Inkubator Daimler X auf dem GFT Inspiration Day

Inkubator Daimler XWer die Zahl 1886 und das Wort Daimler liest, soll nicht nur an diese Innovation denken, sondern an ein Startup-Labor. Foto: Daimler

Code_n, die Innovationsplattform des Stuttgarter IT-Dienstleisters GFT Technologies entwickelt sich weiter. Auf dem alljährlichen Inspiration Day präsentierte sich unter anderem  ein neuer Nutzer der Code_n Spaces – der Startup-Inkubator Daimler X.

700 Quadratmeter Bürofläche in einem Nachbargebäude sind zu den Startup- und Kreativflächen direkt in der Konzernzentrale in Stuttgart-Fasanenhof hinzugekommen. Bevölkert werden sie von neu hinzugekommenen Startups wie Babybe, das ein Kissen für Babys entwickelt, das die beruhigenden Geräusche des Körperkontaktes mit der Mutter imitiert.  Andere Startups wie Truphysics, das eine Simulationssoftware für Roboter auf dem Programm hat, brauchen inzwischen größere Büros. Vor allen Dingen wolle man aber auch etablierten Unternehmen, die innovative Konzepte ausprobieren wollen, den nötigen Raum bieten, sagt der Code_n-Verantwortliche Moritz Gräter.

Ein neuer, wichtiger Mieter ist der erst im Februar gegründete Inkubator Daimler X. Zuvor hatte bereits die Daimler Lastwagensparte das kreative Umfeld von Code_n genutzt, um digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Doch mit Daimler X und dessen – angelehnt an das Baujahr des ersten Daimler – Lab 1886 genannten Startup-Entwicklungsplattform wird der Innovationscampus nun zur Startbasis für ein größeres Projekt des ganzen Autokonzerns.

Inkubator Daimler X  hat Startup in der DNA

Auf dem Inspiration Day, einer Veranstaltung die Fachvorträge, Workshops und kulturelle Impulse kombinierte, präsentierte Matin Ebrahimchel, der Chef vom Inkubator Daimler X das Konzept. In einer vollkommen unabhängigen Organisationsstruktur will der Konzern innovativen Ideen zum Durchbruch verhelfen. Daimler macht dabei starke Anleihen bei der Startup-Kultur. Inkubatoren, deren bekannteste deutsche Version das Berliner Unternehmen Rocket Internet ist, sollen nach straffer Methodik und in einem rigorosen Auswahlverfahren zukunftsträchtige Geschäftsmodelle identifizieren. Sie betreuen die jungen Startups fachlich und sind  auch als Investor beteiligt. Im Gegensatz zu einem reinen Risikokapitalgeber sind Inkubatoren deutlich stärker als Berater und Begleiter in die Entwicklung des Startups involviert. Dabei kommen für das Lab 1886 nicht nur intern entwickelte sondern auch externe Startups infrage.

Am Ende soll ein auf eigenen Füßen stehendes und wachstumsstarkes Unternehmen stehen. Es kann dann entweder als rechtlich selbstständige Einheit weitergeführt werden, oder  es  wird im Konzern integriert, oder es kann verkauft werden.  „In einem Konzern wie Daimler sprudeln die Ideen. Aber sie scheitern oft an der Umsetzung – dafür braucht es eine andere Art von Leuten“, sagt Ebrahimchel, der sich in den vergangenen Monaten ein junges Internationales Team mit Spezialisten von der Produktentwicklung bis zum Marketing zusammengestellt hat. Die Experten vom Inkubator Daimler X begleiten die Startup-Projekte – und im Gegensatz zu Beratungsfirmen ist das Ziel dabei nicht, daraus ein Geschäft zu machen.

„Wir tun das zum Selbstkostenpreis. Das kostet etwa ein Fünftel eines externen Beraters“, sagt  der Chef von Daimler X. Ein strategisches Ziel für Daimler ist es, das nötige Wissen für den Aufbau erfolgreicher Startups im Konzern zu etablieren. Daimler X selbst ist ein Beispiel für neue Beweglichkeit: „Wir haben nach dreieinhalb Monaten die ersten Mitarbeiter eingestellt. Für Daimler sind wir eine Rakete“, sagt Ebrahimchel. Weitere Stützpunkte für das neue Konzept gibt es in Berlin, aber auch im Silicon Valley und in China.

In Berlin ist das Startup-Portfolio vielfältiger als im Südwesten

Andreas Helbig vom Berliner Risikokapitalgeber Project A präsentierte im Rahmen des Inspirations-Programms das breite Spektrum eines Berliner Startup-Investors. Das Thema Gesundheit,  die Finanztechnologie im Bereich der Versicherungen und Banken sowie Startups rund um das Thema Immobilienvermittlung liegen dort im Trend. Daneben sieht man weiterhin große Chancen in vertikal integrierten Verkaufsplattformen  – also Unternehmen, die teils spezialisierte Produkte von der Zahnbürste bis zum Hundefutter ohne Zwischenhändler an Konsumenten vertreiben. Seit dem Frühjahr blickt aber auch Project A intensiv auf das technologische Potenzial in Baden-Württemberg, vor allem  im Bereich der Industrie 4.0.  Aber auch Plattformen für den Vertrieb von Produkten an Geschäftskunden (B2B)  sind attraktiv – etwa die Tübinger Plattform Kreatize,  die Hersteller und Käufer von Spezialteilen zusammenbringt.

Jens Redmer,  Produktstratege  von Google Deutschland, demonstrierte, wie auch ein inzwischen weltweit auf 80 000 Mitarbeiter angewachsener Milliardenkonzern wie Google  beweglich zu bleiben versucht. So stellen sich die Gründer Sergey Brin und Larry Page, wie zu den wilden Anfangszeiten, weiterhin jeden Donnerstag live den offenen, kritischen und per Online-Abstimmung ausgeählten Fragen der Mitatbeiter. „Sie müssen immer in der Lage sein, sich selber in Frage zu stellen, nicht nur ihre Technologie, sondern auch ihre Kultur und Prozesse,“ sagt er.

GFT-Chef Dietz: Vom Nützlichkeitsdenken lösen

GFT Chef Ulrich Dietz hob in seinem Abschlussvortrag das Ganze auf eine philosophische Ebene. Unter dem provokativen Titel die „Nützlichkeit des Unnützen“ wandte er sich gegen  durchkalkuliertes Verwertungsdenken – was bei aller zur Schau gestellten  Offenheit auch der Startup-Ideologie nicht fremd ist. „Gerade das unnütze Wissen, das dem technokratischen Faktendenken entgegensteht und dem ökonomischen Nützlichkeitsdenken widerspricht, ist unverzichtbar“, sagte er. Innovation brauche Raum – auch zum Herumprobieren und Tüfteln. Er schloss als Quelle für Kreativität und Inspiration dabei ausdrücklich die Künste und die Geisteswissenschaften mit ein – etwa die Beschäftigung mit klassischer Literatur. „Alle Unternehmer und Manager sollten das Unternehmen als Gesamtkunstwerk betrachten“, sagte der GFT-Chef.

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