Digitalisierung bei W&W – Hebammen als Trumpf

Digitalisierung bei W&WVorsorge - das heißt auch eine gute Vorbereitung aufs Baby. Foto: Unsplash/Luma Pimentel

Die Finanzbranche ist durch neue, digitale Angebote unter Druck. Mit dem Startup-Zweig Brandpool soll die Digitalisierung bei W&W, dem Stuttgarter Konzern Wüstenrot & Württembergische, schneller vorangehen.

Versicherung – das ist für viele Verbraucher ein Stichwort, das nach Papierkram und Kleingedrucktem klingt. Digitale Technologie hat das Potenzial, das leidige Thema transparenter zu machen. Das wiederum dürfte vertraute Geschäftsmodelle und manchen Gewinnbringer bei den Policen ins Wanken bringen. Der Stuttgarter Anbieter Wüstenrot & Württembergische (W&W) übt sich deshalb schon einmal in einer neuen Sprachregelung: „Wir verstehen uns als Vorsorgekonzern – und das wollen wir in die digitale Welt bringen“, sagt Daniel Welzer, der den im vergangenen Mai gestarteten W&W-Startup-Zweig Brandpool verantwortet, der die Digitalisierung bei W&W intensivieren soll.

Erste Bilanz für die Digitalisierung bei W&W

Nun zieht er nach einem Jahr eine erste Bilanz. Mit fünf Startups unter dem Brandpool-Dach ist man immer noch im Anfangsstadium. In den kommenden Jahren aber soll der Digitalzweig dem Mutterkonzern, der heute sechs Millionen Kunden hat, einige Hunderttausend zusätzliche Nutzer bescheren. „Wir wollen sowohl Ideen weiterentwickeln, die bei uns im Haus entstanden sind, als auch in geeignete Startups investieren“, sagt Welzer. Bisher hat Brandpool 20 Millionen Euro für digitale Geschäftsmodelle ausgegeben; jedes Jahr will man zwei bis drei weitere Startups lancieren beziehungsweise sich an ihnen beteiligen.

Bereits vor der Gründung von Brandpool ist Ende 2017 die Internetplattform Adam Riese gestartet, die heute mehr als 50 000 Kunden hat. Das aus einem internen Innovationsprozess hervorgegangene Online-Angebot, offeriert laut Werbeslogan „ehrliche Angebote, passgenaue Lösungen in nur drei Minuten“. Nur im Impressum ist zu erkennen, dass es sich um eine hundertprozentige Tochter von W&W handelt. Sehr flexibel zu konfigurierende Tarife sollen Startups im Bereich der Finanztechnologie Paroli bieten, die genau mit dieser Transparenz Kunden locken. Mit Hausratversicherung, Privathaftpflicht, Rechtsschutz und Tierhalterhaftpflicht offeriert man bisher noch ein Standardprogramm. In einem weiteren Schritt will man Versicherungen anbieten, wie es sie bisher noch nicht gibt. Was das genau sein könnte, dazu hält man sich noch bedeckt.

Wegweiser durch den Versicherungsdschungel

Ein weiteres Brandpool-Unternehmen namens Treefin soll für Verbraucher Wegweiser durch den eigenen Versicherungsdschungel sein. Alle Versicherungskonten und -verträge sollen mit wenigen Klicks transparent werden, auch die von anderen Anbietern als W&W. Wenn das System auslaufende Verträge oder Optimierungsbedarf erkennt, macht es Vorschläge.

Als Unternehmen habe man bereits ein relativ breites Angebotsspektrum, sagt Welzer. Es reicht von der Baufinanzierung (Wüstenrot) bis zum Versicherungsgeschäft (Württembergische). Doch man will neue Geschäftsfelder erschließen. Und so ist das jüngste Startup unter dem Dach von Brandpool das Online-Portal Kinderheldin, das Schwangere und Hebammen zusammenbringen soll. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass es in Deutschland immer schwieriger wird, eine Hebamme zu finden.

Für 9,90 Euro kann man sich von einer Hebamme beraten lassen. Für 39,90 Euro gibt es sogar eine Flatrate für einen Monat. Das Hebammen-Portal ist ein Beispiel dafür, wie eine solche thematische Ausweitung des Geschäfts funktioniert. Unter dem Dach von Brandpool hat es mit Keleya bereits ein als Startup gegründetes Serviceportal für Schwangere gegeben. Und das Thema Schwangerschaftsvorsorge empfiehlt sich auch noch aus einem anderen Grund: W&W bietet private Krankenversicherungen an.

Vorsorge ist ein weites Feld

Unter das Stichwort Vorsorge könne man in Zukunft auch noch ganz andere Themen packen, sagt der Brandpool-Chef. Bildung und lebenslanges Lernen gehören etwa dazu oder auch Familie beziehungsweise Mobilität. Die Digitalisierung bei W&W bedeute ein weit ausgeworfenes Netz, sagt Welzer: „Die meisten anderen Unternehmen denken zuallererst lediglich an die Digitalisierung ihres bisherigen Geschäfts.“

Die jeweiligen Beteiligungen reichen von zehn bis 100 Prozent. Ziel ist für W&W im Gegensatz zu Risikokapitalgebern nicht die Rendite, sondern die gemeinsame Weiterentwicklung des Konzepts. Die Gründerinnen des Unternehmens profitieren von der Kundenreichweite und der rechtlichen Expertise, W&W erweitert sein Geschäftsmodell oder lernt etwas fürs Kerngeschäft. „Während der Aufbauphase entdecken einige Startups, wie schwierig und teuer die Akquise von Endkunden ist“, sagt Welzer. Auch wenn drei der bisher fünf Brandpool-Startups in Berlin sitzen, werde man in der Region Stuttgart verankert bleiben, sagt Daniel Welzer: „Startups aus dem Bereich der Finanztechnologie brauchen zum Beispiel im Bereich Regulatorik auch Experten des Mutterkonzerns – und der sitzt in unserem Fall hier.“

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