Die L-Bank setzt auf Nachfolgeförderung

L-Bank; NachfolgeförderungWill der Junior Chef werden? Das nicht bei allen Firmen im Land sicher. Foto: Pixabay/RoyalAnwar/CC0

Die baden-württembergische Förderbank L-Bank spricht von einem zweistelligen Wachstum bei der Förderung von Existenzgründungen im Land. Es geht hier aber nicht nur um Startups, sondern auch um die Nachfolgeförderung in bestehenden Unternehmen.

In Baden-Württemberg werde nicht aus der Not heraus gegründet – und auch nicht mangels Alternativen ein bereits bestehendes Unternehmen übernommen, schreibt die Bank in ihrem Zwischenbericht für das 1. Halbjahr 2018. Das hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Neugründungen im Land gedämpft. Doch wenn man die Unternehmensnachfolgen einbeziehe, sei das Bild positiv, sagt die Bank.  „Besonders die Nachfolgefinanzierung hat in Baden-Württemberg einen hohen Stellenwert. Das geht in der Förderstatistik etwas unter“, sagt L-Bank-Chef Axel Nawrath anlässlich der Gründerwoche Deutschland. „Wir differenzieren nicht zwischen Existenzgründern und Unternehmensnachfolgern – denn für beide ist es der Aufbau beziehungsweise die Weiterentwicklung eines eigenen Unternehmens.“ Ein weiterer Grund: Die Bank sieht beides als einen Neuanfang für einen Unternehmer.

Im vergangenen Jahr wuchs die Existenzgründungsförderung um mehr als 10 Prozent auf 660 Millionen Euro. Mit einem Plus von elf Prozent im ersten Halbjahr 2018 setzt sich der Trend fort. Die Förderung habe deshalb ein neues Rekordniveau erreicht. Seit 2015 wurden in den L-Bank-Darlehensprogrammen mehr als 4500 Unternehmensübernahmen mit einem Kreditvolumen von 1,1 Milliarden Euro gefördert. „Über den Daumen gepeilt liegt der Anteil dieser Nachfolgeförderung bei etwa einem Drittel des Volumens, die anderen zwei Drittel entfallen auf Gründungen im eigentlichen Sinn“, sagt ein L-Bank-Sprecher. Zahlen über die aktuelle Aufteilung lägen aber nicht vor. Insofern lässt sich auch nicht beurteilen, welchen Anteil an dem augenblicklichen Zuwachs  eigentlich Neugründungen haben.

L-Bank-Chef: Nachfolgeförderung ist Schlüsselthema

Für den Südwesten sind reibungslose Unternehmensnachfolgen laut L-Bank-Chef Nawrath ein Schlüsselthema. Die aktuelle Entwicklung fordere volle Aufmerkasamkeit:  „Eine weitere Zuspitzung der Situation bei der Unternehmensnachfolge im Mittelstand ist absehbar.“

Grund dafür ist vor allem die demographische Entwicklung. Die Unternehmer der geburtenstarken Jahrgänge gehen in den kommenden Jahren den Ruhestand. In Baden-Württemberg ist laut der L-Bank der Anteil älterer Inhaber vergleichsweise hoch. Rund 41 Prozent sind 55 Jahre oder älter. Auf der anderen Seite sind die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen zahlenmäßig schwächer. Gleichzeitig sei die Konkurrenz um diese Zielgruppe hoch: Attraktive Karrierechancen bieten sich auch in Großunternehmen, dem Mittelstand, bei Forschungsinstituten oder staatlichen Einrichtungen. Zudem sei es nicht mehr so selbstverständlich wie früher, dass die eigenen Kinder eine bestehende Firma übernehmen.

Dabei sind die wirtschaftlichen Chancen bei Nachfolgen in der Regel gut. Sie sind damit auch eine wichtige Säule für die weitere gesamtwirtschaftliche Entwicklung. „Der Nachfolger kann mit einem eingespielten Team, einer guten Marktpositionierung und einem festen Kundenstamm rechnen“, heißt es in der Analyse der Bank: „Die Betriebsabläufe sind geregelt und auf bestehenden Aufträgen kann aufgebaut werden, sodass das Gründerrisiko oft minimiert werden kann“.

Förderangebote für Gründer und Nachfolger
Das von der öffentlichen Hand in Baden-Württemberg rund um Wirtschaftsministerium, L-Bank und Mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBG aufgebaute Angebot an Finanzierungen reicht von Fremdkapital bis zu Risikokapital. Dabei ist der Übergang von Darlehen zu Risikokapital fließend. Ein wichtiger Hebel sind Bürgschaften der L-Bank für Kredite anderer Institutionen. Im August 2018 wurde mit dem Programm „Startup BW Pre-Seed“ ein Instrument geschaffen, das Startups für Risikokapital von institutionellen Anlegern attraktiv machen soll.

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