Ecoligo: Crowdinvesting für Ökoenergie in Afrika

EcoligoEine von Ecoligo finanzierte Solaranlage für eine Bank in Ghana. Foto: Ecoligo

Das 2017 von einem Stuttgarter gegründete Startup Ecoligo sammelt Kapital in der Crowd und stellt es dann zum Aufbau von Solaranlagen etwa in Kenia und Costa Rica zur Verfügung – angemessene Rendite inklusive.

„Hilfe zur Selbsthilfe“, so heißt der Slogan der Entwicklungshilfe. Markus Schwaninger, der von 2010 bis 2011 in Kenia tätig war, hat selbst erlebt, dass dieses Versprechen allzuoft nicht erfüllt wird, gerade auch im Bereich der ökologischen Energieerzeugung. „Wenn sie etwas geschenkt bekommen, dann achten sie weniger darauf,“ sagt er.

Das Rezept von Schwaningers 2017 gegründetem Startup Ecoligo? Weg von der Hilfe, hin zu wirtschaftlichen Anreizen. Ecoligo sammelt dafür im Internet Kapital ein. Bei dem in Deutschland seit einigen Jahren etablierten, so genannten Crowdinvesting kann man sich mit Kleinbeträgen an Unternehmen beteiligen. Schon ab einer  Mindestanlage von 100 Euro ist man bei Ecoligo dabei und finanziert Solaranlagen in Entwicklungsländern, bisher vor allem in Kenia. Die Anlagen stehen meist bei kleinen bis mittleren, gut etablierten Unternehmen. „So ganz passt der Begriff Crowdinvesting deshalb nicht zu uns,“ sagt Schwaninger. Das werde meist mit mehr oder weniger riskanten Startup-Ideen assoziiert.

Ecoligo investiert nur, wo es sich rechnet

Ecoligo bietet den Unternehmen die Finanzierung einer Solaranlage an, mit der sie preisgünstig für den Eigenbedarf Strom produzieren und ihre Elektrizitätsrechnung oft massiv senken können. Ecoligo  organisiert mit lokalen Partnern dann auch die Montage und die Wartung. „Für die Unternehmen rechnet sich Solarenergie schnell“, sagt der Ecoligo-Gründer.

 Auch in Kenia werden bisherige Subventionen des Strompreises abgebaut, gerade für kleine und mittlere Betriebe, die nicht von Rabatten profitieren, ist er relativ teuer. Der nächste Schritt sei es, Batterien als Puffer einzusetzen – bisher ist das System nicht geeignet, um  Stromausfälle zu kompensieren. Auch auf eine Einspeisung wird verzichtet, um die Komplexität zu verringern.

Überhaupt ist das ganze Konzept auf Solidität ausgerichtet: Ecoligo richtet sich ausschließlich an Geschäftskunden. „Wir arbeiten bisher auch nur mit Firmen zusammen, die Einnahmen in Euro haben, sodass wir keine Währungsrisiken haben,“ sagt Schwaninger.

Alles sei so weit wie möglich standardisiert.  Üblicherweise haben die Anlagen 100 Kilowatt Spitzenleistung. „Das ist in etwa die Größenordnung einer Blumenfarm in Kenia,“ sagt Schwaninger. Aber Ecoligo hat auch schon eine viermal so große Anlage für eine Universität in Ghana finanziert.

Ein selbsttragendes und rentables Konzept

 Das Konzept trägt sich vollständig selbst. Es gibt keinerlei Subventionen und keine Fördergelder. Es funktioniert, weil jeder Beteiligte finanziell davon profitiert: Die Unternehmen vor Ort, die ihre Stromkosten senken; die lokalen Dienstleister, die mehr Solaranlagen verkaufen – und die Investoren in Deutschland, die mehr Geld verdienen können als mit manch anderer Geldanlage. Dass das Ganze auch noch die Wirtschaft in Entwicklungsländern fördert und etwas für den Klimaschutz leistet, ist sozusagen der Bonus.  Gerade erst ist Ecoligo für diese Kombination zur „Besten Crowdinvesting Plattform Deutschlands 2019“ gekürt worden, in einem Wettbewerb, der von der Vergleichsplattform Bankingcheck.de ausgeschrieben wurde und auf Kundenbefragungen aufbaut.

Markus Schwaninger Foto: Ecoligo

Eine hundertprozentige Ausfallsicherheit könne es, wie beim Crowdinvesting üblich,  nicht geben, sagt Schwaninger. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Projekten, für die im Internet Geld gesammelt wird und die auf oft unerprobte Geschäftsmodelle setzen, könnten die Investoren, die mit 5,5 Prozent Rendite rechnen können, ziemlich ruhig schlafen: „Wir haben lokale Partner und Erfahrung vor Ort.“ Ecoligo pickt zudem die Länder, in denen man aktiv wird, genau heraus: Der Strommarkt muss dereguliert sein, die bürokratischen Auflagen beherrschbar, die wirtschaftliche und politische Lage stabil – und man geht nur in Staaten kleiner bis mittlerer Größe. „Ein Land wie Indien kommt deshalb erst einmal nicht infrage“, sagt Schwaninger.

Neue Länder in Asien im Visier

 Schritt um Schritt erschließt Ecoligo neben Kenia zurzeit neue Märkte: In Ghana und Costa Rica gibt es bereits erste Anlagen. Als nächstes sind die Philippinen oder Vietnam im Visier. Das Potenzial weltweit sei riesig, sagt Schwaninger. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung wachse der Strombedarf und bisher hätten wenige Anbieter speziell kleine und mittlere Unternehmen in Entwicklungsländern im Visier.  „Deutsche Firmen, die in die dortigen Solarmärkte hineinwollten, haben das bisher nicht geschafft“, sagt der Ecoligo-Gründer.

Bisher hat man in den zwei Jahren des Bestehens 20 Projekte mit insgesamt zwei Millionen Euro finanziert. Die Finanzierungen liegen also im sechsstelligen Bereich.  Zurzeit arbeiten für Ecoligo neun Mitarbeiter, davon jeweils einer in Costa Rica, Ghana und Kenia. Wegen der deutschen Gesetzeslage beim Crowdinvesting ist die Höchstbeteiligung bisher auf 10000 Euro gedeckelt, soll aber auf 25000 Euro steigen. In Deutschland wollten inzwischen Finanzinstitute mit Ecoligo kooperieren. Von Anfang an hatte man auch externe Investoren als Gesellschafter. „Banken können ein Konzept wie unseres aber nicht kopieren, ihnen fehlt die Erfahrung vor Ort“, sagt Schwaninger. Er rechnet deshalb mit schnellem Wachstum: Schon im kommenden Jahr soll das Start-up 30 Mitarbeiter haben.  

Ideenwerkbw.de Newsletter

Einmal pro Woche die neuesten Startup-News!

NEWSLETTER