Energybase macht das Heim zum Privat-Kraftwerk

EnergybaseDas smarte Kästchen von Energybase steht im Mittelpunkt der heimischen Stromversorgung. Screenshot: IdeenwerkBW

IdeenwerkBW-Schwerpunkt „Grüne Startups“ (4): Das Karlsruher EnBW-Startup Energybase will die Nutzung der Sonnenenergie besser steuern. Die Solaranlage zu Hause kann so optimal für den eigenen Verbrauch genutzt werden.

Die Straße führt an einem Recyclinghof vorbei, irgendwo lagern Öltanks, ganz am Ende steht der Betonblock eines Kraftwerks mit seinen Kohlehalden. Doch der Energiekonzern EnBW verbrennt nicht nur, was früher als „schwarzes Gold“ bezeichnet wurde. Der Konzern ist auch unterwegs zur „grünen“ Energie. Schon an dem eher schmucklosen Gebäude kurz vor dem Kraftwerk signalisiert die Farbe Grün, wohin die Reise gehen soll.

Dort hat Energybase, ein Startup innerhalb des Versorgungsunternehmens, seinen Sitz. Schon die Einrichtung weist mit ihren Europaletten darauf hin, dass es hier möglichst cool zugehen soll. Es gibt ein paar Sitzreihen wie im Theater, in der Mitte eines Raumes sind hohe Stühle und Tische aufgestellt. Doch das Startup, das sich so cool präsentiert, hat mit dem genauen Gegenteil zu tun – mit Wärme.

Um die Kraft der Sonne noch besser nutzen zu können, haben die Mitarbeiter ein kleines graues Kästchen ausgetüftelt, das denselben Namen hat wie die Gründung: Energybase. „Von der EnBW hatten wir den Arbeitsauftrag, die Fotovoltaik mit einem Batteriespeicher zu verbinden, um die Sonnenenergie besser zu nutzen“, berichtet der Chef Dominik Gluba. „Doch bald war uns klar, dass das auch ein Handwerker kann“. Also musste etwas Besonderes entwickelt werden – eben Energybase.

Energybase hat einen Stromzähler mit Mini-PC entwickelt

In dem kleinen grauen Kasten steckt ein Stromzähler mit Mini-PC. „Dieses Kästchen weiß , wie der Kunde sich verhält und wann er Strom braucht“, sagt der Leiter des inzwischen von fünf auf 20 Mitarbeiter angewachsenen Teams. Der kleine Kasten ist ein schlaues Kerlchen: „Nach zwei Wochen hat er das gelernt“, sagt Gluba. Dies ist deswegen wichtig, weil etwa Hausbesitzer nur 70 Prozent des Stroms, den sie in einer bestimmten Sekunde erzeugen, in das Netz einspeisen dürfen. Danach wird die Zuleitung gekappt. Damit die Energie von der Sonne nicht ungenutzt bleibt, wird alles, was zuviel ist, in einen Batteriespeicher im Haus geleitet.

Aus diesem kann eine Wallbox zum Aufladen der Batterie eines Autos ebenso gespeist werden wie eine Wärmepumpe oder andere Verbrauchsstellen im Haus. Gibt es dennoch mehr Strom als die Batterie speichern kann, kann Strom auch an andere Haushalte weitergeleitet werde, so sie sich zu einer Energiegemeinschaft zusammengeschlossen haben.

Selbst kaufen können Privatleute das schlaue Kästchen aber nicht: „Als Kunden haben wir beispielsweise Stadtwerke im Blick“, erklärt Gluba. Verkauft wurde der intelligente Stromverteiler bis jetzt an die Stadtwerke in München und Reutlingen. „Bei diesen kann der Endverbraucher dann nach Energybase fragen“, sagt der Chef des Start-ups.

Der Eigenverbrauch von Strom lohnt sich finanziell

Dafür, dass es sich lohnt, Strom selbst zu erzeugen und möglichst auch selbst zu verbrauchen, hat er eine Rechnung parat: „Kauft jemand Strom, muss er beispielsweise 28 Cent für jede Kilowattstunde zahlen. Selbst erzeugter Strom kostet ihn dagegen nur 12 Cent, er spart also 18 Cent je Kilowattstunde“. Allerdings: Zunächst muss in eine Fotovoltaikanlage investiert werden. Der Preis für eine Anlage mit Batteriespeicher liegt bei rund 20000 Euro – verglichen damit fallen die 600 Euro für das graue Kästchen kaum noch ins Gewicht.

Und was die Nutzung des eigenen Stromes betrifft, macht Gluba auch etwas Zukunftsmusik: „Man könnte auch Strom vom Haus in Stuttgart in München nutzen oder an der Autobahntankstelle in Frankfurt“ – ähnlich wie man auch an einem Automaten in einer anderen Stadt „eigenes“ Geld abheben kann. Wird Strom außerhalb des eigenen Hauses gebraucht, muss er nicht gekauft werden, sondern wird mit dem verrechnet, was man selbst noch auf dem „Konto“ hat.

80 Prozent des erzeugten Stroms können selber genutzt werden

Bei einer Fotovoltaikanlage mit Batteriespeicher kann der Eigenverbrauch 60 Prozent des erzeugten Stromes erreichen – ohne Speicher dagegen nur 30 Prozent. „Mit unserem intelligenten Kästchen kann der Eigenverbrauch dagegen auf bis zu 80 Prozent der erzeugten Energie steigen“, meint Gluba. Dies bedeutet, dass 80 Prozent des in der eigenen Fotovoltaikanlage erzeugten Stromes auch im eigenen Haus genutzt werden können.

Doch für den Chef von Energybase geht es beim Strom nicht nur um das liebe Geld: „Die Kunden möchten etwas für die Umwelt tun und sie fühlen sich unabhängiger, wenn sie einen großen Teil ihres Stromes selbst erzeugen können“, sagt er.

Die ersten Folgen des Themenschwerpunkts erschienen am 13.2., 14.2. und 16.2.

Die Muttergesellschaft EnBW
Die 1997 gegründete EnBW AG mit Sitz in Karlsruhe ist nach RWE und Eon der drittgrößte deutsche Energieversorger Entstanden ist das Unternehmen durch eine Fusion der Energieversorgung Schwaben (EVS) und des Baden-Werkes. Aktionäre sind die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), in denen verschiedene Landkreise ihre Interessen gebündelt haben und das Land Baden-Württemberg. Zwischenzeitlich war auch die Électricité de France beteiligt. Der Rückkauf der an die Franzosen verkauften Landes-Anteile Ende 2010 hatte zu einer heftigen landespolitischen Auseinandersetzung geführt.
Die EnBW will den Anteil der erneuerbaren Energien an ihrem Angebot weiter ausbauen. Bis 2020 soll dieser bei 40 Prozent liegen. Mit 20 400 Mitarbeitern setzte das Unternehmen zuletzt etwas mehr als 19 Milliarden Euro um.

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