wie Bang & Olufsen bei ihren Spitzenmodellen sich puristisch geben –  und ganz auf den Klang setzen. Die Belohnung: Die Nachfrage nach Kopfhörern steigt weiterhin. 2017 wurden laut gfu  zwölf Millionen von ihnen in Deutschland verkauft, der Umsatz lag bei knapp einer halben Milliarde Euro – rund zehn Prozent mehr als 2016.

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