Echobot – Röntgenblick für Unternehmen

EchobotDas ist das Analysebild zu den Firmenumzügen zwischen den deutschen Metropolregionen. Foto: Echobot

Echobot aus Karlsruhe will das Google für die „Business Intelligence“, also für geschäftsrelevante Informationen werden. Das 2011 gegründete Unternehmen mit 40 Mitarbeitern  forscht deshalb selber im Bereich künstliche Intelligenz.

Verliert eine Region Firmen oder gewinnt sie neue dazu? Das ist eine Frage, die nicht nur Bürgermeister interessiert. Echobot aus Karlsruhe braucht für die Antwort nur unsortierte, frei verfügbare Einträge aus den jeweiligen Handelsregistern. Den Rest erledigt der Algorithmus. Auf einer bunten Landkarte und einer Matrix sind alle Firmenumzüge, sortiert nach Metropolregionen,  mit einem Blick zu erfassen – mit teilweise überraschenden Ergebnissen. So liegt  das vermeintlich attraktive München beim Saldo der Zu- und Wegzüge abgeschlagen auf Platz 27. Die Stadt ist offenbar inzwischen zu teuer.

Von Stuttgart (Platz 17 mit ausgeglichener Umzugsbilanz) zieht es die meisten Abwanderer nach Leinfelden-Echterdingen und Fellbach. Günstige Mieten machen hingegen vermeintliche Verliererstädte wie Essen, Bochum oder Gelsenkirchen attraktiv.

Google tummelt sich in anderen Bereichen

Echobot ist eine Suchmaschine – aber sie ist mehr als das: Aus allen zugänglichen Quellen im Internet, von Handelsregistern, Geschäftsberichten, Homepages, Pressemitteilungen über Nachrichten und Blogs bis hin zu  Postings auf sozialen Medien will man ein Gesamtbild erstellen, das Firmen bei denen für sie wichtigen Fragen einen Informationsvorsprung bietet. Nachrichten werden beispielsweise vom System für eine bessere Übersichtlichkeit zusätzlich präzise verschlagwortet: „Geschäftsfeldexpansion“ oder „Neuer Standort“.

Das Echobot-System beantwortet Fragen wie: Ist mein Kunde dabei zu expandieren? Hat ein Streik Auswirkungen auf meine Lieferkette? Oder steht einer meiner Kunden oder Lieferanten gar vor einer Insolvenz? Hier sucht das System beispielsweise nach ganz frühen Indikatoren wie einbrechende Geschäftszahlen oder Konflikte mit den Arbeitnehmern.  Eine finale Bewertung liefert man hier aber nicht, das ist wegen einer möglichen Haftung für Fehlinformationen zu heikel.

Echobot liefert totale Information zu Kunden und Konkurrenten

„Wir haben eine einzigartige Relevanzbewertung des aktuellen Nachrichtenstroms“, sagt Echobot-Gründer Bastian Karweg. Das Ranking einer Suchmaschine funktioniere hingegen nach einfacheren, mehr statischen Kriterien, sagt er: „Im Bereich für Geschäftskunden ist Google nicht unterwegs.“

Echobot, dessen Gründer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geprägt wurden, hat mehr Ehrgeiz als ein Durchschnitts-Startup.  „Wir standen 2015 am Scheideweg.  Sollen wir in den internationalen Vertrieb investieren? Oder nehmen wir unseren Datenschatz und kommen auf eine ganz neue Ebene?“, sagt Karweg. Neue Ebene heißt: Mithilfe von Künstlicher Intelligenz die Fähigkeit des Systems steigern, auch komplexe Informationen zuverlässig zu sortieren und bewerten. Echobot entschied sich für die  Vision. Doch dazu muss man eigene Forschung betreiben.

Der Computer soll ein tieferes Verständnis lernen

Manches für den Menschen vergleichsweise trivial erscheinendes Problem, ist für es für den Computer nicht. Ist Linde nun der Gase-Spezialist – oder ein Baum? Ist Jaguar eine Automarke – oder ein Tier?

Wie knifflig die Interpretation von Einzelfällen sein kann, zeigt ein Beispiel, das den Ostfilderner Automatisierungsspezialisten Pilz betrifft. Auf der zur Präsentation aufgerufenen Liste, taucht auf einmal eine aktuelle Meldung auf, dass Pilz Mitarbeiter übernimmt, taucht auf. Eigentlich ein klares Indiz, dass es sich um ein Unternehmen haben muss, oder? Aber es geht diesmal um die nach dem Grünen-Politiker Peter Pilz benannten Grünen-Fraktion im österreichischen Parlament. Bei solch einem Kuriosum muss das System (noch) passen.

15 Prozent der Mitarbeiter forschen – für Startups ungewöhnlich

„Das ist der Grund, warum wir jährlich einen gut sechsstelligen Betrag in die Entwicklung stecken und sechs Leute in der Forschung arbeiten“, sagt Karweg – immerhin ein Mitarbeiteranteil von 15 Prozent. Hier brütet man etwa über die richtige Definition und Verschlagwortung von Mitarbeiterpositionen in Unternehmen und entwickelt Trainingsdaten für die Künstliche Intelligenz.

„Das System ist immer nur so gut, wie die Daten, die man ihm gibt“, sagt Matthias Keller, der für das Forschungsteam verantwortlich ist. Am härtesten seien immer die letzten 20 Prozent an Treffsicherheit. Aber wenn man beispielsweise Insolvenzen vorhersagen will, braucht es eine extrem zuverlässige Trefferquote. „Vollständig fehlerfrei werden sie ein System aber nie bekommen“, sagt Keller.

Das Prinzip Open Source ist der Schlüssel

Forschung ist in dem Bereich auch möglich, weil in diesen Bereich viel nach der Philosophie „Open Source“ gearbeitet wird, also viele auch von großen IT-Konzernen entwickelte Software frei zur Verfügung steht, gerade auch von Facebook und Google. Die haben ein Interesse daran, dass es möglichst viele Anwendungen gibt. „Deren Schatz sind nämlich die Daten – und je mehr damit gemacht wird, umso besser“, sagt Karweg.

Echobot hatte den Vorteil, dass man sich erst einmal im deutschen Sprachraum entwickeln konnte, der für die globale Konkurrenz nicht als erster im Visier ist. Nun will man den eigenen seit 2011 gesammelten Datenschatz und die Basisarbeit mit Künstlicher Intelligenz zum Sprung in neue Dimensionen nutzen.

Bald soll  das System auch Englisch beherrschen. Man hat bereits mit Übersetzungen experimentiert. Und da haben die Echobot-Forscher bereits eine überraschende Erkenntnis gewonnen: „Wenn sie vom Deutschen ins Englische übersetzen und dann wieder zurück, dann ist die sekundäre deutsche Version oft klarer und eindeutiger als das Original“, sagt Karweg.

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