EY-Startup-Barometer 2017 sieht Finanzierungsboom

EY-Startup-Barometer 2017Der Börsengang von Delivery Hero brachte 2017 am meisten Geld. (Rechts Digitalchef Christian von Hardenberg). Foto: Delivery Hero

Laut dem aktuellen EY-Startup-Barometer 2017 haben im vergangenen Jahr Startup-Gründer in Deutschland so viel Kapital erhalten wie nie. Die Investitionen in Startups stiegen laut dem Beratungsunternehmen um 88 Prozent – von  2,3 auf 4,3 Milliarden Euro.

Die Statistik beeinflusst haben aber einige sehr große Investitionen mit jeweils mehr als 100 Millionen Euro. Die gab es 2016 in Deutschland in dieser Höhe nicht. Dennoch ist auch die Zahl der Finanzierungen um fünf Prozent auf 507 gestiegen – ebenfalls ein Rekord. Vom EY-Startup-Barometer 2017 berücksichtigt werden Unternehmen, deren Gründung weniger als zehn Jahre zurückliegt.

Baden-Württemberg, das  bei der Wirtschaftskraft der deutschen Bundesländer an dritter Stelle liegt, kommt bei der Zahl der Abschlüsse  auf Platz fünf, beim Investitionsvolumen immerhin auf Platz vier. Bei der Summe der Investitionen ist man damit 2017 um zwei Plätze aufgerückt – dank eines im Südwesten deutlich höheren Kapitalzuflusses von  207 Millionen Euro statt 89 Millionen im Jahr 2016.

Der Südwesten erreichte laut  der Studie aber auch  bei der Zahl der Abschlüsse im Jahr 2017 erstmalig fast die Anzahl von Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Der Abstand hinter dem zweitplatzierten Bayern bleibt trotz der Aufholjagd aber deutlich.

EY-Startup-Barometer 2017 sieht Berlin in eigener Liga

Der Spitzenreiter Berlin spielt aber in allen Kategorien weiterhin in einer eigenen Liga. In der Hauptstadt landeten im vergangenen Jahr 69 Prozent aller Startup-Investitionen in Deutschland. Damit hat Berlin das Investitionsvolumen binnen eines Jahres verdreifacht und seine dominierende Stellung aus dem Jahr 2016 mit 48 Prozent der deutschen Startup-Investitionen noch einmal ausgebaut.

Allerdings muss man berücksichtigen, dass angesichts der insgesamt doch kleinen Zahl an Deals, einzelne Abschlüsse im Jahresvergleich zu großen Schwankungen führen. Berlin profitierte von  einigen sehr großen Runden. Allein der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero sammelte beispielsweise die beiden größten Summen des Jahres ein.  Im Juni erbrachte der Börsengang insgesamt 989 Millionen Euro, wovon 423 Millionen Euro an das Unternehmen gingen.  Schon im Mai war dort der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro eingestiegen.

Ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro ein. Im November erhielt zudem der Kochboxlieferant Hello Fresh durch seinen Börsengang 268 Millionen Euro. Die fünf größten Finanzierungsrunden des Jahres 2017 in Deutschland fanden alle in Berlin statt.

Startups können größere Summen mobilisieren

Bayern konnte trotz eines Minus beim Kapitalfluss von 23 Prozent seinen starken zweiten Platz verteidigen. Insbesondere die Rangfolge in Ostdeutschland unterliegt starken Schwankungen. So sprang Thüringen von Platz neun im Jahr 2016 auf Platz fünf, Brandenburg stürzte von Platz 7 auf 12.

Generell ist zu beobachten, dass die Zahl der finanzierten Startups trotz des insgesamt positiven Zahlen in einigen Startup-Regionen teilweise abgenommen hat. Die starken Startup-Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg verzeichneten teilweise deutliche Rückgänge. Das positive Bild entsteht also vor allem dadurch, dass diejenigen, die es geschafft haben, mehr Geld bekommen haben. Gerade der Bereich der Finanzierungen zwischen zehn und fünfzig Millionen Euro ist gestiegen. Dieser Trend gilt insbesondere auch für Baden-Württemberg. Während die Zahl der Abschlüsse um gut ein Fünftel höher lag als 2016 (34 statt 28) wuchs das Investitionsvolumen um 133 Prozent.

E-Commerce-Unternehmen erhalten das meiste Geld

„Berlin entwickelt sich sehr stark – die anderen deutschen Startup Hochburgen haben Mühe, da noch mitzuhalten“, sagt Peter Lennartz von EY. Auch in den wichtigsten Teilsegmenten wie E-Commerce, Fintech, Gesundheit, Medien oder Mobilität liegt die Hauptstadt klar vorn. Dadurch dass Berlin auch für ausländische Investoren auf dem Radarscirm sei, profitiere von der Zugwirkung der Hauptstadt die ganze Startup-Landschaft in Deutschland, sagt   Lennartz. Er sieht aber auch ein zunehmendes Interesse von Großunternehmen an deutschen Startups – insbesondere im Bereich der Angebote für Geschäftskunden (B2B)

Das meiste Geld floss im vergangenen Jahr in E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Startups aus diesem Bereich auf 1,8 Milliarden Euro – nach 438 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Hier gab es auch die meisten Finanzierungsrunden. Auch Fintech-Unternehmen und der Bereich Gesundheit verzeichneten kräftige Zuwächse.

Bemerkenswert ist, dass in das Autoland Baden-Württemberg im Bereich Mobilität nur 27 Millionen Euro flossen – nach Berlin hingegen 141 Millionen und nach Bayern 100 Millionen. Dafür punktet der Südwesten bei Gesundheits-Startups und liegt mit 114 Millionen exakt gleichauf mit Berlin und nur knapp hinter dem Spitzenreiter Thüringen (115 Millionen Euro).

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