Elektrowärme – ganz präzise dosiert

Elektrowärme ist neben der Antriebstechnik eines der Geschäftsfelder der Reutlinger Firma; Foto: Maier

Die Reutlinger Traditionsfirma Elektrotechnik Maier steht für die vielen kleineren Unternehmen in Baden-Württemberg, die Innovation in der DNA haben. Für kreative Ideen im Bereich Elektrowärme gab es bereits Landesförderung.  

Elektrotechnik Maier ist gleich in  doppelter Hinsicht innovativ – technisch,  aber auch in der Unternehmensführung. Denn an der Spitze steht eine Frau, die zupackt, ihren eigenen Weg geht. „Überleg dir  das, Kind, das ist ein  Männerberuf“ –  dies war der Kommentar des Vaters,  als Kristin Maier-Müller ihm  eröffnete, dass sie seine Nachfolgerin in dem 1934 gegründeten  Reutlinger Unternehmen werden wolle.
Doch Maier-Müller wollte gerade diesen Beruf. Nach Abitur und dem Abschluss an der Universität Stuttgart in Technisch orientierter Betriebswirtschaftslehre setzte sie noch  ein weiteres Studium drauf: An der Fachhochschule Esslingen absolvierte  sie –  als einzige Studentin in ihrem Semester  – noch  ein Studium der Elektrischen Energietechnik:  „Mir war klar, das ich etwas von Technik verstehen musste, wenn ich eines Tages das Unternehmen führen wollte“, sagt sie rückblickend. Seit 2002  hat sie  nach verschiedenen anderen  beruflichen Stationen  bei Elektrotechnik Maier das Ruder in  der Hand. Besonders gelitten hat sie nicht darunter, dass sie ihr Glück in  einer  Männerdomaine suchte,  „aber man  muss durch Leistung überzeugen“ – bei Kunden, aber auch in der eigenen Firma.
Mit 30 Mitarbeitern hat das Unternehmen mit seinen  zwei Geschäftsbereichen im vergangenen Jahr einen Umsatz von  5,2 Millionen Euro erwirtschaftet.  In der Antriebstechnik werden elektrische Antriebe etwa für Pumpen, Motoren oder  Schaltschränke produziert  und programmiert. Der zweite Bereich,  für den das Unternehmen auch   Innovationsgutscheine der Landesregierung einheimste, Systeme aus dem Bereich der Elektrowärme. Die Kunden reichen  von der Autoindustrie über die chemische Indus­trie bis hin  zu Kunststoffverarbeitern  oder Lebensmittelherstellern. Im Förderbescheid des Wirtschaftsministeriums wurde darauf abgehoben, dass die energiesparenden Technologien auch insbesondere im Bereich der Industrie 4.0 und der smarten Fabrik höchst relevant seien.

Die Chefin hat einen Hang zum Praktischen

Und so, wie ihr klar war, dass sie als spätere Firmenchefin etwas von  Elektrotechnik verstehen musste – so hält sie es auch  in der Technik mit dem  Hang zum  Praktischen.  „Warum soll ich einen ganzen Ofen heizen, wenn ich nur ein Brötchen backen will“, lautet ihre Devise. So hat das Unternehmen etwa ein Gerät entwickelt, das aussieht wie ein  kleiner Koffer mit Hohlraum im Innern. In  diesen werden etwa Metallkomponenten gelegt, die erhitzt werden sollen. „Das ist wie bei einem   Waffeleisen“, sagt Kristin  Maier-Müller. Dies indes ist nicht die einzige Anlage, mit der Frau Maier-Müller beweist, dass sie nichts von heißer Luft hält.
Bei einem anderen Gerät wird eine Kunststoffkomponente über einen Metalldorn gestülpt. Dieser wird erhitzt – und die Wärme kommt exakt dort hin, wo sie gebraucht wird – nämlich an die Innenwand des Kunststoffteiles. Wird dieses dann später über ein  kaltes Bauteil gezogen, kühlt es sich ab, zieht sich zusammen und beide Teile sind fest miteinander      verbunden. „Andere stellen solche Teile  beispielsweise auf einen Heiztisch“, sagt die Unternehmenschefin,  „dann kommt die Wärme aber nicht nur dorthin,  wo sie nötig ist, sondern die Umgebung wird mit erwärmt und dadurch viel Energie vergeudet.“

Beim Thema Elektrowärme hat die Firma einiges in petto

Das Reutlinger Unternehmen aber hat im Bereich Elektrowärme noch mehr in  petto. Dazu gehört ein Gerät, das aussieht wie ein kleiner  Kasten mit einer Schublade. Auf dem  Boden  der Schublade stehen  kleine Elektronikbauteile. Diese müssen mit einem  kleinen  Schlauch  überzogen werden – ähnlich dem Kunststoff, der ein  Kabel isoliert.  Wird die Schublade geschlossen,  setzt sich  die Infrarotheizung in Gang, welche  die kleinen Schläuche  für kurze Zeit erhitzt – und nur diese. Da die Heizung  nur kurz Hitze ausstrahlt,  werden Gehäuse, Schublade  und die unteren Teile des Bauteils nicht erhitzt. Nach vier Sekunden  öffnet sich die Schublade wieder,  die kleinen  Schläuche sitzen fest auf dem Elektronikteil. „Wenn man  das in einem normalen Heizofen  machen  wollte, würde das Ganze nicht vier Sekunden dauern,  sondern  zehn Minuten. Und man  würde auch  mehr Energie verbrauchen,  da man ja die ganze Luft um  die Bauteile herum erhitzen würde“, sagt  Maier-Müller zu der Schubladenheizung.
„Unsere Anlagen stehen in der ganzen Welt“, sagt die Firmenchefin. Durch  Steuerungen und Kommunikation  über das Internet  können Techniker direkt aus Reutlingen darauf zugreifen. „Wir müssen uns nicht nur technisch auskennen,    wir müssen auch  die Trends erkennen“ – und einer davon  ist für die Geschäftsführerin Industrie 4.0 – Anlagen,  die sich selbst melden, wenn etwa wieder eine Wartung fällig wird. Noch dieses Jahr  soll eine eigens entwickelte App die Kunden unterstützen. So viel Unternehmergeist wird auch anderweitig honoriert: Seit April ist Maier-Müller Vorstandsmitglied der Reutlinger Elektroinnung –  als erste Frau  in der Geschichte der Innung.

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