Fabrik des Jahres: Menschen als Schlüssel

Fabrik des JahresDas Procter & Gamble Werk in Crailsheim. Die Fabrik überzeugt mit Robotik und Fortbildung für die Industrie 4.0. Foto: obs/P& G Germany

In Ulm haben sich die aktuellen Gewinner des Wettbewerbs „Fabrik des Jahres“ präsentiert. Gleich mehrere Spitzenreiter kommen aus Baden-Württemberg. Gesamtsieger wurde das Werk von Procter & Gamble in Crailsheim.

„Fabrik des Jahres“ wurde das Werk und das Logistikzentrum des US-Konsumgüterherstellers Procter & Gamble (P&G) in Crailsheim. Dort werden unter anderm Damenbinden und Feuchttücher produziert und die Logistik für die ganze Konzern-Produktpalette in Süddeutschland, der Schweiz und Österreich organisiert. Das Werk hat den Preis bereits 2009 schon einmal gewonnen.

Der seit 25 Jahren von der Beratungsfirma A.T. Kearney organisierte Wettbewerb ist inzwischen vor allem  ein Gradmesser dafür, wie sich die Schlagworte Digitalisierung und Industrie 4.0 im deutschen Produktionsalltag niederschlagen. Im Ulm wurden am Dienstag im Beisein des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Preise vergeben.

Aus Baden-Württemberg waren unter den insgesamt sieben Kategorien noch das Werk von Carl Zeiss Meditec in Oberkochen im Bereich Kleinserienfertigung und die Werkverbund von Voith Turbo ebenfalls in Crailsheim sowie in Garching und Salzgitter als vorbildliches Produktionsnetzwerk erfolgreich. Daimler siegte mit dem Werk Berlin in der Rubrik „Standortsicherung durch Digitalisierung“.

Roboter übernehmen den Großteil der Lagerarbeiten

Hervorgehoben wurde bei der „Fabrik des Jahres“ unter anderem die Tatsache,  in welch hohem Maß bei P&G in Crailsheim hier Roboter inzwischen sowohl die Logistik beim Versand und die Materialversorgung am Band übernommen haben. Schon heute funktioniert die Hälfte der Vorratshaltung, ohne dass Menschen involviert sind. Bis zum Jahresende soll die Quote auf 80 Prozent steigen. Gleichzeitig wurde aber gewürdigt, dass P&G sich nicht nur auf die Technologie fixiert, sondern die Mitarbeiter  einbezieht – auch diejenigen, die  bisher zum Beispiel nur einfache Tätigkeiten am Band ausüben.

„Das  Werk versteht es, digitale Experimente nicht nur anzustoßen, sondern radikal anders zu denken und konsequent zu verfolgen“, heißt es in Begründung der Jury: „In kontinuierlichen Verbesserungsprozessen werden alle Mitarbeiter bei der Erlernung (zum Beispiel mittels spezieller Schulungsprogramme),  Gestaltung und Umsetzung des Systems einbezogen.“

In der Fabrik des Jahres ist die Beschäftigung gestiegen

Bei P&G  in Crailsheim ist es gelungen die  Zahl der Arbeitsplätze nicht nur zu halten, sondern durch neue Aufgaben und eine bessere Wettbewerbsposition zu anderen Standorten sogar  auszubauen.

„Wenn man über Industrie 4.0 redet, muss man zuallerst über die Mitarbeiter reden“, sagt die Crailsheimer P&G-Standortleiterin Ilkay Ormandy. Wenn es etwa um die Automatisierung der Logistik gehe, beziehe man die Mitarbeiter in die Planung ein – und gebe ihnen gleichzeitig eine Perspektive für ihren Arbeitsplatz, der danach meist höher qualifiziert sei als zuvor. Die Mitarbeiter würden zudem zwischen Positionen rotieren, um ihnen breitere Qualifikationen zu vermitteln.

Vom Staplerfahrer zum Roboter-Mechaniker

So seien beispielsweise Mitarbeiter in der Produktionsplanung im neuen Digitalteam dafür zuständig, die Roboter an ihrem früheren Tätigkeitsbereich einzulernen und zu programmieren. „Dies sind dafür auch die besten Experten, weil sie die manuellen Prozesse aus eigener Erfahrung kennen“, sagt Ormandy.  Gabelstaplerfahrer habe man zu Mechanikern geschult, welche die neuen Lagerroboter nun in der Werkstatt warten.

„Die Produktivität zu steigern, ist das einzige Rezept um Arbeitsplätze in Deutschland zu halten“, sagt die Standortleiterin. Im internen Standortwettbewerb habe man so weitere Aufträge gewinnen können – was sich letztlich in eine höheren Zahl von Arbeitsplätzen niedergeschlagen habe. Fünf Jahre sei sie zwischendrin von Crailsheim weg gewesen, sagt: „Als ich wiederkam, war die Zahl der Arbeitsplätze von 1100 auf 1300 gewachsen.“

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