Fintech-Accelerator sucht Investoren

Förderkredite; Fintech-AcceleratorBargeld dominiert in Deutschland immer noch die Geschäfte. Wie lange noch?; Foto: 636Buster, CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt)

Wie sieht das Online-Banking der Zukunft aus?  Gründer entwickeln neue Konzepte für Finanzdienstleistungstechnik, kurz Fintech. Vom Trend möchte man auch in Stuttgart profitieren. Doch der Start beim Fintech-Accelerator ist schwierig. 

Der Inkubator Accelerate Stuttgart hat ein Programm aufgelegt, um Gründern mit innovativen Fintech-Ideen auf die Beine zu helfen. Bis zu zehn Start-ups sollen sechs Monate lang gefördert werden, einerseits mit Know-how, andererseits mit Arbeitsplätzen im Co-Working-Space in einer ehemaligen Schokoladenfabrik am Feuersee. „Wir verstehen uns als Plattform, die die Methodik bereitstellt“, sagt der Geschäftsführer Johannes Ellenberg. Natürlich geht es aber auch um Geld: 150 000 Euro wollen  die  Acceleratoren  von Investoren aus der Finanzbranche sammeln, ehe der Startschuss für das Programm Anfang Mai fallen sollte. Doch gestaltete sich nicht so einfach, weswegen Accelerate Stuttgart entschied, den Start auf September nach hinten zu verschieben. Man habe zwar bereits Investoren gewonnen, jedoch sei noch nichts spruchreif.

Dem Fintech-Accelerator fehlen Kooperationspartner

„Die Bereitschaft zur Kooperation mit Startups entwickelt sich nur sehr langsam“, sagt Ellenberg. Das liege auch daran, dass das Geschäftsmodell von Banken und Versicherungen jahrzehntelang reibungslos funktioniert habe. Doch jetzt fehle der direkte Zugang zum Kunden „und damit droht die Gefahr, von digitalen Playern überholt zu werden“, sagt Ellenberg. In Startup-Kreisen nennt sich das dann „Disruption“. Während Google, Facebook und Co. sehr viel über ihre Nutzer wüssten, hätten Versicherungen ihren Vertrieb oft ausgelagert und erstellten ihre Risikoabwägungen  in Paketform, nicht auf den Kunden individuell zugeschnitten.
Eine stärkere Orientierung am Kunden käme also sowohl dem Finanzdienstleister als auch dem Kunden zugute, findet Ellenberg. Viele Banken und Versicherer betrachten die disruptiven Ideen der Gründer jedoch eher als Bedrohung denn als Chance – was wahrscheinlich auch ein Grund für ihre Investitionszurückhaltung ist. Ellenberg aber ist überzeugt: Wer jetzt nicht auf den Zug aufspringe, dem gehe es bald wie der Musikindustrie oder den Verlagen
Neben der mangelnden Akzeptanz in der Finanzbranche sieht Ellenberg ein weiteres Problem: die Gewährleistung der Sicherheit. Bisherige Online-Banking-Systeme seien umständlich und veraltet, neue IT-Technologie ermögliche eine Sicherheit ohne menschliche Kontrolle, wie beispielsweise bei dem dezentralen, digitalen Bezahlsystem Bitcoin. Aber anders als bei herkömmlichen IT-Dienstleistungen benötigten Fintech-Start-ups die Hilfe der etablierten Firmen, beispielsweise in Form von Lizenzen oder der Fachkenntnis.
Mit im Boot beim Accelerator ist der Münchner Start-up-Dienstleister Etven­ture, der bereits für die Württembergische Versicherung eine Digitaleinheit aufgebaut hat. „Von deren Know-how wollen wir natürlich profitieren“, sagt Ellenberg.

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