GFT Girls' DayZwei Mädchen vertiefen sich ins Programmieren. Foto: GFT

Der Stuttgarter IT-Dienstleister hat erstmals zum GFT Girls‘ Day Schülerinnen zwischen 11 und 16 Jahren in die Firmenzentrale geladen. Die IT-Branche wirbt zurzeit intensiv um mehr Interesse bei  den Frauen.

Wie wäre es, nicht nur User zu sein und Inhalte zu konsumieren, sondern selbst eine App wie Instagram zu entwickeln? Am 27. April war es soweit: Ein Team der GFT Technologies SE begrüßte acht Mädchen zwischen 11 und 16 Jahren am Stuttgarter Firmensitz des Unternehmens, um ihnen beim Girls‘ Day die Welt der Informationstechnologie näher zu bringen. Für Maria Dietz, Schirmherrin des GFT Girls‘ Day und Mitglied des Verwaltungsrats, war es ein persönliches Anliegen, jungen Frauen aufzuzeigen, wie spannend IT ist und welche vielfältigen Zukunftsperspektiven die rasant fortschreitende Digitalisierung bereithält.

Himbeerkuchen und spanisches Omelette

Was aber haben ein Himbeerkuchen und das Rezept für ein spanisches Omelette mit dem Programmieren zu tun? Das eine ist ein Minicomputer namens „Raspberry Pi“, mit dem die Mädchen beim GFT Girls‘ Day während des Coding-Workshops gearbeitet haben. Im Englischen wird der Name ausgesprochen wie Raspberry Pie, zu Deutsch: Himbeerkuchen.

GFT Girls' Day

Ein Raspberry Pi Minicomputer. Foto: GFT

Das andere – also das Omelette-Rezept – hilft dabei, dass die Zutaten für das spanische Nationalgericht in der richtigen Menge, Reihenfolge und mit einer passenden Methode verarbeitet werden – nichts anderes macht ein Programmcode.
„Programmiersprachen brauchen wir, damit der Computer uns versteht“, erklärte GFT Entwicklerin Estefanía Díaz Tudela. „Wenn ich mit meiner Oma in Spanien Deutsch spreche, versteht sie mich nicht. Beim Computer ist es ähnlich. Man braucht die richtige Ansprache, damit er genau das macht, was er soll.“ Der Raspberry Pi ist nicht viel mehr als eine Platine in der Größe einer Kreditkarte mit ein paar Schnittstellen. Das Betriebssystem läuft auf einer SD-Karte und ist eine Variante des bei Programmierern beliebten Linux-Systems.
Bereits 2006 hatten Informatikforscher aus Cambridge die Idee, jungen Leuten mit einem preiswerten Computer den Zugang zum Experimentieren mit Technik und Programmieren zu ermöglichen. Inzwischen hat der kleine Rechner Kultstatus erreicht: als Mediaplayer, als Lerncomputer und in unzähligen Do-it-yourself-Bastelprojekten rund um Anwendungen des Internet of Things (IoT). Also genau richtig, um Lust auf IT zu machen!

Die Mädchen haben beim GFT Girls‘ Day den Dreh raus

Gesagt, getan: Innerhalb kürzester Zeit hatten die Mädchen den Dreh raus und krempelten den Programmcode eines Computerspiels vollständig um. Geschwindigkeit, Farben, die Punktevergabe, selbst der Name des Spiels und der Schriftzug „Game Over“ wurden geändert.
Beim Besuch im hauseigenen Digital Innovation Lab konnten die jungen Nachwuchsentwicklerinnen erfahren, wie moderne IT-Anwendungen für die Finanzbranche aussehen – oder vielmehr – aussehen könnten, denn einige der gezeigten, mobilen Bezahllösungen sind aktuell noch gar nicht auf dem Markt. Für große Begeisterung sorgte auch ein Abstecher in eine virtuelle Realität (VR). Mithilfe einer futuristisch anmutenden VR-Brille begaben sich die Mädchen auf eine atemberaubende Achterbahnfahrt in einem Kohlenwagen oder standen plötzlich mitten im Dschungel.
Quer durch verschiedene Abteilungen hatten sie zudem Gelegenheit, den Arbeitsalltag in einem internationalen Unternehmen kennenzulernen. Da war beispielsweise zu erfahren, dass Teams oft über Ländergrenzen und auch über Zeitzonen hinweg zusammenarbeiten. Ob das denn bedeute, dass man auch nachts und am Wochenende arbeiten müsse, wollte eines der Mädchen wissen. Dem sei nicht so, aber fließend Englisch lerne man quasi nebenbei.
Die Mädchen waren sehr interessiert und so prasselten unzählige Fragen auf die Beschäftigten ein: Darf man bei GFT auch in Alltagskleidung kommen? Verdienen Frauen und Männer gleich viel? Kann man als Entwicklerin auch in Teilzeit arbeiten? Warum haben Sie vier Bildschirme auf dem Schreibtisch? Kann man hier auch einen Ferienjob machen? Wie lange dauert das duale Studium?

Die Erkenntnis: IT ist nicht nur für Nerds

Ob als Entwicklerin, technische Einkäuferin, Beraterin, Projektleiterin oder Managerin – in einem IT-Unternehmen gibt es eine Vielzahl interessanter Tätigkeiten für technikinteressierte Mädchen. Im Gespräch mit GFT Mitarbeiterinnen erfuhren die jungen Besucherinnen so einige Details, etwa dass der Berufswunsch einer Entwicklerin lange Zeit Tierärztin war und eine der Managerinnen eigentlich Lehrerin werden wollte. Eine andere verriet, dass sie trotz schlechter Mathenoten in der Schule erfolgreich Betriebswirtschaft studiert habe. Diese Begegnungen vermittelten, dass sich Berufswünsche und das Wissen um die eigenen Stärken erst im Laufe der Zeit herausbilden. Gelegenheiten wie den Girls‘ Day oder Praktika gilt es daher zu nutzen, um sich vor der Berufswahl auszuprobieren. Letztlich braucht es natürlich auch ein wenig Mut, ein Fach wie Informatik in der Schule zu wählen, während sich die eigenen Freundinnen beispielsweise für eine Fremdsprache entscheiden.
Am Ende des GFT Girls‘ Day war für die Mädchen klar, dass IT keinesfalls nur etwas für introvertierte Nerds ist und dass man nicht unbedingt Informatik studieren muss, um in der IT-Branche zu arbeiten. Aber vor allem, dass IT alles andere als langweilig ist. Der direkte Draht zur Personalabteilung wurde direkt genutzt, um sich nach Praktika und Ferienjobs zu erkundigen und auch die ersten Anfragen für den Girls‘ Day 2018 sind bereits eingegangen.

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Der Girls‘ Day, der deutschlandweite Mädchen-Zukunftstag, richtet sich an Schülerinnen ab der fünften Klasse. Unternehmen und Hochschulen gewähren praktische Einblicke in Berufsfelder, in denen Frauen nach wie vor eher selten anzutreffen sind: Technik, IT, Handwerk und Naturwissenschaften. Am ersten Aktionstag im Jahr 2001 beteiligten sich 39 Organisationen und rund 1.800 Mädchen – 2017 konnten die 130.000 Teilnehmerinnen bereits aus über 10 000 Angeboten wählen. Auch die Stuttgarter GFT Technologies SE hatte zum GFT Girls‘ Day acht Mädchen eingeladen, einen Tag lang in die Welt der Informationstechnologie einzutauchen.

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