Emm Solutions steuert autonome Autos

Emm Solutions; autonomes FahrenArmin Müller hat viel vor: Der Ilo ist ein Teil seines Mobilitätskonzepts. Foto: factum/Bach

Autonom fahrende Autos müssen kommunizieren. Dafür sorgt das System von Armin Müller. Nach der Karriere bei Daimler und Porsche gründete der Weil der Städter das Startup  Emm Solutions.

Vom Weil der Städter Marktplatz geht es mit einem kleinen Gefährt hinüber zum Bahnhof – ganz ohne Fahrer. Autonomes Fahren, heute schon? Armin Müller lächelt milde. „Wenn es nur darum ginge, eine Strecke fahrerlos abzufahren, dann können wir das schon seit 1998“, sagt er. Das, was der Ingenieur in seiner kleinen Werkstatt in Weil der Stadt fabriziert, wird aber erst 2022 fertig sein – frühestens. Denn es fährt nicht einfach nur selbst. Wenn es nur das wäre, könnten sich die Kunden gleich an die großen Konzerne wenden, die schon lange am autonomen Fahren forschen.

Müllers Startup heißt nicht umsonst Emm Solutions. Die drei Buchstaben stehen, ganz neudeutsch, für Engineering, Modern, Mobility. Es geht um ­Gesamtkonzepte, um Mobilitätskonzepte, wie Müller das nennt, nicht nur um das Auto. „Mein Problem, das ich bearbeite, heißt nicht: Was will ich für ein Fahrzeug, sondern: Wie stelle ich Mobilität her?“

Grundpfeiler ist ein zentraler Rechner, der alles koordiniert und im Griff hat. Übertragen auf das kleine Verkehrsnetz zwischen dem Bahnhof und dem Marktplatz könnte das heißen: Je nach Nachfrage reagieren die kleinen Gefährte individuell. Kommt eine Reisegruppe, fährt ein autonomer Bus los, kommt ein Pärchen, steht ein Zweisitzer parat. „Wie eine Seilbahn auf der Straße würde das aussehen“, erklärt Müller. „eine Seilbahn, die aber ­dynamisch auf die Nachfrage reagiert“.

Vor Emm Solutions hatte Armin Müller steil Karriere gemacht

So etwas gibt es noch nicht. Eigentlich logisch, denn dann müsste es Armin Müller ja nicht erfinden, zusammen mit seinen mittlerweile zwölf Mitarbeitern. In dem Großraumbüro in Weil der Stadt sitzen sie zusammen, man könnte eine Stecknadel fallen hören. Konzentriert steht auch Müller dabei, er ist zufrieden. Wieder einmal hat er etwas geschaffen.

Wieder einmal – denn der 58-Jährige könnte auch seinen Vorruhestand genießen, aber das wäre gar nicht nach Müllers Geschmack. „Ich will der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt er. „Ich will das, was ich gelernt habe, einbringen.“

Ein steile Karriere hat er schon hinter sich. Nach dem Maschinenbau-Studium ging er 1986 zu Daimler, arbeitete sich hoch. Unter seiner Federführung erfand seine Abteilung dort zum Beispiel das elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das verhindern hilft, dass ein Auto ins Schleudern kommt. 1995 bekam Müller ­dafür den „Henry Ford II Award“, den wichtigsten amerikanischen Ingenieurs-Preis. Seit 2014 ist ESP für alle Autos in Deutschland vorgeschrieben.

Später ging Müller zu ZF Friedrichs­hafen, war dort Chef von 500 Mitarbeitern der Fahrwerkentwicklung. Anschließend, bei Porsche, erfand er die Hinterachslenkung, die heute fast jedem Porsche eine ganz spezielle Fahrdynamik verleiht. Und dann, 2016, steht er an jenem Punkt in ­seinem Lebenslauf, an dem er etwas ganz eigenes machen will.

Die Streckenplanung wird von einem zentralen Rechner übernommen

„Wie geht moderne Mobilität? Das wollte ich erkunden“, erinnert er sich heute. Die Probleme sind bekannt: CO2, Emissionen, Erdölmangel, zunehmender Mobi­litätsbedarf, begrenzter Raum und eine ­alternde Gesellschaft. „Die heutige Großindustrie kann das nicht lösen“, ist er überzeugt. Auch wenn sie sich grün gebe, hätte sie nur ein Geschäftsmodell: Sie wollen ihre Produkte verkaufen.

Armin Müller steht vor einem kleinen Einsitzer, den er „Ilo“ getauft hat. Die Ilo-Motorenwerke waren eine der Treiber des Wirtschaftswunders in den 50er Jahren. Treiber eines heutigen Wirtschaftens sind Mobilitätskonzepte, sagt er. Am Ende könnte es dann so aussehen: Wer von A nach B muss, setzt sich in ein Fahrzeug. Den Rest, die Streckenplanung, übernimmt ein zentraler Rechner. Dieser Rechner ist Müllers eigentliches Geschäftsmodell.

So weit ist es noch lange nicht. Als Beispiel für eine Vorstufe nennt er den Flug­hafen. Auch dort sind viele Wegstrecken zu überwinden, vom Parkplatz zum Terminal, dann auf das Flugfeld zum Flugzeug. Aber auch im Terminal müssen die Shops und Malls versorgt werden. „All das können autonome Shuttles übernehmen, bequem und schnell“, sagt der Maschinenbauer. Die Technologie sei in etwa drei bis sechs Jahren fertig. Derzeit ist Armin Müller für Emm Solutions der auf Suche nach einem Partner oder Investor. Siemens hat er schon an seiner Seite. Einen der Ilos hat der Technologie-Riese schon gekauft. Weil der Städter Technik fährt bereits auf dem Siemens-Testfeld für autonomes Fahren in München-Perlach.

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