GoSilico – Simulationen ersetzen das Labor

GoSilicoDas Gründertrio von GoSilico entwickelt Software, die in Zukunft Labortests ersetzen kann. Foto: Fabry.de

Das Unternehmen GoSilico aus Karlsruhe ist ein Beispiel für eine erfolgreiche Gründung aus der Hochschule heraus. Förderpolitik und Beratung haben bei dem Startup, das IT mit Medizin kombiniert, gut gepasst. 

Die Fassade aus rotem Sandstein erinnert ein wenig an ein Schloss – und tatsächlich wurde das 1896 hochgezogene Gebäude auch als „Hoepfner-Burg“ bezeichnet. Zwar wird dort immer noch Bier  gebraut – inzwischen aber residieren in der ehemaligen Mälzerei auch andere Burgherren –  und  Damen – so etwa die Gründer von GoSilico.    Schreiten Teresa Beck, Tobias Hahn und Thiemo Huuk zur Attacke, findet der Angriff meist am Computer statt.
Dies nämlich ist die hohe Kunst der neuen Burgbewohner und ihrer vor etwa einem halben Jahr gegründeten Firma: Am Computer simulieren sie sekundenschnell Experimente, die im Labor Tage dauern würden und zudem deutlich teurer wären. Dabei kann es um die Entwicklung von Arzneien gehen, aber beispielsweise auch um  sogenannte Antikörper, mit denen etwa Krebszellen zerstört werden können.

Die Gründer von GoSilico kamen früh mit Firmen in Kontakt

Die Gründerin und die beiden Gründer belegen, dass gezielte Unterstützung an den Hochschulen der  Schlüssel für Startups ist. Sie kennen sich bereits aus der Zeit ihrer Promotion, geholfen haben auch Forschungsprojekte beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT) – etwa, weil sie dabei  schon mit Unternehmen in Kontakt kamen.  Thiemo Huuk und Tobias Hahn haben im Bioingenieurwesen promoviert, Teresa Beck in Mathematik. Beim Auszug  aus der Welt der reinen Wissenschaft und  beim  „Übergang zum Pragmatismus“, wie Teresa Beck diesen Schritt nennt, halfen  ganz zentral zwei erfahrene Mentoren.
GoSilico hatte das Glück, dass es Fördergelder zum richtigen Zeitpunkt gab – und dass das Unternehmen relativ schnell Umsätze machte.  Das kann nicht jede Gründung aus der Wissenschaft vorweisen.    Dass sie „etwas Neues machen“ konnten  und dies auch noch „in eigener Verantwortung“, wie Beck sagt, „diese Herausforderung hat uns gereizt“.

Betriebswirtschaft ist für Naturwissenschaftler ungewohnt

Natürlich wäre es   kein Problem gewesen, eine Stelle bei einem  Pharmakonzern zu bekommen – doch der Weg in die Selbstständigkeit  stand offenbar nie in Frage: „Eine solche Chance bekommt man nur einmal im Leben“, sagt Thiemo  Huuk. Geholfen hat  bei der Gründung auch  die Doktorarbeit, nicht nur wegen der Erkenntnisse: „Da lernt man,  zielgerichtet zu arbeiten,  das erfordert viel Disziplin“, meint Teresa Beck. Und man muss sich durchbeißen  –  so wie auch bei  nervigen Vertragsverhandlungen.
Wie so viele gründende Wissenschaftler hatten sie  aber Defizite in der Betriebswirtschaft. Es sei  nicht immer einfach gewesen, sich da hineinzudenken.   Zunächst nämlich  hatten sie recht komplizierte  Modelle für ihren Vertrieb entwickelt, die sie dann auch weiter „evaluieren“ wollten – ein wissenschaftliches Vorgehen. Doch schnell lernten sie, dass es darum gar nicht geht, wenn man  Erfolg  haben will.  „Ihr müsst einfach nur verkaufen“, hat ihnen einmal eine Fachjury empfohlen. Teresa Beck fasst die Erkenntnis  in einem Slogan zusammen, den   Marketingexperten kaum besser formulieren könnten: „Stop  Experimenting – GoSilico!“

Firmensteckbrief GoSilico
Schon vor der Gründung des Unternehmens vor einem halben Jahr wurden die ersten Grundlagen gelegt. Bereits ab 2012 während der Promotion von Tobias Hahn und Thioemo Huuk in einer Arbeitsgruppe des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entstand eine Zusammenarbeit mit Pharmafirmen.
Go Silico bietet Computersimulationen etwa für die Entwicklung von Arzneien oder Antikörpern an. 95 Prozent der Laborversuche können Pharmafirmen dadurch einsparen. Außerdem werden auch Mitarbeiter von Kunden geschult.

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