Etventure kauft Accelerate Stuttgart

Accelerate StuttgartEtventure will die Welt erobern - nun auch Baden-Württemberg mithilfe von Accelerate Stuttgart; Screenshot: Etventure

Stuttgarts erster privater Startup-Accelerator Accelerate Stuttgart schlüpft nun unter das Dach des in München und Berlin beheimateten Unternehmens Etventure, das etablierte Firmen systematisch mit Gründern und innovativen Ideen verbinden will.

Die Firma Etventure wird Mehrheitseigner von Accelerate Stuttgart. Das 2010 in München gegründete Unternehmen ist einer der wichtigsten deutschen Dienstleister,  der    bestehende Firmen mit Start-ups und deren Denkweise verbindet – auch an internationalen Standorten von London bis Sidney. Accelerate Stuttgart ist einer der Pioniere der Stuttgarter Start-up-Kultur.
Der Name und das  Team von Accelerate Stuttgart bleiben erhalten. Der bisherige Geschäftsführer Johannes Ellenberg behält bis auf weiteres diese Position und wird parallel bei Etventure für den Bereich Baden-Württemberg zuständig. Dies ist nicht wegen der Zahl der betroffenen Arbeitsplätze bedeutsam – bei Accelerate Stuttgart sind es nur fünf – sondern wegen der Signalwirkung für den Startup-Standort: Er wird zunehmend kommerzieller und stärker auf die Interessen der etablierten Firmen in der Region ausgerichtet.
„Gratulation –  es ist gut, dass das Team weitermacht“, sagte Kai Blisch für den Verein Startup Stuttgart gegenüber IdeenwerkBW:„Accelerate Stuttgart hat eine  große Außenwahrnehmung und hat für die Region und alle Startups viel getan. Wir hoffen, dass das so bleibt.“ Rundum positiv bewertet Ines Aufrecht, Leiterin der Wirtschaftsförderung Stuttgart die Verschmelzung mit Etventure: „Dies ist ein Unternehmen, das auch eine große internationale Präsenz hat  und im Bereich der Digitalisierung sehr stark ist – was  für uns in Stuttgart eine gute Ergänzung ist.“

Vorerst fährt Accelerate Stuttgart das bisherige Programm

Auch wenn nach den Worten Ellenbergs das 2012 gegründete Unternehmen sein bisheriges Angebot aus Accelerator, Events  und Dienstleistungen sowie Veranstaltungs- und Büroräumen in den 2015 bezogenen Accelerate Spaces fortführen wird, ist damit eine Akzentverschiebung verbunden. Etventure betreibt sein Geschäft nicht als Service für Startups, sondern definiert die Programme von den Interessen der zahlenden Unternehmen aus. Das Ziel ist ein klarer ökonomischer Nutzwert für die etablierten Firmen. Der 2010 gegründete Dienstleister will Unternehmen und Startups  verknüpfen, um Innovationen, Trends und Startup-Kultur in bestehende Firmen zu tragen sowie digitales Neugeschäft für beide Seiten schaffen.  Dazu gehört auch die Suche nach zusammenpassenden Partnern. In Stuttgart ist Etventure beispielsweise bereits an der Digitaltochter des Versicherungs- und Bausparkonzerns W&W beteiligt und arbeitet mit Daimler Financial Services zusammen. Die Übernahme von Accelerate Stuttgart ist Teil der Expansionsstrategie am starken Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Weitere Kunden in Deutschland sind  die Bonnier Medien-Gruppe, die Deutsche Bahn, Franz Haniel & Cie., Viessmann und der Stahlhändler Klöckner.

Neue Akzente für den eigentlichen Accelerator

Auch wenn Details bisher nicht feststehen, dürfte das bisherige Rückgrat von Accelerate Stuttgart, das sechsmonatige Acceleratoren-Programm, dessen erste fünf Absolventen es im April abgeschlossen haben,  wohl einige Änderungen erfahren. „Eine Lernerfahrung, die wir gemacht haben, ist die Tatsache, dass man die Programme etwa von der Zeitdauer her, sehr individuell an die Bedürfnisse der Firmen anpassen muss“, sagt Geschäftsführer Ellenberg. Bisher hat Accelerate Stuttgart eine Handvoll Startups  parellel durch eine sechsmonatige Beschleunigungsphase  nach dem Modell des „Gamified Startups“ geschleust. Man hat sich aber nicht leicht getan, hierfür etablierte Firmen als Paten und Mentoren  zu gewinnen.
Das liege weniger am Geld, weil es nie um hohe Beträge gegangen sei, sagt Ellenberg:  „Das liegt vielmehr oft schon daran, dass es schwierig ist, Mitarbeitern die entsprechende Zeit für eine Teilnahme an dem Programm zu geben“. Auch die Dauer der Entscheidungsprozesse bis zur Vereinbarung einer Patenschaft sei für ein junges, selbst finanziertes Unternehmen wie Accelerate Stuttgart oft sehr lang gewesen.
So musste beispielsweise der Start des eigentlich für Mai geplanten Acceleratoren-Programms für Fintechs, also Startups aus dem Bereich der Finanztechnologie, kurzfristig auf den Herbst verschoben werden. Das Fazit im Klartext: Schwäbische Unternehmen, die Startups fördern, wollen trotz aller Bekenntnisse zur Gründerkultur knallharte ökonomische Resultate. Dass ideelle und kulturelle Aspekte ebenso wertvoll sein können, reicht ihnen meist nicht.
Startups die sich an konkrete  Geschäftskunden in der Region richten oder technologische Themen bearbeiten, dürften in dem Programm künftig bessere Karten haben. Auf Dienstleistungen und Konsumenten ausgerichtete Startups wie in der ersten Gruppe des Acceleratoren-Programms könnten von der Bedeutung abnehmen.

Etventure hat eine ähnliche Strategie

Die Kultur von Accelerate Stuttgart und Etventure passe perfekt. Auch wenn der neue Mehrheitseigentümer inzwischen 200 Mitarbeiter an deutschen und internationalen Standorten habe, sei der Startup-Geist dort vollkommen in Takt, sagt Ellenberg. „Mit Accelerate Stuttgart haben wir einen Partner gefunden, dessen Ziele und Herangehensweise perfekt zur unserer Philosophie passen“, lässt der Etventure-Mitgründer Philipp Deperieux in der offiziellen Pressemitteilung verlauten.
„Es ist  schon gewöhnungsbedürftig, wenn man nun auf einmal seinen Urlaub beantragen muss“, sagt Ellenberg lachend.   Für den Accelerate-Gründer, der als Mitinitiator des Ende 2014 gegründeten Vereins Startup Stuttgart auch einen Grundstein für die sich etabliertende Gründerkultur in der Stadt gelegt hat, ist es aber die Anerkenntnis ökonomischer Realitäten. Seinen Idealismus und sein Engagement für die Startup-Kultur in der Region Stuttgart lasse er sich aber nicht nehmen. Ein Wesenszug von Accelerate Stuttgart sei es immer gewesen, nicht rein kommerziell zu denken, sondern auch politische und ideelle Ziele im Blick zu haben. Das solle auch so bleiben: „Wenn wir erfolgreich sind und Geld verdienen, dann erhalten wir auch die Freiheit, selber Startups zu unterstützen.“
Doch der neue, finanziell besser gepolsterte Partner Etventure eröffnet neue Möglichkeiten. Dazu gehört die vielfältige Erfahrung mit Innovations- und Startup-Projekten in Partnerschaft mit etablierten Firmen. „Es gibt natürlich auch zahlreiche Überschneidungen in den Geschäftsfeldern, bei denen beide Seiten durch den Zusammenschluss profitieren“, sagt Christian van Alphen, Sprecher von Etventure. So soll etwa die sich schon jetzt wachsenden Zuspruchs erfreuende Veranstaltungsreihe Corporate Startup Meetup, bei dem Gründer mit Vertretern etablierter Firmen zusammenkommen, systematisch ausgebaut werden.

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