Gigatronik plant autonome Golf-Carts

GigatronikThomas Tannenberger (l.) und Hannes Glass von der Firma Gigatronik mit einem der Golf-Vehikel. Foto: Lichtgut/Kovalenko

Ein umweltfreundlicher Pendelverkehr zum Stuttgarter Bärenschlössle könnte zum Testlauf für das autonome Fahren werden: Der Fellbacher Autozulieferer Gigatronik denkt hier über elektronisch aufgerüstete Golf-Carts nach – gerne mit der Hilfe von Daimler.

Noch ist offen, ob es den Pendelverkehr geben wird. Das Stuttgarter  Garten- Friedhofs- und Forstamt prüft bisher noch den von bisher rund 500 Bürgern unterstützen Vorschlag, einen Pendelverkehr für gehbehinderte Personen zum Bärenschlössle einzurichten. Schnelle Ergebnisse seien nicht zu erwarten, verlautet aus dem Rathaus. Schließlich müsse auch das Land beteiligt werden, dem das Bärenschlössle gehöre. Sollte man dem Shuttle-Gedanken näher treten, sei eine Machbarkeitsstudie unabdingbar.  

Mehr mit dem Möglichen als mit dem Unmöglichen beschäftigt sich allerdings die Firma Gigatronik, ein Entwicklungs- und Consultingdienstleister für Elektronik und Informationstechnologie mit Schwerpunkt Automobilindustrie. An seinem Standort in Fellbach beschäftigt das Unternehmen rund 250 Mitarbeiter. Einer von ihnen, Wolfgang Vetter, hilft regelmäßig in der Gastronomie im Bärenschlössle aus. Er machte Kollegen auf die Diskussion um das Bärenschlössle-Shuttle aufmerksam.

Gigatronik experimentiert bereits mit der Aufrüstung von Golf-Carts

Der Hinweis stieß auf Interesse. Seit längerem experimentiert der Automobilzulieferer mit der elektronischen Aufrüstung handelsüblicher Golf Carts. Keine große Sache, eher ein Nischenprodukt. Studenten finden hier ein Betätigungsfeld und Stoff für ihre Abschlussarbeiten, die sich mit Umfeldüberwachung, Fahrerassistenz- und anderen Systemen befassen. Als Zubringer und Abholer für Gehinderte könnte ein altersgerecht umgestalteter und technisch verbesserter Golf Cart interessant sein, finden Bereichsleiter/Gesamtfahrzeuge Thomas Tannenberger und Projektkoordinator Hannes Glass. Bis zu acht Personen könnten damit befördert werden – je nach Ausgestaltung des Carts. „Denkbar ist, dass so ein Shuttle auch autonom betrieben wird“, sagt Tannenberger. „Das ist aber noch Zukunftsmusik.“

Den Gigatronik-Mitarbeitern schwebt ein Versuchsprogramm am Bärenschlössle vor, „um zu zeigen was mit einem Leichtelektroniktmobil technisch möglich ist.“ Ein regelmäßiger Shuttle-Service würde – unabhängig von allen sonstigen Fragen – einiges an Entwicklungsarbeit erfordern. Im einem ersten Schritt will Tannenberger auf zwei Partner zugehen – den dänischen Cart-Hersteller Garia und auf Daimler Business Innovation in Vaihingen, wo das Car2Go-Konzept entwickelt wurde.

Der Partner Mercedes würde das Projekt beschleunigen

„Wenn Mercedes einsteigt, könnte es ganz schnell gehen“, meint Tannenberger – was die technische Seite betrifft. Er könnte sich auch vorstellen, dass eine solche lokale Firma den Pendlerdienst betreibt – im Sinne der Gehbehinderten, aber auch als Schaufenster für eine neue Technologie, die zugleich altersgerecht und umweltfreundlich ist. Das Bärensträßle als eine Art Modellstrecke – daran könnte auch Daimler ein Interesse haben, meinen die Gigatronik-Leute.

Vielleicht ließe sich der Konzern dafür gewinnen; von Daimler-Chef Dieter Zetsche ist zudem bekannt, dass er das Bärenschlössle gerne besucht. Der visionäre Golf Cart ist dabei nur eine von mehreren Ideen, die in der Diskussion um ein mögliches Shuttle sind. Von Lesern eingereichten Vorschläge reichen von Fahrradrikschas, über die Wiederaufhnahme eines Kutschenbetriebs bis zu elektrischen Bähnle, wie sie in vielen Städten für touristische Zwecke eingesetzt werden.

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