EIT – Knochenersatz im 3D-Druck

Knochenersatz im 3D-DruckSo sehen die Implantate von EIT für die Wirbelsäule aus. Foto: EIT.

IdeenwerkBW-Schwerpunkt Medizintechnologie in Baden-Württemberg, Teil 2: Die Firma EIT aus der Nähe von Tuttlingen mischt den Markt für Implantate mit einer neuen Technologie für Knochenersatz  auf.  Sie benützt dafür erstmals 3-D-Drucker.

Der 3-D-Druck ist in aller Munde. Die neue Technik kommt im Bereich der Medizin noch nicht allzu oft zum Einsatz. Die Emerging Implant Technologies GmbH (EIT) mit Sitz im baden-württembergischen Wurmlingen bei Tuttlingen ist ein besonders Start-up. Dahinter stecken der 52 Jahre alte Deutsche Guntmar Eisen und sein 60 Jahre alter niederländischer Kompagnon Hans Eekhof. Sie kennen sich schon seit Jahren. Das Duo unterscheidet sich deutlich von anderen Unternehmensgründern. Eisen, der einst Produktentwicklung an der Fachhochschule Furtwangen studierte, ist praktisch bis auf eine kleine Ausnahme am Anfang seiner beruflichen Laufbahn bisher immer im Bereich der Medizintechnik tätig gewesen. Er startete einst bei Aesculap in Tuttlingen.

Tuttlingen ist ein Weltzentrum der Medizintechnik

Die Region rund um die Kleinstadt gilt als Weltzentrum der Medizintechnik mit rund 400 entsprechenden Unternehmen. Hier kam Eisen 1992 zum ersten Mal mit Medizinprodukten in Berührung. „Da bin ich durch Zufall in den Bereich Wirbelsäule gekommen.“ Und das Thema fasziniert ihn bis heute. So erzählt der Ingenieur voller Begeisterung von einer „sagenhaften Zeit im Produktmanagement“, bei der er die vielfältigen Aspekte des Geschäfts kennenlernte.
Nach acht Jahren bei Aesculap kümmerte sich Eisen längere Zeit bei einem Gemeinschaftsunternehmen, das die Tochtergesellschaft des Melsunger Medizinkonglomerats B. Braun zusammen mit einem Partner ins Leben gerufen hatte, um Zulassung und Vermarktung einer Bandscheibenprothese mit dem Schwerpunkt Nordamerika. Das Unternehmen wurde später verkauft. So gründete er 2004 zusammen mit anderen ein erstes Medizintechnikunternehmen namens Paradigm Spine GmbH. Dort ist er heute immer noch aktiv.

Knochenersatz im 3D-Druck: Nachempfindung von knöchernen Strukturen

Und im Zuge dessen befasste sich Eisen ab dem Jahr 2012 ausführlich mit den Einsatzmöglichkeiten von neuen Technologien im Bereich der Wirbelsäulenimplantate. Da ist der Ingenieur dann auf die 3-D-Technologie (3D-Druck oder additives Fertigungsverfahren genannt) aufmerksam geworden. „Mit ihrer Hilfe können knöcherne Strukturen nachempfunden werden“, erläutert er. Beim Knochenersatz im 3D-Druck bestehe gleichzeitig eine größere gestalterische Freiheit bei der Herstellung der Produkte. Auch sein heutiger Partner – der Niederländer Hans Eekhof kümmert sich heute aus dem Nachbarland heraus um den Vertrieb – habe sich intensiv mit der Technik auseinandergesetzt. So kam es dann zur Gründung von EIT.
Solche Gründungen sind nach Meinung von Eisen schwieriger als andere. So spiele der Kostendruck im Gesundheitswesen eine große Rolle und es gebe zugleich hohe Anforderungen bei der Zulassung von neuen Technologien durch die Medizinprodukteverordnung. Gründer könnten sich auch nicht schrittweise in die Materie einfinden. Insgesamt hat das Unternehmen EIT vier Patente eingereicht und bemüht sich zugleich um ein Patentportfolio. „Wir haben recherchiert, was für Patente es gibt, die zur 3-D-Technik passen“, sagt Eisen und betont: Mit ihrer Hilfe sei es zugleich möglich, wesentlich einfacher komplexere Implantate herzustellen, die beispielsweise in der Höhe verstellbar sind. Eisen und sein niederländischer Partner Eekhof halten an EIT die Mehrheit der Anteile.

EIT hat den US-Zulassungsantrag eingereicht

Bis September vergangenen Jahres flossen insgesamt rund 2,5 Millionen Euro an Eigenmitteln und Fremdkapital in das Unternehmen. Ziel sei es gewesen, mit eigenen Mitteln und mit Hilfe der Bank so weit wie möglich zu kommen, sagt der 52-Jährige. Der Vorteil kleiner Unternehmen sei die Agilität und Möglichkeit der Verkürzung der Entwicklungszeit. Doch nun steht der nächste große Schritt an. Es ist die Expansion nach Amerika geplant. Die Zulassung für die Vereinigten Staaten sei eingereicht worden. Mit einem positiven Votum rechnet Eisen Mitte des Jahres.
Für die weitere Internationalisierung setzen er und sein Partner auf die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft, die seit Anfang an mit von der Partie ist, sowie auf die Wagniskapitalgeber VC Fonds Baden-Württemberg und den privaten Medizintechnik-Investor SHS, Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mit Sitz in Tübingen. Der amerikanische Markt ist für das Unternehmen mit einem Entwicklungsbudget von aktuell rund 1 Million Euro unter anderem aus folgendem Grund attraktiv: Dort kann für das Hightech-Produkt deutlich mehr verlangt werden als in Deutschland. Hierzulande sei der Markt schwieriger, sagt Eisen.
Krankenhäuser schließen sich zu Einkaufsverbänden zusammen und versuchen so die Anzahl der Zulieferer zu reduzieren. Sie seien profitorientiert und hätten zunächst geringes Interesse an neuen Technologien. „Die Kassen versuchen, die generelle Erstattung der neuen Produkte so lange als möglich zu verzögern. Das schafft zusätzliches Geschäftsrisiko und Kapitalbedarf“, sagt Eisen.

Die erste Folge der Serie ist am 30.5. erschienen.

Unternehmenssteckbrief EIT
Die Emerging Implant Technologies GmbH (EIT) mit Sitz im baden-württembergischen Wurmlingen wurde Anfang 2014 gegründet. Sie stellt Knochenersatz im 3D-Druck für die Wirbelsäulenversteifung her. Dabei konzentriert sie sich auf deren Produktion und nicht auf die Neuentwicklung der Teile.
EIT ist den Angaben des Gründers zufolge der erste Hersteller von medizinischen Produkten  orthopädischen Bereich, der Implantate ausschließlich mit so genannten additiven Fertigungsverfahren produziert. Das filigrane Teil kann demnach anatomisch perfekt angepasst werden, und es ist zudem stabiler. Das gedruckte Gerüst bleibt so langfristig erhalten, und Zellen können hineinwachsen.
Bisher sind den Angaben zufolge über 10 000 Patienten mit einem entsprechenden Wirbelsäulenimplantat versorgt worden. Für das Unternehmen sind aktuell 15 Mitarbeiter tätig. Es setzte im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Euro um und liefert bisher in 15 Länder. Bisher werden die Wirbelsäulenimplantate noch bei einem Partner in Belgien gefertigt . Der Druck dauert einen Tag. In den nächsten Monaten soll allerdings auch vor Ort in Wurmlingen gefertigt werden.

 

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