Gründen und Studenten: Viele sehen Hürden

Gründen und StudentenStudenten sind dem Gründen gegenüber sehr offen - wenn es konkret wird, ist es schwieriger. Foto: Lichtgut/Zweygarth

Eine  Studie zum Thema Gründen und Studenten belegt, dass sie sich vorstellen können, selbst  zu gründen. Doch das Potenzial wird wegen fehlender Hilfen nicht gehoben – vor allem nicht bei  Frauen.

56,7 Prozent der Studenten wollen gründen – so steht es in einer aktuellen Studie zum Thema Gründen und Studenten des Karlsruher Unternehmens Campusjäger, einer Job- und Bewerberplattform für Studierende und Unternehmen   Das klingt auf den ersten Blick beeindruckend. Doch wer die Studie genauer liest, die sich auf einer deutschlandweiten Befragung von 1000 Studenten unterschiedlicher Studiengänge stützt,  der erkennt, dass diese Zahl vor allem eines widerspiegelt: Ein enormes, brach liegendes Potenzial.
Denn das „Wollen“ in der Fragestellung muss man vorsichtig interpretieren. Schon bei einer etwas konkreteren Frage geht der Wert zurück: Nur 49,1 Prozent haben sich schon einmal etwas gründlicher mit dem Thema auseinandergesetzt. Interessant ist hier, dass die Diskrepanz zwischen der Zahl derjenigen, die angeblich gründen wollen, und denjenigen, die sich schon einmal konkreter damit befasst haben, bei Männern (72  zu 60,7 Prozent) deutlich größer ist als bei Frauen ( 37,7 zu 34,8 Prozent). Insbesondere bei Männern scheint Gründen erst einmal als cool zu gelten. Ob man es wirklich ernst meint, ist eine andere Sache.

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Dazu passt auch die Tatsache, dass nur acht Prozent der angeblich Gründungsinteressierten dies auch während des Studiums angepackt haben. Allerdings halten die meisten Befragten prinzipiell die ersten Jahre nach Studienabschluss für die beste Zeit, ein Startup zu gründen.
Dass der Gegensatz zwischen Wunsch und Umsetzung so groß ist, liegt aber nicht nur an den Studenten selbst, die als wichtigsten Grund gegen eine Gründung die Angst vor dem Risiko angeben. Fast zwei Drittel sind mit der Unterstützung der Hochschule beim Gründen prinzipiell unzufrieden. Sogar jeweils fast Dreiviertel wünschen sich bessere Beratungs- und Lehrangebote. Die fehlende Anleitung erklärt wohl auch einen der wichtigsten, gegen eine Gründung ins Feld geführten Gründe – das fehlende, eigene Know-how, das 30,7 Prozent der Befragten abschreckt.

Gründen und Studenten: Das große Geld ist nicht wichtig

Ein wenig scheint es auch am urkapitalistischen Antrieb zum Gründen zu fehlen. Geld, vor allem das schnelle Geld,  ist weniger der Antrieb, als der Wunsch sein eigener Chef zu sein und Neues zu schaffen. Der Impuls, etwas in der Welt zu bewegen, liegt mit dem Geldverdienen gleichauf: Je etwa die Hälfte der Befragten nannte einen dieser Punkte als Motivation. Nur eine kleine Minderheit hat den etwa in den USA als ganz selbstverständlich angesehenen Antrieb,  ein Unternehmen schnell hochzuziehen und dann beim Verkauf groß Kasse zu machen. Es sind hier übrigens deutlich mehr Männer (14,5  Prozent) als Frauen (3,6 Prozent).
Der teilweise drastische Unterschied zwischen den Geschlechtern ist eines der bemerkenswerten Ergebnisse der Studie. Die prinzipielle Gründungsbereitschaft ist bei Frauen nur halb so hoch wie bei Männern. Sie schauen deutlich weniger aufs Geld und erwähnen mit 18,4 Prozent im Vergleich  zu nur 3,2 Prozent bei den  Männern viel öfter das Problem, dass eine Startup-Existenz nicht mit dem Familienleben kompatibel sei.
Die befragten Frauen tendieren zudem viel stärker als die Männer dazu,  den Zeitpunkt für eine mögliche Gründung weit in die Zukunft zu schieben. 23,7 Prozent sehen die Chance dazu erst in zehn Jahren oder später – im Gegensatz zu 8,7 Prozent bei den Männern. Diese wollen zumeist schon unmittelbar nach dem Studium gründen.
Fazit: Wer die Gründerquote aus den Hochschulen verbessern will, muss nicht nur generell die Beratungsangebote verbessern, sondern vor allem die Studentinnen in den Blick bekommen.

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