GuardKnox will deutsche Autos bewachen

GuardKnoxSo präsentiert sich GuardKnox auf seiner Homepage. Foto: GuardKnox

IdeenwerkBW-Schwerpunkt israelische Startups in Baden-Württemberg (2): Das israelische Startup GuardKnox will Know-how aus der (Militär-)Luftfahrt in vernetzte und autonome Fahrzeuge bringen. 

Wo das Know-how herkommt, daraus macht das israelische Startup GuardKnox keinen Hehl: Auf der Homepage blickt man frontal auf die Kulisse eines hochmodernen F-35-Kampfjets, darunter steht ein Auto. „Militärische Cybersicherheit  für die Automobilbranche“.  Diese für israelische Startups typische Kombination von Sicherheitskompetenz mit den Schutzbedürfnissen von vernetzten Fahrzeugen hat Dionis Teshler an eine der weniger schönen Ecken der Region Stuttgarts geführt.

Im Industriegebiet von Feuerbach hat der Technologiechef des Startups Station gemacht, um Schlüsselkunden in der Region zu besuchen – die sich so ganz allmählich an den Gedanken gewöhnen, dass ein solches, noch relativ kleines Startup aus Israel für die Zukunft der mächtigen Autoindustrie eine wichtige Rolle spielen kann. „Es war ein herausfordernder Prozess, doch nach mehr als zwei Jahren haben wir eine gemeinsame Vertrauensbasis mit unseren Kunden geschaffen,“ sagt Teshler.

Sicherheitskultur der Luftfahrt für die Autoindustrie

Das israelische Entwicklerteam kommt aus der Luftfahrt, wo seit Jahrzehnten rigorose Maßstäbe für die Sicherheit gelten. Das System verhindert durch Verschlüsselungstechnologien und die Abschottung wichtiger Fahrzeugsysteme, dass diese von außen gehackt und manipuliert werden können. So wird verhindert, dass die in Zukunft  immer wichtiger werdende Vernetzung nach außen  zu einem Einfallstor in das ganze Fahrzeug wird. Für die sichere Kommunikaton im und zum Fahrzeug werden gerade die Standards entwickelt – die sich an den Lektionen der Luftfahrtindustrie orientieren.

Dionis Teshler. Foto: GuardKnox

„Unser Team besteht aus Veteranen der israelischen Luftwaffe und bringt langjährige Erfahrung mit ein,“ sagt Teshler. Dort sei man auch schon lange darin geübt, solche Sub-Lieferanten wie GuardKnox in den Produktionsprozess zu integrieren.  Im Südwesten steckt man hier in der Autobranche noch in einem Lernprozess: „Im Vergleich zu den USA dauert es etwas länger, um eine Basis mit den Kunden zu schaffen und solide Geschäftsbeziehungen aufzubauen.“  Aber man beginne auch im Südwesten zu begreifen, dass Innovation und das Kerngeschäft untrennbar zusammengehörten.

Präsenz in Deutschland ist für GuardKnox zentral

GuardKnox ist Teil einer ganzen Kohorte israelischer Startups, die zurzeit eine Präsenz in Baden-Württemberg aufbauen. Israel ist deshalb Anfang Februar auch das Partnerland des zweiten baden-württembergischen Startup-Gipfels. „Wir wollen näher an unsere Kunden heranrücken und die lokale Industrie in Deutschland besser kennenlernen“, sagt Teshler:  “Es ist unser Ziel, als einheimisches Unternehmen wahrgenommen zu werden.“ Ein Startup aus dem Ausland muss sich mit den bestehenden Strukturen der eng vernetzten Autoindustrie vertraut machen. „Sie kommen hier als neuer Lieferant in ein System, das seit achtzig Jahren funktioniert“, sagt er. Die traditionellen Zulieferfirmen der Autohersteller müssen sehr strengen Standards genügen, um als Lieferant zertifiziert zu werden.  Man müsse als Startup einen erheblichen Mehrwert bieten, um über diese Hürde zu kommen.

„Als Startup muss man vom coolen Prototypen schnell zur Serienproduktion übergehen – und das ist eine der größten Herausforderungen,“ sagt der IT-Experte  – und das gehe nur in enger Partnerschaft mit den Kunden.  „Es gibt noch keinen Integrationsprozess von Startups. Man muss auf Entscheidungen warten – und bis dahin bewegt man sich in unbekannten Gewässern,“ sagt Teshler.

Die Startup Autobahn in Stuttgart als Beschleuniger

„Im Vergleich zu Deutschland gibt es in Israel keinen lokalen Markt. Daher muss man schnell auf den Weltmarkt gehen,“  so erklärt Teshler die enorme Expansionsdynamik der dortigen Hightech-Gründungen. GuardKnox hat immerhin von einer innovativen Brücke in die hiesige Region profitiert: Im Jahr 2017 war man ein Teilnehmer der ursprünglich von Daimler initiierten, aber inzwischen auch andere Firmen von BASF über DHL bis zu  Porsche  umfassenden Entwicklungsplattform Startup Autobahn.

Hier bekommen Startups aus aller Welt die Gelegenheit, etwa in die hiesigen Produktionswelten hineinzuschnuppern und in einem mehrmonatigen Programm direkt mit potenziellen Kunden ihre Technologie weiterzuentwickeln. „Das war ein echter Schub für unsere Präsenz in Deutschland“, sagt Teshler.

Das Sicherheitsunternehmen GuardKnox
Gegründet wurde es Ende 2015 und im Februar 2016 als Unternehmen registriert. Derzeit beschäftigt GuardKnox knapp 100 Mitarbeiter, stellt aber stetig mehr Personal ein. Der Hauptsitz von GuardKnox befindet sich in Ramla, etwa 20 km von Tel Aviv entfernt. Für dieses Jahr ist die Eröffnung eines weiteren Büros in Stuttgart geplant.
Im Jahr 2017 war GuardKnox im zweiten Durchgang des Stuttgarter Innovationsprogramms Startup Autobahn beteiligt. Hier können Startups vor allem für die Automobilindustrie relevante Technologien in einem dreimonatigen Programm weiterentwickeln. Dabei profitieren sie von einer engen Zusammenarbeit mit etablierten Firmen und auch der Arena2036, einer Forschungseinrichtung der Universität Stuttgart .
Dionis Teshler ist studierter Computerwissenschaftler Er hat acht Jahre lang in der israelischen Luftwaffe gedient und war dort für die nächste Generation integrierter Computer in Kampfjets zuständig. Außerdem verantwortete er dort die Cybersicherheit für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome („Eiserner Dom“) sowie zuletzt die IT-Sicherheit im hochmodernen, aus den USA importierten Kampfjet F-35. 

Die erste Folge des Themenschwerpunkts erschien am 24.1.

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