Neue Ideen beim Fintech Meetup in Stuttgart

Fintech MeetupBeim Fintech Meetup in Stuttgart brachte Oliver Böpple den Zuhörern das Thema "Crowdlending" nahe< Foto: Werner

Bereits das erste Fintech Meetup von Accelerate Stuttgart im Januar 2016 stieß auf breites Interesse bei Startups, jungen Gründern und Interessierten. Am Montagabend folgte jetzt die zweite Auflage der Veranstaltung.

Johannes Ellenberg, Gründer und Geschäftsführer von Accelerate Stuttgart, konnte 40 Teilnehmer des Fintech Meetups in den Räumen von  Accelerate Stuttgart begrüßen. Der Ort, an dem sonst junge Unternehmen unter Anleitung und Unterstützung des „Beschleunigers“ ihre Geschäftsidee umsetzen und auf den Markteintritt vorbereitet werden, wurde für einen Abend zur Bühne für innovative Ideen aus der Praxis. Die Veranstaltung zu Wochenbeginn widmete sich Fintechs, also jungen Unternehmen, die das Sparen und Bezahlen einfacher machen wollen. Obwohl der Börsenwert der erfolgreichsten Fintech-Unternehmen bereits heute den der größten deutschen Banken übersteigt, stehen viele Startups der Branche in Deutschland noch am Anfang. „Wir möchten heute Abend Ideen und Anregungen aus der Branche weitergeben und den Raum zum Vernetzen bieten“, fasste Gastgeber Ellenberg das Ziel der Veranstaltung zusammen.
Mit Jan Kus trat in der Folge ein Mann auf die Bühne, der als Geschäftsführer der „Railslove GmbH“ selbst langjährige Erfahrung an der Spitze eines Fintechs vorzuweisen hatte. In seinem Vortrag präsentierte der aus Köln angereiste „begeisterte Entrepreneur, Coder und Innovator“ –wie er selbst von sich schreibt– die „Ebics-Box“, die sein Unternehmen entwickelt hat. Dabei handelt es sich um eine Komplettlösung zur einfachen Integration von Finanztransaktionen in bereits bestehende Systeme von Unternehmen. Ob das automatisierte Abrufen von Kontoauszügen, das Tätigen von Überweisungen oder der Lastschrifteinzug – Geschäftskunden würden durch den Einsatz der „Ebics-Box“ eine spürbare Entlastung erfahren und könnten sich um das Kerngeschäft kümmern.
Treuhänder wie „Easy Car Pay“, das einen sicheren und bargeldlosen Autokauf verspricht, und Marketplaces wie „makerist“ gehörten schon heute zu den Kunden des Kölner Unternehmens und nutzten die Produkte von Railslove. Neben seinem Engagement als Geschäftsführer veranstaltet Kus in Zusammenarbeit mit der Postbank und Hack Institute ab Juni 2016 einen deutschlandweiten Hackathon. Dabei kommen rund 60 interessierte IT-Spezialisten zusammen und entwickeln in nur wenigen Tagen neue Softwarelösungen. Vom 25. November bis 27. November macht die Tour in Stuttgart Station.

Fintech Meetup: Eine Million Euro binnen zehn Minuten

Mit Oliver Böpple ergriff  beim Fintech Meetup wenige später ein promovierter Philosoph und Medienwissenschaftler das Wort und näherte sich in seinem Vortrag dem Thema „Crowdlending“. „Die Menschen ändern sich, die Banken nicht“, sagte der Referent, der für die „Youse GmbH“ in Stuttgart arbeitet. Demnach würden 71 Prozent der Deutschen lieber zu ihrem Zahnarzt gehen als mit ihrem Bankberater reden.
Bei „P2P Banking“ geht es um Kreditgeschäfte, die zwischen Privatpersonen durchgeführt werden. Dabei stellt ein Kreditnehmer sein Projekt vor, ein Investor bietet in der Folge Geld an. Besonders bei Konsum- und Mikrokrediten sei diese Geschäftsform bereits etabliert. „Zwar ist es immer noch ein kleiner Markt, doch sind die Wachstumszahlen durchweg zweistellig“, bilanziert der Experte die bisherige Marktentwicklung.
Da derzeit mehr als 150 Plattformen in ganz Europa um Marktanteile kämpften, stehe eine Konsolidierung kurz bevor. „Das Erfolgsrezept liegt darin, technische Lösungen mit den Bedürfnissen der Kunden zu harmonisieren“, sagt  Böpple über die Herausforderung für die Anbieter und empfiehlt den etablierten Kreditinstituten: „Die Banken müssen sich in Zukunft an den digitalen Kunden gewöhnen. Wenn sie neue Geschäftsmodelle ausprobieren und Partnerschaften mit innovativen Fintechs eingehen, kann es ihnen gelingen, ihren Vertrauensvorsprung in Marktmacht umzuwandeln.“ Dass Crowdlending funktionieren kann, erklärte der Youse-Büroleiter anhand eines eindrucksvollen Beispiels: „Erst vor wenigen Monaten hat sich Hertha BSC Berlin mit Hilfe einer Crowdlending-Plattform bei Fans und Investoren eine Million Euro geliehen. Das Geld kam in nur neun Minuten zusammen.“
Neben Vorträgen und Möglichkeiten der Vernetzung möchte Accelerate Stuttgart ab Herbst 2016 ein Programm starten, bei dem bis zu zehn Fintech-Start-Ups sechs Monate unterstützt und gefördert werden. „Momentan sind wir in den letzten Abstimmungsgesprächen mit Vertretern aus dem Finanz- und Versicherungsbereich und möchten im vierten Quartal mit dem Programm starten,“ beschreibt Johannes Ellenberg den Sachstand. Vielleicht ist dann auch der ein oder andere Teilnehmer des Fintech Meetups mit an Bord.

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