EnBW-Startups – Konzept mit langem Atem

EnBW-StartupsEnBW hat in Baden-Württemberg früh auf konzerninterne Startups gesetzt. Foto: EnBW

Das Konzept EnBW-Startups gibt es schon seit vier Jahren. Der Energieversorger gehörte zu den ersten Firmen aus dem Südwesten, die auf einem eigenen Campus junge Unternehmen hervorbringen möchte. Hat sich die riskante Idee bewährt?

An manchen Herbsttagen ist der Himmel über dem Karlsruher Rheinhafen so grau wie die Fassade des Kohlekraftwerks der EnBW. Und während die Schornsteine in dieser tristen Kulisse ihr CO2 in die Luft blasen, entwerfen direkt gegenüber junge Unternehmer im EnBW-Innovationscampus eine Zukunft, in der Kohle praktisch keine Rolle mehr spielt.

Vor vier Jahren hat die EnBW den Startup-Inkubator eröffnet und war damit der erste Großkonzern im Südwesten mit einer solchen Institution. Eine, die Geld kostet und nicht zwingend gleich welches einbringt.

Nach dieser Zeit ist eine erste Zwischenbilanz möglich: Welche Erfahrungen hat die EnBW mit dem riskanten Vorstoß gemacht? Und: Verdient sie mit ihren Startups Geld?

Keine Ungeduld beim Vorstand

Chef des Campus und sozusagen Vater der EnBW-Startups ist Uli Huener, der Leiter des Innovationsmanagements. Ein großer, hagerer Mann in Jeans und blauem Sakko. „Am Anfang gibt es in der Startup-Welt kaum Erfolge, das ist keine einfache Zeit“, sagt Huener. Doch der EnBW-Vorstand habe immer zu ihm gestanden und sei auch nicht ungeduldig geworden. “

Schließlich geht es um die Transformation unseres Unternehmens in die Zukunft“, sagt Huener und breitet die Hände aus. Die EnBW wolle vom reinen Energieversorger zum Betreiber von Infrastruktur werden. Huener schüttelt den Kopf. „Es ist kein Selbstläufer“, sagt er.

Denn eine junge, flexible Startup-Kultur an ein großes Unternehmen anzudocken bringt zusätzlich Schwierigkeiten mit sich. Hier hat Huener vor allem die Unternehmenskultur als Hürde ausgemacht. „Viele Kollegen haben anfangs den Kopf geschüttelt über das, was wir hier in Karlsruhe machen“, sagt Huener.

Die Arbeit, die Prozesse, die Menschen – alles sei anders. „Inzwischen ist das aber Normalität“, meint Huener. Heute arbeiten viele ehemalige Mitarbeiter aus dem Mutterhaus wie selbstverständlich für eines der firmeninternen Startups.

EnBW-Startups haben Freiraum

Zu ihnen gehört Thorsten Kraft von Enerybase. Bevor er bei dem Startup eingestiegen ist, hat er zehn Jahre lang in der IT-Abteilung der EnBW gearbeitet. Heute ist Kraft der Chef des operativen Geschäfts bei Energybase. Das Unternehmen entwickelt seit 2014 im Innovationscampus Karlsruhe ein Energiemanagement, das beispielsweise intelligente Stromzähler, Solaranlagen und Wärmepumpen auf ein Haus individuell abstimmt. „Wir waren ein Startup der ersten Stunde, jetzt sind wir am Ende der Projektphase angelangt“, sagt Kraft.

Die Idee dazu ist damals im Konzern entstanden. Das ist auch das Ziel, das EnBW und Uli Huener von Beginn an verfolgt haben: eine möglichst große Verzahnung der firmeneigenen Startups mit den Mitarbeitern des Mutterkonzerns. „Wir waren anfangs auch ausschließlich EnBW-Mitarbeiter im Startup“, sagt Thorsten Kraft. Er beschreibt den Campus als großen „Freiraum“ und die Zeit damals als „spielen und lernen, was funktioniert“. Sein Team habe einige Schleifen gedreht, bis das endgültige Produkt Form annahm. „Heute ist die Betreuung vonseiten des Unternehmens ein wenig enger“, sagt Kraft.

Wie Thorsten Kraft können sich nach den vier Jahren immer mehr altgediente EnBW-Mitarbeiter vorstellen, in ein Startup zu wechseln. Dazu geht Uli Huener mit seinem Team gezielt an die EnBW-Standorte und macht dort Werbung für neue Ideen und Projekte am Innovationscampus. Es gibt dann Modelle, dass die Ingenieure oder IT-Fachleute zunächst mit 20 oder 30 Prozent ihrer Arbeitszeit wechseln. Später gibt es die Option, sich in Vollzeit um das Startup zu kümmern. „Es ist uns wichtig, hier nie die Verbindung zu verlieren“, sagt Huener.

Mitarbeiter wechseln hin und her

Thomas Lauerbach vom Startup Noysee hat den Sprung vor anderthalb Jahren gemacht. Er ist ebenfalls gelernter Informatiker und seit elf Jahren bei der EnBW. Noysee hat einen Sensor für Brücken entwickelt, der den Wasserpegel dauerhaft überwacht und bei Hochwasser die Feuerwehr benachrichtigen kann.

Lauerbachs Entscheidung für den Innovationscampus fiel nach einer Reihe hausinterner Veranstaltungen wie einem sogenannten Hackday, bei dem er mit Kollegen einen Prototypen zusammengelötet hat. „Die Arbeit ist vielseitiger als früher, und trotzdem hat man die Sicherheit eines Konzerns im Rücken“, sagt Lauerbach. Als Startup draußen sei das Risiko deutlich größer.

Umsätze steigen, schwarze Zahlen sind noch Mangelware

Hat sich der Aufbau eines konzerneigenen Startup-Inkubators für die EnBW also gelohnt? Für ein endgültiges Urteil ist es Uli Huener noch zu früh. Der Umsatz einiger junger Unternehmen, sagt Huener, bewege sich immerhin schon im zweistelligen Millionenbereich. Geld bleibt dabei aber noch kaum hängen. Huener hofft, ab 2025 mit den EnBW-Startups „etwas zum kommerziellen Erfolg des Konzerns beitragen zu können“.

Schließlich brauche jedes Startup fünf bis sieben Jahre, bis es Geld verdient, sagt Huener. Und er unterstreicht: „Ich habe mehr Rückendeckung von Vorstand und Aufsichtsrat als je zuvor.“ Als nächstes will Huener den Campus noch stärker an den EnBW-Standorten im Land verankern – und so noch mehr Ideen der Mitarbeiter fördern.

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